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Landschaftsgeschichte und Entwicklung der Flächennutzungen Frühmittelalterliche Ausbauphase EinführungViele Generationen von Menschen haben die Kulturlandschaft der Region Oberfranken-West geprägt. Die Besiedlung und wirtschaftliche Inwertsetzung der Landschaft gründete sich auf sehr unterschiedliche Ausgangsbedingungen als ein Zusammenspiel von Naturvorgabe und politischen, kulturellen wie auch religiösen Rahmenbedingungen (Wirkfaktoren). Das Alter und die Struktur der Siedlungs- und Flurformen und allgemein die Ausstattung mit historischen Kulturlandschafts-elementen zeichnen bis heute diese Unterschiede nach. Gleichzeitig hat die Vielgestaltigkeit der Natur- und Kulturfaktoren einen ausgesprochen reichen Bestand an historischen Kulturlandschaftselementen hervorgebracht. Das dichte Netz kulturabhängiger und kulturspezifischer Strukturen, das die Menschen in die Landschaft hineingetragen haben, unterlag als Spiegelbild ökonomischer Gesetzmäßigkeiten und gesellschaftlicher Wertanschauungen einem stetigen Wandel. Die Veränderungen haben sich aber zeitlich und räumlich in unterschiedlicher Intensität ausgewirkt wie die Geschichte der Kulturlandschaft zeigen wird. Die folgenden Ausführungen basieren in wesentlichen Teilen auf einem Aufsatz von GUNZELMANN (1995), der die Geschichte der Kulturlandschaft in Oberfranken zum Gegenstand hatte. Vor- und FrühgeschichteOberfranken-West war in seinem wesentlichen Teil seit der Altsteinzeit besiedelt. Die sehr reichen Bestände an archäologischen Fundstellen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit konzentrieren sich auf die klimatisch begünstigten Lagen des Maintales und der Regnitzfurche, des Wiesent- und Trubachtales sowie auf den Jurahochflächen. So finden sich im Hallstädter Raum jungsteinzeitliche Siedlungsplätze. Die Heunischenburg bei Burgstall (Lkr. Kronach) ist ein Beleg für die Siedlungstätigkeiten aus der Urnenfelderzeit und der jüngeren Bronzezeit. Die Befestigungsanlagen- und Siedlungsreste auf den Zeugenbergen Staffelberg (Lkr. Lichtenfels) und Ehrenbürg bei Kirchehrenbach (Lkr. Forchheim) verweisen auf die kulturelle Durchdringung des Raumes in der Bronze- und Eisenzeit. Als einziger der bayrischen Regierungsbezirke blieb das heutige Oberfranken mit allen seinen Teilen außerhalb des römischen Reiches. Dauerhafte Siedlungen sind erst mit dem Abklingen der Völkerwanderung entstanden. Eine Ausnahme bildet der an einem naturräumlich bevorzugten Standort gelegene Ort Eggolsheim. Hier kann eine Siedlungskontinuität bis in die germanische, sogar bis in die keltische Zeit (Bronzezeit) nachgewiesen werden. Frühmittelalter (400-900)Grundlegend für die Entwicklung der Kulturlandschaft in Oberfranken-West ist die frühmittelalterliche (400-900) und hoch- bis spätmittelalterliche Besiedlung (900-1300/1300-1500). In dieser Zeitspanne entstand ein landschaftliches Grundgerüst, das bis heute an der Siedlungsstruktur und an den Flächennutzungen der Region ablesbar ist. Für einzelne Kulturlandschaftsräume sind aber auch noch die Siedlungsvorstöße in der Frühen Neuzeit (1500-1800) prägend. Thüringer und AlemannenAb der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts drangen die Thüringer in das coburgische Grabfeld und weit in das Maintal vor. Die Ortsnamen auf „-stadt“ wie im coburgischen Grabfeld die Orte Ahlstadt, Grattstadt und „Trufalstat“ (=Ur- Coburg) können hierfür als Belege herangezogen werden. Auch die im Obermaingebiet und im nördlichen Regnitztal gelegenen Orte Döringstadt, Trunstadt, Amlingstadt und Hallstadt, als einer der ältesten Orte Oberfrankens, lassen auf eine thüringische Besiedlung schließen. Auch die Alemannen siedelten in dieser Zeit am Obermain und drangen bis zum Jura vor. Die Dörfer Seußling und Ebing am Obermain, die in den Nebentälern des Maines bis an den Fuß des Juras heranreichenden Dörfer Prächting, Ützing, und Isling wie auch Lilling und Göring (?) auf der Jurahochfläche sind wohl auf alemannische Siedlungstätigkeiten zurückzuführen (GUNZELMANN 1995). Fränkische LandnahmeMit dem Sieg der Franken über die Alemannen 497 n. Chr. und über die Thüringer 531 fiel der südliche Teil des Coburger Landes und das Obermaingebiet in den Einflussbereich der fränkischen Expansionspolitik. Ab 560 wanderten auch slawische Wenden und Sorben ein. Vom Main- und Regnitztal aus drangen die Franken im 7. Jahrhundert in das Steigerwaldvorland (?) und den östlich annden Jura vor. Die Kraft der planmäßig vorgetragenen Durchdringung des Raumes reichte aber zunächst nicht aus, um bis ins späte 6. und frühe 7. Jahrhundert mehr als einige Stützpunkte in Gestalt von Königshöfen zu besetzen. Diese Orte enden auf „-heim“ in Verbindung mit Personennamen, wie zum Beispiel Kleukheim, Burgwindheim, Gundelsheim, Buttenheim oder Forchheim. Wenn sie auch alte Martinskirchen besitzen, wie z.B. Forchheim, sind sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf gelenkte Gründungen der Merowingerzeit