6.1.2 Raumbezogene Zielkategorien (siehe Karte 4.1)
Böden lassen häufig Rückschlüsse auf natur- und kulturgeschichtliche Ereignisse zu (z.B. sog. „Fossile“ Böden, Aueböden, Böden, die Rodungsperioden im Einzugsgebiet dokumentieren oder Böden, die Reste alter Siedlungsanlagen enthalten). Daher sind solche Böden von hohem Wert zur Gewinnung geschichtlicher Erkenntnisse für die Wissenschaft, aber auch für die Öffentlichkeit. Geologisch schutzwürdige Objekte sind i.d.R. besondere natürliche Ausbildungen geologischer oder hydrogeologischer Formationen (z.B. besonders auffällige Gesteinsbildungen wie z.B. der Staffelberg, Dolinen oder spezielle Quellaustritte) oder Aufschlüsse, die interessante Einblicke in Gesteinsformationen ermöglichen (z.B. Kalk- oder Sandsteinbrüche). Auf Grund ihrer natur- und kulturgeschichtlichen Bedeutung sollen die genannten Objekte, die oft auch prägend oder bereichernd für das landschaftliche Erscheinungsbild sind, nachhaltig gesichert und nicht zerstört bzw. so gering wie möglich beeinträchtigt werden. Entsprechende Böden und Objekte sind als "Archivböden und Geotope mit hervorragender Bedeutung" in Karte 4.1 dargestellt. In der Region Oberfranken-West finden sich solche Gebiete nach derzeitigem Kenntnisstand im wesentlichen
Durch die intensive Nutzung der mitteleuropäischen Landschaft sind unbeeinträchtigte, von menschlicher Tätigkeit weitgehend unbeeinflusste oder nur gering beeinflusste Bodenvorkommen sehr selten. Bedeutsam sind vor allem Böden, die natürlichen dynamischen Standortbedingungen unterliegen, z.B. regelmäßig überschwemmte und starken Grundwasserschwankungen unterworfene Böden (Auenböden der großen Flusstäler der Region), Böden, die natürlicherweise überschüttet oder erodiert werden sowie seltene, unbeeinträchtigte Bodenbildungen. Diese Böden stellen besonders schutzwürdige Eigenbildungen der Natur und Standorte seltener Lebensgemeinschaften dar. Ihr Erhalt ist deshalb vordringlich. Gegenüber Belastungen sind diese Böden - mit Ausnahme von sorptionsstärkeren Auenböden (siehe Karte 1.1) - besonders empfindlich. Insbesondere stofflichen Belastungen können sie häufig nur sehr geringen Widerstand entgegensetzen und schützen deshalb auch das Grundwasser nur in sehr geringem Maße. Auch deshalb kommt hier dem Bodenschutz eine hervorragende Bedeutung zu. Die genannten Gebiete sind als "Gebiete mit hervorragender Bedeutung des Bodens als Standort für seltene Lebensgemeinschaften sowie für die Sicherung empfindlicher Böden" in Karte 4.1 dargestellt. In der Region Oberfranken-West finden sich solche Gebiete im wesentlichen
Infolge menschlicher Nutzungen können insbesondere auf Böden mit sehr geringer oder geringer Puffer- und Transformatorfunktion Bodenbelastungen entstehen, die Beeinträchtigungen von Ökosystemen und/oder der menschlichen Gesundheit durch Schadstoffanreicherungen in Nahrungsmitteln hervorrufen können. Belastende Stoffgruppen sind u.a. Schwermetalle, organische Chemikalien, Säurebildner und radioaktive Stoffe. Da Böden im Gegensatz zu Wasser oder Luft gar nicht bzw. nur mit erheblichem Aufwand gereinigt werden können und gerade die dargestellten Böden besonders empfindlich gegenüber Belastungen sind, sollte das Vorsorgeprinzip konsequent angewendet und Stoffeinträge auf ein Minimum beschränkt werden. Mit Eingriffen in Böden durch meliorative Maßnahmen erfolgen zwangsläufig Beeinträchtigungen ihres Nährstoff- und Wasserhaushaltes, Schädigungen der Bodenstruktur und damit Veränderungen der Standortqualität. Insbesondere letztgenannte Eingriffe sind für den Verlust organischer Böden verantwortlich zu machen und sollen deshalb nicht mehr erfolgen. Insbesondere sollten Entwässerungen und Nährstoffeinträge verhindert bzw. rückgängig gemacht werden. In Bereichen, in denen Beeinträchtigungen der Böden bestehen, sollte angestrebt werden, möglichst natürliche Standortverhältnisse (z.B. durch Verfüllung von Entwässerungsgräben) wiederherzustellen. Bodenerhaltende Nutzungen, die in diesen Gebieten verstärkt zu fördern sind, sind Nutzungsformen, die keine erheblichen Eingriffe in den Bodenhaushalt voraussetzen, z.B. eine an den jeweiligen Standort angepasste Grünlandnutzung. Zur Wiederbelebung des natürlichen Bodenwasserhaushalts in Auenböden sollen, wo möglich und vertretbar, Maßnahmen zum Rückbau von Hochwasserfreilegungen erfolgen sowie die ursprüngliche Überschwemmungs- und Grundwasserdynamik wiederhergestellt werden.
