3.2 Flächennutzungen

3.2.1 Landschaftsgeschichte und Historische Kulturlandschaft

Kurzüberblick zur Landschaftsgeschichte

(Eine ausführliche Beschreibung der Landschaftsgeschichte und der Entwicklung der Flächennutzungen findet sich im Anhang, Kap. 1)

Frühmittelalter

Im 6. Jh. gelangten das Main- und das Regnitztal in den Einfluss fränkischer Expansionspolitik. Im Zuge der frühmittelalterlichen Landnahme drangen die Franken entlang der Täler bis an den Rand des Frankenwaldes und in den Jura vor. Es wurden die landschaftlichen Grundstrukturen gelegt, die bis heute Bestand haben. Mit der Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 durch Kaiser Heinrich II. begann die kulturelle Eigenentwicklung der Region mit dem Bamberger Dom als Kristallisationspunkt.

Hoch- und Spätmittelalter

In der hoch- und spätmittelalterlichen Ausbauphase des 12. und 13. Jahrhunderts wurde die Besiedlung des Frankenwaldes bis zum Rennsteig vorangetrieben. Siedlungsträger waren das Bistum Bamberg und die Adelsgeschlechter. Aus nördlicher Richtung drang das Kloster Saalfeld vor.

Frühe Neuzeit

In der frühen Neuzeit vollzog sich über Streusiedlungen der kulturlandschaftliche Ausbau der kargen Buntsandsteingebiete durch die kleinen Reichsritterschaften. Ein Beispiel hierfür sind die Mitwitzer Wustungen.

Landwirtschaft und Flößerei

Landwirtschaft und Flößereigewerbe haben die Region Oberfranken-West am tiefgreifendsten geformt und prägen die Kulturlandschaft in ihrem Erscheinungsbild. Die Flößerei hat als wirtschaftlich einträglichstes Gewerbe im Frankenwald bis in das 20. Jahrhundert hinein die Gestalt der Flüsse, der Dörfer und der Wälder in ganz spezifischer Weise bestimmt.

Die heutige Kulturlandschaft in Oberfranken-West ist in ihren landschaftlichen n und Grundfesten überwiegend ein Abbild der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts reichenden Schaffenskraft des Hochstiftes Bamberg und der klösterlichen Herrschaften. Das Hochstift wurde begleitet von dem historischen Wirken der Reichsritterschaften. Eine weitere gestaltprägende Kraft war das ehemalige Herzogtum Sachsen-Coburg, in dessen Einflussbereich sich die Kulturlandschaftsräume deutlich von denen klösterlicher und reichsritterschaftlicher Prägung unterscheiden.

Historische Kulturlandschaft

Ausgehend von den naturräumlichen Gegebenheiten entsteht durch unterschiedlichste Formen der menschlichen Einflussnahme die Kulturlandschaft in ihrer vielfältigen Differenzierung. Aufgrund der sich wandelnden Anforderungen menschlicher Gesellschaften an die Landschaft unterliegt die Kulturlandschaft einem andauernden Veränderungsprozess. Auf diese Weise werden Elemente und Strukturen der Kulturlandschaft zu historischen Kulturlandschaftselementen, d.h. sie wurden in der Vergangenheit vom Menschen geschaffen, sind heute noch vorhanden, würden aber unter den aktuellen Rahmenbedingungen in dieser Form nicht mehr neu entstehen. Als Zeugnisse des Wirkens vergangener Generationen, z.B. ihrer Art zu wohnen, zu wirtschaften, sich fortzubewegen oder in der Form der Religionsausübung, können sie von hoher kulturhistorischer Bedeutung sein.

Die Region Oberfranken-West zeichnet sich durch einen außerordentlichen Reichtum an historischen Kulturlandschaftselementen aus. Das Pilotprojekt „Historische Kulturlandschaft im Landschaftsentwicklungsprogramm der Planungsregion Oberfranken-West“ beschäftigt sich mit der Erfassung und Bewertung dieses historischen Erbes in der Landschaft. Es verfolgt dabei den methodischen Ansatz, dass sich auf der Basis der naturräumlichen und historischen Bedingtheit der historischen Kulturlandschaftselemente, ihrer spezifischen Vergesellschaftung sowie ihrer kulturhistorischen Bedeutung historische Kulturlandschaftsräume unterschiedlicher Wertigkeit abn und beschreiben lassen. Anhand der Kriterien „historischer Zeugniswert“, „Erhaltungszustand“ und „charakteristische Eigenart“ werden die einzelnen historischen Kulturlandschaftsräume hinsichtlich ihrer kulturhistorischen Bedeutung bewertet und dabei einer von drei Wertkategorien zugeordnet.

Die Ergebnisse dieses Pilotprojektes wurden in das LEK Oberfranken-West eingearbeitet, so dass die Historische Kulturlandschaft hier als eigenständiges Schutzgut berücksichtigt werden kann.

Aufgrund der naturräumlichen Vielgestaltigkeit zeichnet sich die Region Oberfranken-West durch eine Vielzahl unterschiedlicher historischer Kulturlandschaftsräume aus. Sie sind Ausdruck des Wechselspiels zwischen naturräumlicher Gegebenheiten und menschlicher Einflussnahme.

Eine tabellarische Zusammenstellung mit Kurzbeschreibung und Bewertung der einzelnen historischen Kulturlandschaftsräume findet sich im Anhang (Tab. A 1) des LEK. Für detailliertere Hinweise zu den historischen Kulturlandschaftsräumen wird auf das Pilotprojekt „Historische Kulturlandschaft im Landschaftsentwicklungskonzept der Planungsregion Oberfranken-West“ (BÜTTNER 2004)verwiesen.


 

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