zurückzuführen (GUNZELMANN 1995). Die fränkische Ostexpansion verringerte sich mit der Niederlage des austrasischen Königs Dagobert gegen die Slawen unter Samo bei der Wogastisburg 630/631, in deren Folge wohl auch weitere Landnahmen slawischer Siedler in der heutigen Region stattfanden. In der Zeit der fränkischen Defensive schien das thüringische Herzogtum der „Hedene“, in lockerer Abhängigkeit von den merowingischen Franken, das Maingebiet beherrscht zu haben. Mit dem Aufstieg der Karolinger, nach der Mission des Heiligen Kilian in Würzburg 689, wurde das ostfränkische Gebiet jedoch direkt der fränkischen Königsherrschaft unterstellt (GUNZELMANN 1995). Die Siedlungsformen dieser Expansionsphase lassen sich nur schwer rekonstruieren. In der Regel ist von Einzelhöfen oder Weilern auszugehen, die sich im Laufe der Zeit zu Haufendörfern verdichtet haben. Die Siedlungen, die auf die fränkische Staatskolonisation zurückgeführt werden können, zeigen eher regelhafte Siedlungsbilder in Gestalt lang gestreckter Straßen- oder Straßenangerdörfer. Diese Orte sind an Bachläufen orientiert und entwickelten eine stark zersplitterte Gewannflur wie z.B. Eggolsheim. Im Hallstadter Raum sind die wohl frühmittelalterlichen Gewannfluren bis heute in ihren Grundstrukturen erhalten geblieben. Sie weisen gleichzeitig sukzessive Teilungen und Verdichtungen auf, die bis in das 19. Jahrhundert hinein reichen. Insgesamt sind die Kulturlandschaftsräume des „Altsiedellandes“ bis heute durch die ackerbauliche Nutzung geprägt. Der Wald ist auf kleine Restbestände zurückgedrängt worden. Frühmittelalterliche AusbauphaseEntscheidender Ansatzpunkt für eine stärkere fränkische Durchdringung des Siedlungsraumes und die festere Einbindung in den fränkischen Staatsverband war die Gründung des Bistums Würzburg 731 durch den Heiligen Bonifatius. Damit wurde die Königsgewalt durch eine stabile Herrschaft ergänzt und durch Königshöfe als politische und kirchliche Schwerpunktorte gewährleistet. Dies waren die Orte Hallstadt, als einer der wichtigsten Verkehrsknoten im Obermainraum, vielleicht auch schon das auf der Albhochfläche gelegene Königsfeld und Forchheim. Forchheim sollte sich zu einem der wichtigsten Pfalzorte des 9. Jahrhunderts entwickeln. Mit der Königswahl Konrads I. erreichte er den Höhepunkt seiner Bedeutung. Die heute noch ablesbaren frühmittelalterlichen Altstraßenreste, die einst den Radenzgau mit dem Bairischen Nordgau verbanden, verweisen auf die besondere Rolle in der karolingischen Erschließung des Juras. Ein wesentlicher Teil der Siedler in Oberfranken waren zu dieser Zeit auch die Slawen, die nach der fränkischen Niederlage gegen Samo in enger Nachbarschaft mit den fränkischen Siedlern Teile des Landes besetzten. Das vorhandene Namensgut (wie z.B. Scheßlitz oder Modschiedel) zeigt eine Verbreitung slawischer Dörfer nahezu in der gesamten Region Oberfranken-West. Es ist auch mit der Beteiligung von Sachsen und Friesen am Landesausbau zu rechnen, die im Zuge der Kriege Karls des Großen Zwangsumgesiedelt wurden. Ortsnamen wie Sachsendorf, Sassendorf, Sassanfahrt und Friesen legen dies nahe (GUNZELMANN 1995). Kennzeichnend für den fortschreitenden Landesausbau sind die Orte auf „-feld“, die mit ihren Großgemarkungen auf die grundherrschaftliche Organisationsform der „Marken“ verweisen, wie Ebensfeld, Grundfeld und Pretzfeld in den Talräumen, Wiesenfeld und Rossfeld im coburgischen Grabfeld, dagegen Waischenfeld, Königsfeld, Steinfeld und Schönfeld schon in den günstigeren Räumen der Fränkischen Alb. Das Gebiet zwischen Wiesent und Pegnitz hingegen, in karolingischer Zeit wohl ein königlicher Bannwald und eigentlich bayerisches Einflussgebiet, wurde verstärkt in der Zeit vom 8. bis 10. Jh. erschlossen. Ortschaften mit den Endungen „-ach“ oder „-bach“ legen hierfür Zeugnis ab. Über das Maintal drangen die Franken im frühen 9.Jh. weiter in das Obermainische Hügelland, in das Albvorland und in die Kerbtäler des Albtraufs sowie in begünstigte Lagen der Jurahochfläche vor und legten weitere Siedlungen an. Kennzeichnend sind hier Ortsnamen mit der Endung „dorf“, das die Ortsnamen von Albvorland, Fränkischer Alb und Obermainischen Hügelland weitgehend bestimmt. Im beginnenden Hochmittelalter war somit die Besiedlung Oberfrankens von den ältesten Ansätzen im Main- Regnitzraum bis zum Rand des Grundgebirges vorangeschritten. Der eingenommene Raum bildete aber zu dieser Zeit noch kein herrschaftlich und kirchlich geschlossenes Territorium. Es bestand aber die Einbeziehung des mittleren Oberfrankens in die herrschaftliche und kirchliche Organisation des Bistums Würzburg, die in den Kirchenzehnten greifbar wird, die noch lange nach der Gründung des Bistums Bamberg an Würzburg abgeliefert werden müssen. Darüber hinaus besaß das im Jahr 744 gegründete Reichskloster Fulda für den Obermainraum eine erhebliche Bedeutung. Hochmittelalter 900-1250Die adeligen Geschlechter als Motor der Siedlungsentwicklung Der weltlichen Zentralgewalt und der