Die Böden dieser Gebiete sind auf Grund eines sehr geringen Rückhalte- bzw. Sorptionsvermögens sehr empfindlich. Sie sind in der Region Oberfranken-West wenig verbreitet und daher auch Standorte für seltene Lebensgemeinschaften. Die Landnutzung soll deshalb zum einen auf Grund des überwiegend sehr geringen Rückhaltevermögens dieser Gebiete
Bei diesen Standorten handelt es sich in der Regel um nasse, staunasse, steile, flachgründige und/oder trockene Lagen oder um intakte Auenböden. In der Region 4 ist die Landnutzung an diese speziellen Standortverhältnisse nur selten angepasst. Vor allem in den genannten Gebieten soll eine extensive Grünlandnutzung bzw. eine standortgemäße Waldbegründung angestrebt werden.
Der Erhalt von sehr empfindlichen Böden bzw. von Böden als Standorte für seltene Lebensgemeinschaften schließt Flächeninanspruchnahmen durch Abbau, Überbauung oder Ablagerung aus. Flächeninanspruchnahmen sollen deshalb grundsätzlich unterbleiben, da eine zufriedenstellende Ausgleichsmöglichkeit nicht besteht. Mit derartigen Eingriffen in Böden erfolgen zwangsläufig Veränderungen der Standortqualität. Solche Eingriffe sind im wesentlichen: vollständige Bodenverluste durch Flächeninanspruchnahme, stoffliche Veränderungen durch Stoffeinträge, Schädigungen der Bodenstruktur sowie Veränderungen des Bodenwasser- und Nährstoffhaushalts durch Ablagerungen. Böden mit hervorragender Bedeutung, die durch Abbau beansprucht werden, kommen in der Region Oberfranken-West östlich Ludwigsstadt, zwischen Mitwitz und Kronach (Burgstall), im Maintal nördlich Zapfendorf und im Regnitztal gebietsweise zwischen Altendorf und Forchheim vor.
Bei den angesprochenen Böden handelt es sich in aller Regel um Böden, die erst nach starken Eingriffen in ihren Bodenwasser- und Stoffhaushalt intensiv genutzt werden können. Gegenüber Belastungen sind diese Böden empfindlich. Insbesondere stofflichen Belastungen können sie nur geringen Widerstand entgegensetzen und schützen deshalb auch das Grundwasser nur in geringem Maße. Besonders problematisch sind organische Böden, die nach Absenkung des Grundwasserstandes zersetzt werden und deren Zersetzungsprodukte zu hohen Belastungen der Medien Wasser und Luft führen. Aufgrund ihrer geringen natürlichen Ertragsfähigkeit konnten die betreffenden Gebiete ehemals nur extensiv genutzt werden und entwickelten sich hierdurch häufig zu Standorten seltener Tier- und Pflanzengemeinschaften. Daher gilt es, diese Standorte vor zusätzlichen Flächeninanspruchnahmen mit erheblichen negativen Auswirkungen auf den Bodenhaushalt zu schützen, Einträge von Nährstoffen und sonstige stoffliche Belastungen soweit wie möglich zu reduzieren und ehemalige Feucht-, Trocken- und Magerstandorte wieder zu entwickeln. Diese Bereiche sind auf Grund ihrer standörtlichen Gegebenheiten auch als Suchräume von Bedeutung, innerhalb derer Verbesserungsmaßnahmen zur Wiederherstellung natürlicher Standortqualitäten und daran angepasster Nutzungen sowohl aus Gründen des Bodenschutzes wie auch des Arten- und Biotopschutzes besonders zielführend sind. Unter forstwirtschaftlichen Flächen besteht insbesondere bei Nadelwaldnutzung ein erhöhtes Risiko von Schadstoffausträgen bei fortschreitender Bodenversauerung (vgl. Karte 3.2). Deshalb sollte aus naturhaushaltlicher Sicht der Laubholzanteil deutlich erhöht werden, um der hohen Versauerungstendenz der meist sandigen Böden unter Nadelwald vor allem im Unterkarbon, Buntsandstein, Burgsandstein, im Oberen Keuper (Rhät) sowie auf Flugsanden entgegenzuwirken. Waldbegründungen sollten als Laubwald erfolgen bzw. in bereits waldreichen und gleichzeitig versauerungsgefährdeten Gebieten unterbleiben. Die genannten Gebiete sind als "Gebiete mit besonderer Bedeutung als Standort für seltene Lebensgemeinschaften sowie für die Sicherung empfindlicher Böden" in Karte 4.1 dargestellt. Sie kommen mit folgenden Schwerpunkten vor:
Das Rückhaltevermögen für sorbierbare Stoffe feuchter, sandbeeinflusster und/oder flachgründiger Böden, die teilweise ackerbaulich genutzt werden, ist oft gering. Stoffliche Belastungen können deshalb von diesen Böden nur schlecht kompensiert werden. Belastungen erfolgen durch die Landwirtschaft und durch Stoffeinträge über die Luft. Auf landwirtschaftlichen Flächen erfolgen Nährstoffeinträge und Einträge von Pflanzenschutzmitteln sowie Schwermetallen (schwermetallhaltige Pflanzenschutzmittel und Düngemittel). Schwermetalle sind aufgrund der Kalkung auf landwirtschaftlichen Flächen in der Regel festgelegt. Bei der Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung besteht bei zunehmender Bodenversauerung und im Falle erhöhter Schwermetallgehalte des Bodens die Gefahr einer Mobilisierung von Schwermetallionen und der Verlagerung ins Grundwasser (vgl. GLA 1981). Deshalb sollen bei Flächenstilllegungen, Aufforstungen und Extensivierungsmaßnahmen Bodenuntersuchungen erfolgen, um eine Mobilisierung von Schadstoffen durch pH-Wert-Absenkungen auszuschließen. Entsprechende Böden kommen unter derzeitiger Ackernutzung in den o.g. Gebieten vor.
Unter Bodenversauerung wird der Verlust an puffernden Substanzen wie Calcium-, Natrium-, Magnesium- und Kaliumionen verstanden, die durch Säureeinwirkung von ihren ursprünglichen Bindungsplätzen verdrängt und mit dem Sickerwasser ausgewaschen werden. Der Eintrag versauerungsfördernder Schwefel- und Stickstoffverbindungen liegt in Nordbayern etwa drei- bis viermal so hoch wie derjenige von versauerungsschwächenden Stoffen wie Calcium, Magnesium und Kalium (KÖLLING 1999). Sandige Böden, die sich häufig aus dem Ausgangsmaterial des Buntsandsteins oder des Sandsteinkeupers entwickeln, welche z.B. in den Haßbergen, im Steigerwald oder im Itz-Baunach-Hügelland dominieren, setzen bodenversauernden Prozessen in der Regel nur eine geringe Pufferwirkung entgegen. Belastungen erfolgen durch die ggf. versauernde Wirkung der Vegetation und durch Stoffeinträge über die Luft. Unter forstwirtschaftlichen Flächen besteht insbesondere bei Nadelwaldnutzung ein erhöhtes Risiko von Schadstoffausträgen bei fortschreitender Bodenversauerung, weil Nadelwälder Schadstoffe deutlich stärker „auskämmen“ als Laubwälder (Verhältnis Fichtenwald : Laubwald 2,1 : 1,4, LFW 1997). Die atmosphärischen Säureeinträge in die Waldbestände der Region Oberfranken-West sind vergleichsweise hoch, sie liegen häufig über 5.000 eq/ha (GAUGER et al. 2002). Etwa drei Viertel der Wälder der Region Oberfranken-West sind Nadelwälder (siehe Kap. 3.2)! Deshalb sollte in Nadelwäldern aus Sicht des Boden- und Gewässerschutzes der Laubholzanteil deutlich erhöht werden, um der teilweise hohen Versauerungstendenz von Waldböden vor allem im Frankenwald, aber auch in Steigerwald, Haßberge, Obermainischem Hügelland, Itz-Baunach-Hügelland und Mittelfränkischem Becken entgegenzuwirken. Waldneubegründungen bzw. -verjüngungen sollten vor allem auf versauerungsgefährdeten Standorten (siehe Karte 1.1) als Laubwald erfolgen bzw. in bereits waldreichen und gleichzeitig versauerungsgefährdeten Gebieten unterbleiben.