Kirche folgten im hochmittelalterlichen Landesausbau zunehmend adelige Geschlechter, die im 10. Jahrhundert zum eigentlichen Motor der Siedlungsausweitung wurden. Die bedeutendste Rolle kommt hierbei den Grafen von Schweinfurt zu, welche die Grafschaft im Radenzgau an sich ziehen konnten und die flächige Erschließung vorantrieben. Die vorhandenen Siedlungskerne wurden erweitert und verdichtet. Die Sicherung erfolgte durch Burgbauten, die teilweise heute noch als Burgställe oder Turmhügel in der Kulturlandschaft ablesbar sind. Am Albrand legten die Schweinfurter ein System von Turmhügeln und Landesburgen an. Sie waren funktional mit den Ortschaften verbunden und gelten als die Vorläufer der späteren Burgen des Niederadels. Zur schweinfurtischen Burgenkette zählte auch die Oberstadt von Burgkunstadt. Die Oberstadt mit dem im frühen Mittelalter angelegten dreiseitigen Marktplatz und dem westlich dazu gelegenen Burgbereich einer schon 820/30 bestehenden ersten Burg weist heute noch die Gestalt einer Schweinfurter Burgstadt des 11. Jahrhunderts auf, die in etwa mit Kronach vergleichbar ist. Das Bistum Bamberg und die Grafen von Andechs traten das Erbe der 1057 ausgestorbenen Schweinfurter Grafen an. Ab diesem Zeitpunkt bauten sich die Grafen von Andechs neben ihren bayerischen Besitzungen einen umfangreichen oberfränkischen Besitzkomplex mit dem Schwerpunkt um die Plassenburg bei Kulmbach auf, der heutigen Planungsregion Oberfranken-Ost. Es begann sich ein territorial-politischer West-Ost-Gegensatz in Oberfranken herauszubilden, der mit der Konfessionalisierung im Zeitalter der Reformation noch verstärkt wurde und bis zum Ende des Alten Reiches zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestimmend blieb und bis heute in machen Resten spürbar ist. Die Andechs-Meranier etablierten sich am Obermain und trieben u.a. die Erschließung der Weismainalb voran. Sie prägten Städte wie Weismain, Lichtenfels, Baunach und Scheßlitz oder das Dorf Herzogenreuth. Die kulturlandschaftliche Erschließung der Weismainalb unter der Regie der Andechs-Meranier ist noch auf herausragende Weise an den hochmittelalterlichen Blockgemengefluren Modschiedels oder Weidens einschließlich des historischen Wegenetzes ablesbar. Besonders hervorzuheben ist auch die noch in weiten Teilen vorhandene Altstraße, die Weismain mit Hollfeld verband. Die Schlüsselfelder, ein anderes einflussreiches Adelsgeschlecht, bauten ihre Vorherrschaft in der zentralen Fränkischen Schweiz aus, wo sie ein regelrechtes Burgensystem (u.a. Neideck, Streitberg, Rabeneck) mit einem dichtmaschigen Geleitstraßensystem errichten ließen. Wehranlagen aus dieser Zeit finden sich als Burgställe, Ruinen oder erhaltene Burgen überall auf der Jurahochfläche, massiert am Albtrauf, über den Tälern und an der Einfluss des Hochstiftes. Seit Ende des 11. Jh. werden auch von Edelfreien (z.B. von Egloffstein, Streitberg, Reifenberg, Wolfsberg, Sterker) Höhenlagen besiedelt und durch Höhenburgen aus Stein gesichert. Die Burgen und die Siedlungen werden nach dem Schema Erbauer plus Endung –stein, -fels, -brunn oder –berg benannt. Viele Geschlechter konnten sich aber nur kurze Zeit von den aufstrebenden Mächten, dem Bistum Bamberg und den Andechs-Meraniern unabhängig halten. In vielen Fällen übernahmen die Ministerialen der Territorialmächte die Verwaltung der bestehenden Burgen oder bauten Neue. 1248 starb Herzog Otto VIII. auf der Burg Niesten und damit das nunmehr Herzöge von Andechs-Meranien genannte Geschlecht aus. Mit dem Aussterben der Meranier im Jahr 1248 traten in der Region Oberfranken mit den Truhendingern, Orlamündern (z.B. Prägung des Ludwigstädter Raumes, Burg Lauenstein) und den Zollern drei Adelsgeschlechter territorialpolitisch wirkungsvoll auf (GUNZELMANN 1995). Die ursprünglichen Siedlungsformen der Ausbauphase lassen sich nur schwer fassen. Im westlichen Bereich waren es wohl Weiler, die sich später zu größeren Haufendörfern mit Gewannfluren entwickelten. So findet man im Main- und Regnitztal sowie im Albvorland Haufendörfer mit Etter. Eine Besonderheit des westlichen Albvorlandes und der Durchbruchstäler der Frankenalb sind die Bachzeilendörfer wie z.B. Ehrl oder Frankendorf. Diese Dörfer sind häufig in Ketten angeordnet, wie Dreuschendorf, Gunzendorf, Stackendorf und Frankendorf am Deichselbach oberhalb der lokalen fränkischen Siedlungskeimzelle Buttenheim. Am Trauf der Frankenalb und in den Durchbruchstälern bildeten sich kleinparzellige Gemengefluren aus, wo sich im Laufe der Jahrhunderte aufgrund der Realteilung eine intensive Nutzflächendurchdringung entwickeln sollte. Flach- und Stufenraine in Kombination mit Streuobst kennzeichnen bis heute diese Kulturlandschaftsräume. Auf der Jurahochfläche entstand durch die Zurückdrängung der Waldlandschaft eine mehr oder weniger kleinteilige Kulturlandschaft aus Weilern und Haufendörfern mit Blockgemengefluren. Diese Räume lassen in weiten Teilen bis heute ein eng verzahntes Nebeneinander von landwirtschaftlichen Nutzflächen und Bauernwaldparzellen erkennen und sind, je nachdem ob sie sich auf der Kuppenalb oder der Flächenalb bzw. in Bereichen der Alblehmüberdeckung erstrecken, spezifisch ausformuliert. Im Obermainischen Hügelland bildeten sich häufig kleinere Dörfer mit Blockgewannfluren aus. Der Wald wurde hier auch auf kleine flickenteppichartige Bestände zurückgedrängt. Die Dörfer Neudorf b. Ebrach und die partiellen Wüstungen Schmerb und Winkelhof (als ehem. Grangie des Klosters Ebrach) liegen als Rodungsinseln im Wald und dokumentieren auf eindrucksvolle Weise die hochmittelalterliche Besiedlung der Höhenlagen des Steigerwaldes. Das Bistum Bamberg und die Klöster als prägender Faktor Um 1000 war eine solche Siedlungsdichte in diesem Raum erreicht, dass nunmehr mit dem Bistum Bamberg eine verbesserte kirchliche und verwaltungsmäßige Organisationsstruktur und damit herrschaftliche Durchdringung erforderlich wurde. Mit der Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 durch Kaiser Heinrich II. begann die kulturelle Eigenentwicklung der Region mit dem Bamberger Dom als Kristallisationspunkt. Die zahlreichen Altstraßenreste, die auf Bamberg zulaufen, zeugen von der einstigen Bedeutung Bambergs. Mit der Gründung des Bistums Bamberg und auch aufgrund der Klostergründungen Michelsberg 1015 und des Benediktinerklosters Weißenohe als pfalzbairische Enklave in dieser Zeit verlor der Königshof Forchheim allmählich seine überragende Bedeutung und fiel schließlich 1062 an das Bistum Bamberg. Gleichzeitig entwickelte sich Nürnberg zu einem neuen königlichen Machtzentrum und 1159 wurden hier die Zoller Burggrafen (RÖHER 2003). Nach der Gründung des Hochstifts Bamberg im Jahre 1007 wurde die Besiedlung und Missionierung im Obermaingebiet planmäßig vorangetrieben. Das wohl 1071 gegründete Benediktinerkloster Banz und die 1132 gegründete Zisterzienserabtei Langheim als Tochter des Würzburger Zisterzienserklosters Ebrach sowie das vom Bamberger Bischof Eberhardt gegründete Kloster Michelsberg in Bamberg wirkten vom 12. Jahrhundert an bis zum Ende des Alten Reiches herrschaftsbildend an Itz und Obermain. Grundstock der Erwerbspolitik des Klosters Langheim war die später residenzartig ausgebaute Grangie Tambach mit den umgebenden Klosterdörfern im heutigen Landkreis Coburg, als einstiges Verwaltungszentrum für den klösterlichen Besitz. Das 1127 gegründete Zisterzienserkloster Ebrach mit Burgwindheim als Amtssitz prägte, wie die genannten Klöster, die umgebende Landschaft bis zu der Säkularisation bzw. ihrer Auflösung Anfang des 19. Jahrhunderts. Ebrach bildete, gemeinsam mit dem Seßlacher Raum und Schlüsselfeld Enklaven des Hochstiftes Würzburg auf dem Gebiet des heutigen Oberfrankens. Die Klosterlandschaften Banz, Langheim und Ebrach dokumentieren heute noch auf unverkennbare Weise die praktizierte klösterliche Siedlungspolitik, die an der Gestalt der Siedlungs- und Flurformen (Klosterbauten, bauliche Ausstattung der einstigen Klösterdörfer und Grangien, großblockige Fluren, Anerbenrecht), des historischen Wegenetzes und nicht zuletzt an Landnutzungsformen wie Fischteichen oder den historischen Weinbergslagen, die von ihnen gefördert wurden, bis heute erlebbar ist. Weitere Beispiele für Kulturlandschaftsräume klösterlicher Prägung sind das Michelsberger Klosterland oder das Kloster Weißenohe. Das ehemalige Benediktinerkloster Weißenohe war um 1000 n. Chr. ein bedeutender Ausgangspunkt des Kirschenanbaues im Forchheimer Land, der heute noch diesen Raum prägt. Im Hochmittelalter galt die Zehntverfassung (fränkisch Cent, bairisch Fraisch). Dies ist ein größeres Gerichts- und Landfriedensgebiet mit Zehntpflicht und –genossenschaft, wobei mehrere Herrschaften in einer Cent möglich waren. Erschließung des Frankenwaldes Ausgelöst durch einen starken Bevölkerungsdruck und begünstigt durch eine langsame Klimaverbesserung wurde die Besiedlung des Frankenwaldes vom Süden her durch das Bistum Bamberg und durch die Adelsgeschlechter, aus nördlicher Richtung bis zum Rennsteig wohl vom Kloster Saalfeld vorangetrieben. Herausragendes Beispiel für die thüringische Besiedlung ist das Dorf und die Radialhufenflur Steinbach a.d. Haide. Leitform der Besiedlung in der hochmittelalterlichen Ausbauphase ist das Rundangerdorf mit hofanschließender Breitstreifenflur. Die im Grundsatz seit 800 Jahren stabil gebliebenen Strukturen sind auf herausragende Weise an der historischen Kulturlandschaft “Teuschnitzer Eigen und Windhagen ablesbar”. Besonders hervorzuheben sind die Siedlungen Birnbaum und Neuengrün. Die auf einem Bergsporn gelegene Oberstadt Kronach verdeutlicht mit der Rosenbergfestung auf herausragende Weise die historische Schutzfunktion Kronachs als nordöstliches Bollwerk des Hochstiftes Bamberg und als Ausgangspunkt für die planmäßige Besiedlung und vor allem auch der flößereiwirtschaftlichen Erschließung des Frankenwaldes. Die Flößerei sollte sich im Laufe der Jahrhunderte zum einträglichsten Gewerbe im Frankenwald entwickeln