In Wald und Grünlandgebieten sind Beeinträchtigungen der Bodenfunktionen durch mechanische Belastungen oder erosionsbedingten Bodenabtrag i. d. R. weitgehend ausgeschlossen. Darüber hinaus weisen Grünlandstandorte sowie Waldböden mit geringer oder mittlerer Versauerungsgefährdung auch kaum physiko-chemische Veränderungen auf, so dass insgesamt von einer vergleichsweise hohen Naturnähe dieser Böden und Intaktheit der natürlichen Bodenfunktionen auszugehen ist. Diese ist nur durch eine Beibehaltung der dafür mit ausschlaggebenden Nutzungsformen wie Dauergrünland oder Wald aufrechtzuerhalten. Da die atmosphärischen Säureeinträge in die Waldbestände der Region Oberfranken-West überdurchschnittlich hoch sind, empfiehlt es sich allerdings auch in Nadelwaldbeständen auf Standorten mit geringer oder mittlerer Versauerungsgefährdung (z.B. in Wäldern östlich Burgkunstadt, östlich Bamberg oder südlich Aufseß) den Laubholzanteil zu erhöhen, um das Risiko einer langfristigen Überschreitung kritischer Belastungsn zu vermindern. Die genannten Gebiete sind als "Gebiete mit besonderer Bedeutung für die Erhaltung der Bodenfunktionen auf relativ naturnahen und noch weitgehend unbeeinträchtigten Standorten" in Karte 4.1 dargestellt. Derartige Standorte sind in der Region Oberfranken-West größerflächig insbesondere auf der Fränkischen Alb und in Teilbereichen des Obermainischen Hügellandes (z.B. nordöstlich Burgkunstadt) verbreitet. Kleinflächig kommen sie in allen Naturräumen der Region 4 vor.
Große Gebiete der Region Oberfranken-West v.a. im Nordwestlichen Frankenwald, im Steigerwald oder am Albtrauf sind derzeit durch Waldbestände gegenüber Erosion geschützt. Auch Winderosionsgefährdete Gebiete sind östlich Bamberg oder im Regnitztal unterhalb Hirschaid durch Waldbestände geschützt. Dem Erhalt dieser zu großen Teilen durch den Eintrag von Säurebildnern gefährdeten Wälder kommt daher auch aus Gründen des Erosionsschutzes eine hohe Bedeutung zu. Neben Waldbeständen weist zudem die Grünlandnutzung in erosionsgefährdeten Lagen eine hohe erosionsschützende Wirkung auf. Indem Grünlandumbruch oder eine die dauerhafte Bodenbedeckung gefährdende Übernutzung des Grünlandes in derartigen Lagen vermieden werden, können diese Schutzfunktionen erhalten werden, was den Grundsätzen der „Guten fachlichen Praxis“ in der Landwirtschaft entspricht, wie sie im Bundesnaturschutzgesetz aufgeführt werden. Diese Gebiete sind als " Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Schutz des Bodens durch Erhalt erosionsschützender Vegetations- und Nutzungsstrukturen " in Karte 4.1 dargestellt.
Bodenerosion führt zu einem Verlust an durchwurzelbarer Bodensubstanz sowie zur Verarmung des Bodens an Humus und Pflanzennährstoffen. Hiermit verbunden ist eine irreversible Beeinträchtigung sämtlicher natürlicher Bodenfunktionen sowie ein nicht gewünschter Eintrag von Nähr- und Schadstoffen in Gewässer. Durch geeignete Bewirtschaftungsmaßnahmen entsprechend den Grundsätzen der "Guten fachlichen Praxis" in der Landwirtschaft können Erosionserscheinungen vermindert werden (vgl. auch Kap. 11.1). In stark erosionsgefährdeten Lagen ist ein wirksamer Erosionsschutz insbesondere durch eine Erhöhung des Grünlandanteils zu erreichen. Auf den ackerbaulich genutzten Flächen lässt sich das Erosionsrisiko durch Maßnahmen zur Verkürzung der erosionswirksamen Hanglänge sowie geeignete Bewirtschaftungsmaßnahmen wie die Wahl erosionsmindernder Fruchtfolgen, hangparallele Bearbeitung, Zwischenbegrünung und Untersaaten vermindern. Besonderer Handlungsbedarf besteht insbesondere in den genannten und in Karte 4.1 dargestellten Gebieten. In der Region Oberfranken-West finden sich erosionsgefährdete Gebiete vor allem in den genannten Gebieten. Diese Gebiete sind als "Gebiete mit besonderer Bedeutung für den Schutz des Bodens durch Entwicklung erosionsschützender Vegetations- und Nutzungsstrukturen“ in Karte 4.1 dargestellt.
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