und ihre Blütezeit im 19. Jahrhundert erfahren. Spätmittelalter (1250-1500)Aufstieg des Bistums Bamberg zum Hochstift Mit dem Untergang der Andechs-Meranier 1248 erlosch das Grafenamt im Radenzgau, was eine zunehmende Tendenz zur Territorrialisierung zur Folge hatte, der mit dem Untergang der Staufer beschleunigt wurde. Mit dem Untergang der Schlüsselberger 1347 erfolgte der Aufstieg des Bistums Bamberg zum Hochstift und den Zollern, den Burggrafen von Nürnberg, zur zweiten großen Territorialmacht in Oberfranken, deren einstige Herrschaftsbereiche sich u.a. in weiten Teilen der Region Oberfranken-Ost erstreckten und z.B. mit Streitberg auch in das westliche Oberfranken hineinragten. Die Bürgerschaft von Nürnberg konnte sich 1355 von den Burggrafen reichsunmittelbar machen. Basis der Territorialisierung war neben der Grundherrschaft und der Vogtei die Schaffung einer Ämterstruktur der großen Territorien Hochstift Bamberg, Fürstentum Bayreuth und Reichsstadt Nürnberg. Anfangs waren oft noch Burgen Ämtersitze, aber mehr und mehr wurden kleine Landstädte zu Verwaltungssitzen (GERLICH & MACHILEK 1997, zit. in RÖHER 2003). Im Bereich des Hochstiftes wurde bereits im 13./14. Jahrhundert eine Ämterstruktur angelegt, so z.B. in Lichtenfels, Staffelstein, Baunach, Scheßlitz, Kirchehrenbach, Eggolsheim, Ebermannstadt oder Gößweinstein. Im Einflussbereich der ehemaligen Markgrafschaft diente bspw. Streitberg als Amtssitz. Gräfenberg und Hiltpoltstein waren Pflegämter der einstigen Reichsstadt Nürnberg. Insgesamt ist somit zwischen 1250 und 1500 die Entwicklung eines relativ dichten Netzes von Landstädtchen und Märkte festzustellen, denen Marktrechte verliehen wurden. Die Städte entstanden neben ihrer administrativen Funktion innerhalb der Territorialstaaten auch als Mittelpunkt kleiner Reichsritterschaften wie z.B. Mitwitz, Redwitz a.d. Rodach, Pretzfeld oder Eggloffstein. Trotz Markt- und Zollrecht konnten die Landstädtchen im Gegensatz zu Nürnberg bspw. keine wirtschaftliche Dynamik entwickeln, blieben aber bis zum Ende des Alten Reiches gehobene Unterzentren und Ackerbürgerstädte und mussten danach einen Bedeutungsverlust hinnehmen (HERRMANN 1979, zit. in RÖHER 2003). Spätmittelalterliche Konzentrationsprozess der Siedlungen Der auf dem Gebiet der heutigen Region Oberfranken-West im Spätmittelalter einsetzende Wüstungsprozess kann eher als ein Konzentrationsprozess interpretiert werden. In den Mittelgebirgsbereichen ist das Zusammenschrumpfen der Siedlungen weniger auf die Agrarkrise des späten Mittelalters (Bevölkerungsrückgang aufgrund der Pest, Sinken der Getreidepreise) sondern eher auf das Zurückweichen auf agrarökologisch sinnvolle Standorte zurückzuführen. Denn eine marktorientierte Landwirtschaft, die von Preiskrisen getroffen werden konnte, war kaum vorhanden (GUNZELMANN 1995). Als eine der Wüstungsursachen kann die Entstehung der zahlreichen Kleinstädte im Zuge der Territorialisierung angenommen werden. In diesem Zusammenhang steht auch der Prozess der Verdorfung, also das Wüstfallen kleinerer Weiler und Einzelhöfe und die Konzentration der Hofstellen in den größeren Orten, zumeist dem Sitz eines ehemaligen Fronhofes. Die Umstrukturierung der Landwirtschaft im Zuge der Vergetreidung und der Verzelgung machte grundsätzlich größere Siedlungseinheiten erforderlich (GUNZELMANN 1995). Soziale Differenzierung in den Siedlungen Erst nachdem sich Villikationsverfassung im 11. und 12. Jahrhundert aufzulösen begann und durch das System der Erbzinsleihe abgelöst wurde, konnte sich ein im Rahmen der mittelalterlichen Grundherrschaft relativ selbstständiges, intensiv wirtschaftendes und über Generationen sesshaftes Bauerntum ausbilden. Mit dieser Umwandlung ging der Prozess der Verdorfung, der Vergetreidung und der Verzelgung der Flur einher (GUNZELMANN 1995). Gleichzeitig bildete sich eine Differenzierung in den bäuerlichen Hofgrößen aus, die von der „Hube“ als vollbäuerliche Stelle über die halbe Huben (halbe Hofeinheit) und Sölden (kleinbäuerliche Besitzeinheit) bis hin zu den Tropfhäusern der Tagelöhner und Handwerker mit geringfügigem Landanteil als kleinste Besitzeinheit reichen konnten. Das Dorf der Vergangenheit, insbesondere das der frühen Neuzeit, war somit kein homogenes Gebilde gleichberechtigter Bauern. Es stellte einen sozial differenzierten Komplex dar, in dem neben unterschiedlichen sozialen Schichten, vom Gesinde über die Dorfhandwerker bis hin zum Vollbauern oder gar zum Gutsbesitzer, auch das Verhältnis von Herrschaft und der genossenschaftlichen Dorfgemeinschaft das soziale Dorfleben bestimmte. Dieser vielschichtige Aufbau schlug sich auch im Dorfbild und in der Gestaltung der Flur nieder. Die Vielgestaltigkeit und Differenziertheit der Wohn- und Wirtschaftsbauten, insbesondere der Bauten der Dorfgemeinschaft wie Brauhaus, Backhaus oder Hirtenhaus, aber auch die Bauten der Herrschaft, wie Zehntscheuer, Klosterhof oder Schloss gibt ein Bild davon (GUNZELMANN 1995). Frühe Neuzeit (1500-1800)Die Reichsritterschaften als Motor der Siedlungsentwicklung Ein erneutes Bevölkerungswachstum zu Beginn der frühen Neuzeit führte noch einmal zu Neurodungen, die jedoch bei weitem nicht mehr die Dynamik der vorangegangenen Rodungsperioden erreichten. Die Rodung erfolgte, wie auch schon im Spätmittelalter, in den Ungunsträumen des Landes. Träger der Siedlung waren die kleinen Herrschaften der Reichsritter, die versuchten, ihr Kleinstterritorium zu verdichten. Der kulturlandschaftliche Ausbau vollzog sich über Streusiedlungen auf den der Fränkischen Linie zwischen Mitwitz und Kronach vorgelagerten Hochflächen. Die Mitwitzer Wustungen mit dem reichsritterschaftlichen Residenzort Mitwitz oder die Streusiedlungen am Haßlacher Berg sind Beispiele hierfür. Die Dörfer Wilhelmsthal und Johannisthal bei Kronach sind in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf reichsritterschaftliche Initiative hin angelegt worden. In ihrer Namensgebung zeigen sie barocken Gründerstolz an. Diese Dörfer veramten sehr bald mangels Nutzflächen – ein Schicksal, das sie mit den meisten neu gegründeten oder erweiterten Siedlungen dieser Epoche teilten. Dies ist auf eine ungenügende merkantilistische Siedlungspolitik zurückzuführen, die der angewachsenen Bevölkerung trotz etlicher Ansätze keine ausreichenden Betätigungsmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft verschaffen konnte (GUNZELMANN 1995). Peuplierungspolitik der Reichsritterschaften Der 30jährige Krieg stellte eine Zäsur in der Entwicklung der Kulturlandschaft dar, die mit Vernichtung und Zerstörung von Menschen, Siedlungen und Kulturgütern einherging. Im Zuge des Bevölkerungswachstums nach dem 30jährigen Krieg betrieben die Kleinstherrschaften eine aktive Siedlungspolitik (Peuplierung) und boten den Ansiedlungswilligen in ihren Herrschaftsgebieten Kleinstellen an. Ziel der Politik war die Verbesserung ihrer Finanzkraft. Ein Beispiel hierfür sind die Tropfhäuser in Lisberg. Das extremste Beispiel dieser Siedlungspolitik ist das Dorf Sassanfahrt, das zwischen 1784 und 1808 von nur fünf auf 94 Häuser anwuchs. Nicht nur die eigenständigen Reichsritter, auch die landständischen Ritterschaften im Coburgischen, verfuhren so (GUNZELMANN 1995). Die Peuplierungspolitik brachte auch residenzartige Schloss- und Parkanlagen wie in Hohenstein, Niederfüllbach Scherneck, Nagel, Strössendorf, Burgellern oder Greifenstein hervor. Sie ist insbesondere auch an den kleinteiligen Wirtschaftsländereien mit eingestreuten Baumfeldern wie z.B. um Walsdorf ablesbar. Im Lisberger Raum ist hingegen eine blockige Flurstruktur tradiert. Kulturlandschaftsräume mit bis heute ablesbarer reichsritterschaftlicher Prägung sind neben dem bereits erwähnten Aurachgrund mit Lisberg und Walsdorf, der Raum um Mitwitz, Küps und Redwitz a.d. Rodach, Teile des Itzgrundes, Aschbach und Reichmannsdorf im Einzugsgebiet der Reichen Ebrach, das Leinleitertal oder das Trubachtal zwischen Pretzfeld und Egloffstein. Die genannten Kulturlandschaftsräume erstrecken sich in den einstigen reichsritterschaftlichen Kantonen Gebirg, Baunach und Steigerwald. Die Kantone bildeten gewissermaßen eine “Pufferzone” zwischen den großen Herrschaftsgebieten der Hochstifte Bamberg und Würzburg, der “Pflege Coburg” bzw. des Herzogtums Sachsen-Coburg und der Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth. Im Gegensatz zu Baiern und Schwaben konnte sich somit in Franken kein geschlossenes Stammesherzogtum bilden. Die einzelnen Grundherren konnten sich ihre Sonderrechte und personenverbandsrechtlichen Privilegien bewahren. Die Landesherrschaft erstreckte sich damit nur über die eigenen Besitzungen und Untertanen („territorium non clausum“). Die jüdische Kultur in der Region Vornehmlich in ritterschaftlichen Orten, aber auch in bestimmten, für sie offenen Dörfern des Hochstifts Bamberg, wie Demmelsdorf und Zeckendorf (Stadt Scheßlitz), konnten sich die Juden niederlassen. Der Zugang zur Landwirtschaft und zum Handwerk blieb den Juden verschlossen. Daher war der „Landjude“ ein „Handelsjud“, zumeist Hausierer oder Viehhändler. In Demmelsdorf (2432 E.) lag der jüdische Bevölkerungsanteil 1826 bei 62,3%, in Zeckendorf (336 E.) bei 54,4%. (MISTELE 1988, S. 1 - 18) In manchen Fällen lassen sich auch beinahe ghettoartige Konzentrationen feststellen, wie in Altenkunstadt, wo sich im sogenannten „Judenhof“ um die Synagoge etwa 20 jüdische Wohnhäuser in fast geschlossener, städtischer Bauweise gruppierten. Weitere verbliebene Zeugnisse der jüdischen Kultur sind bspw. die zahlreichen Friedhöfe wie z.B. bei Autenhausen, Reckendorf, Walsdorf, Lisberg, Zeckendorf, Pretzfeld, Buttenheim und Neunkirchen a. Brand, das Judenbad in Autenhausen oder die Synagogen in Ermreuth und Neunkirchen a. Brand. Das Wirken der Bamberger Fürstbischöfe im Barock Im 18. Jahrhundert erfuhr das zu Füßen des Bamberger Domberges zur Herrenstadt herausgebildete großbürgerliche Viertel (einschließlich des jüdischen Viertels) eine Barockisierung seiner spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bausubstanz. Der Einzug des Barock ist auch an den zahlreichen Einzelbaudenkmälern wie z.B. der Jesuitenkirche ablesbar. Der einstige absolutistische Herrschaftsanspruch der Bamberger Fürstbischöfe schlägt sich insbesondere in der barocken Gestaltung der Schloss- und Gartenanlage Seehofs mit seinen weit in die Landschaft hinausreichenden Sichtachsen nieder. Die “Sommerresidenz Seehof” wurde unter Fürstbischof Sebastian Schenk von Stauffenberg nach Plänen von Antonio Petrini ab 1687 als Barockschloss errichtet. Es erfuhr seine Blütezeit unter Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim (1757- 1779), der den Park mit zahlreichen Figuren des Rokoko-Bildhauers Ferdinand Tietz ausstatten ließ. Auch das Schloss Weißenstein, 1711 bis 1718 nach Plänen von Johann Dientzenhofer (1663- 1726) für den Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn erbaut, ist ein herausragendes Beispiel barocker Weltanschauung. Als weitere Beispiele sind das fürstbischöfliche Jagdschloss Jägersburg in Bammersdorf oder das 1690 von Dientzenhofer umgebaute Schloss Greifenstein mit seiner im Ursprung barocken Gartenanlage zu nennen, die der Fürstbischof Marquard Schenk von Stauffenberg anlegen ließ. Kernbestandteil dieser Achse ist eine weite in die Landschaft hinausgreifende Sichtachse, die von Kastanienbäumen gerahmt wird und deren Endpunkt einst der chinesische Pavillon gebildet hatte. Im Laufe der Zeit wurde die Anlage von den nachfolgenden Besitzern durch Elemente des englischen Landschaftsgartens und romantische Staffagen bis in das 19. Jh. weiter entwickelt. Ein weiteres Gestaltelement dieser Zeit sind die Chausseen, z.B. bei Mainklein, Oberleiterbach oder Seehof. Die katholischen und geistliche Territorien des Alten Reiches sind geprägt von sakralen Bauten, Wegenetzen und sonstigen Bestandteilen in und außerhalb geschlossener Ortschaften wie z.B. Klöster, Kirchen, Kapellen, Kreuzwege und Flurdenkmäler mit und ohne Begleitbäume. Zahlreiche Kirchen und Kapellen wurden im Barock um- oder neu gebaut. Beispiele hierfür sind die Kirche in Tiefenellern oder die im Rokokostil gehaltene Kirche in Pretzfeld. Meisterleistungen barocker Baukunst sind Vierzehnheiligen und Banz. Vierzehnheiligen wurde 1743- 1772 unter Fürstbischof Friedrich Carl Schönborn und dem Langheimer Abt Stephan Mösinger nach Plänen von Balthasar Neumann (unter Mitwirkung Küchels) errichtet. Kloster Banz wurde zwischen 1710 und 1719 nach Plänen von Johann Leonhard Dientzenhofer durch seinen jüngeren Bruder Johann Dientzenhofer (Baumeister des Fürstbischofs von Bamberg) erbaut. Die Pläne für den Ehrenhof und das Außenportal lieferte Balthasar Neumann im Jahr 1750. Sie wurden von Küchel ausgeführt und 1772 abgeschlossen. Banz und Vierzehnheiligen dokumentieren über ihre Funktion als überrregional bedeutende Wallfahrtsorte hinaus den geistlichen und weltlichen Machtanspruch der benediktinischen und zisterziensischen Klosterherrschaften, der als gestalterisch gesetzter Sichtbezug seinen Ausdruck findet und in barocker Manier weit in das Maintal und die nähere Umgebung hinausstrahlt. Weitere Beispiele sakral geprägter Räume sind der Hallerndorfer Kreuzberg oder das Untere Wiesenttal mit den beiden an exponierten Standorten gegenüberliegenden Sakralbauten Reifenbergkapelle (Vexierkapelle), der St. Walburgis Kapelle auf der Walberla und der St. Moritz Kapelle bei Leutenbach. Gößweinstein mit seiner barocker Wallfahrtsbasilika SS. Trinitatis, 1730-39 nach Plänen Balthasar Neumanns errichtet, ist einer der regional bedeutendsten Wallfahrtsorte, das vor allem auch seinen Ausdruck an den aus allen Richtungen nach Gößweinstein führenden Wallfahrtswegen findet, die in großen Teilen als Feldweg erhalten und von vielen Flurdenkmälern gesäumt werden. Neueste Zeit (ab 1800)Das Wirken der Herzöge von Sachsen-Coburg im 19. Jahrhundert Das Coburger Land wurde in einem sehr starken Maße durch die Schaffenskraft der Herzöge von Sachsen-Coburg und des aufgeklärten Bürgertums im 19. Jahrhundert geprägt, die sich baulich in der Altstadt Coburg und in den umgebenden Schlossanlagen und Musterfarmen manifestiert. Diese Residenzlandschaft war von zahlreichen Alleen durchzogen. Erhalten geblieben sind z.B. Teile der Alleen, welche die Residenzen Callenberg und Rosenberg und die Veste Coburg miteinander verbinden. Darüber hinaus wurde ein dichtes Netz von Sichtachsen und Sichtbezügen in die Landschaft gelegt, die in vielen Teilbreichen heute noch fortbestehen. Säkularisierung und Mediatisierung Während sich das Herzogtum Sachsen-Coburg seine Eigenständigkeit bis 1918 bewahren konnte, bedeutete die um die Wende des 19. Jahrhunderts einsetzende Säkularisierung der kirchlichen Territorien bzw. allgemein die Mediatisierung der kirchlichen, standesherrlichen und reichsritterschaftlichen Herrschaftsgebiete das Ende ihrer Eigenstaatlichkeit und damit ihrer verwaltungsmäßigen Selbstständigkeit. Davon profitierte im besonderen Maße Bayern, das noch vor dem Reichsdeputationshauptschluß vom 25.02.1803 (zur rechtlichen Sanktionierung der „Mediatisierung“), das Hochstift Bamberg einverleibte. Mit der Gründung des „Rheinbundes“ (1806) wurden die Gebiete der Reichsritterschaft und der Standesherren im Zuge der Mediatisierung endgültig annektiert. Nach dem Vorbild der französischen Departements wurde am 28.02.1810 mit dem Staatsvertrag von Paris die Provinz Bayreuth und das Hochstift Bamberg sowie die nördlichen oberpfälzischen Landgerichte als Mainkreis zusammengefasst und dem Königreich Bayern zugeordnet. 1816 wurde die egrische und damit böhmisch-österreichische Enklave Redwitz im Tauschverfahren dem Kreis eingegliedert. Bayreuth wurde zur neuen Hauptstadt des aus der Taufe gehobenen abgesteckten Kreises, der 1817 in den Obermainkreis umbenannt wurde. Im Zuge der Umbenennung wurde der Kreis um die Landgerichte Höchstadt/Aisch, Forchheim und Gräfenberg erweitert. 1810 wurde die Itz als zwischen Bayern und dem Großherzogtum Würzburg und Bayern festgelegt. Das ehemalige bambergische Amt Baunach- Gleusdorf kam im späteren Verlauf zu Unterfranken, während das ehemals würzburgische Seßlach zu Oberfranken gelangte. 1814 fiel das Großherzogtum Würzburg mit dem Fürstentum Aschaffenburg endgültig an Bayern. Damit verblieb das Amt Baunach- Gleusdorf bis 1972 bei Unterfranken (GUNZELMANN 1987). 1838 veranlasste der bayerische König Ludwig I. aus einer historischen Betrachtungsebene heraus die Umbenennung des Obermainkreises in Oberfranken. Diese Umbenennung war mit einer erneuten Gebietsreform verbunden. Die oberpfälzischen Landgerichte wurden abgegeben, das Landgericht Herzogenaurach kam hinzu. Wesentlich erweitert wurde Oberfranken noch einmal im Jahre 1920, als das Land Coburg, dessen Herzog als letzter fränkischer Fürst 1918 zurückgetreten war, sich in einer Volksabstimmung dem Freistaat Bayern anschloss. Das Coburger Land nach dem damaligen Verständnis umfasst heute im wesentlichen die Stadt Coburg und den Landkreis Coburg. Seine heutige Gestalt sollte Oberfranken jedoch erst mit der Gebietsreform von 1972 erhalten, als Teile des Südwestens um Höchstadt an Mittelfranken abgegeben wurden und das alte Bamberger Amt Baunach, bisher Unterfranken, jedoch wieder an Oberfranken angebunden wurde. Dem Landkreis Coburg wurden die bis dahin kreisfreie Stadt Neustadt b. Coburg, heute Große Kreisstadt, und Teile des früheren Landkreises Staffelstein eingegliedert. Intensivierung und Rationalisierung der Landnutzung Aufbauend auf der staatlichen Neuordnung zu Beginn des 19. Jahrhunderts (und der späteren Bauernbefreiung) setzen mit der Intensivierung der Landwirtschaft in begünstigten Regionen, dem Bau von Eisenbahnlinien und Schiffahrtskanälen im Main- und Regnitztal entscheidende Prozesse in der Kulturlandschaft ein, die den Weg für die Industrialisierung der Region freimachten. Reste des Ludwig-Main-Donau-Kanals, der durch den Main-Donau-Kanal „ersetzt“ wurde, sind in Gestalt von Schleusenwärterhäuschen, Schleusen und Kanaltrassen zwischen Bamberg und Forcheim erhalten geblieben. Auch sind zahlreiche stillgelegte Nebenbahnstrecken in ihrem Trassenverlauf tradiert. Festzuhalten ist, dass die Landwirtschaft in Franken im 19. Jahrhundert auf dem Weg von der mittelalterlichen zur industriellen Agrarstruktur tiefgreifende Umwandlungen erfuhr. Zu nennen sind hier die Auflösung der Allmende, die Einführung der Stallhaltung und die Melioration der Wiesen. Mit der Abschaffung der Waldweide und der Streunutzung im Zuge der Einführung einer geregelten Forstwirtschaft löste sich die bis ins 19. Jahrhundert hineinreichende enge Verbindung zwischen Wald und Landwirtschaft allmählich auf. Es konnte sich somit die scharfe Feld- und Wald ausbilden. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren aber noch längst nicht alle Wandlungsprozesse vollzogen (GUNZELMANN 1990). Das 19. und auch das beginnende 20. Jahrhundert können daher als eine Periode der selektiven Kulturlandschaftsentwicklung beschrieben werden, da hier die Umgewichtung der Raumstrukturen einsetzte. Es bildeten sich Regionen mit rasanter Entwicklung und stagnierende oder regressive Räume heraus. Steuernder Faktor war und ist die Verfügbarkeit außerlandwirtschaftlicher Arbeitsplätze und die Verkehrsanbindung. Ein Beispiel für die dynamische Raumentwicklung ist der Nordwesten des Coburger Landes. Hier haben preußische Landeskulturverfahren und später die bayerischen Flurneuordnungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts die von Realteilungen geprägte Kulturlandschaft in eine den damaligen Anforderungen und Vorstellungen an eine ökonomisch ertragreiche Landwirtschaft umgebaut. Das Ergebnis sind Kulturlandschaftsräume, die in ihrer Grundstruktur durch ein flickenteppichartiges Landschaftsmuster, gerahmt von rasterartigen Wegen, bestimmt werden. Während sich also in den naturräumlich und infrastrukturell begünstigten Räumen wie dem Grabfeld, dem Main- und Regnitztal oder dem Albvorland sich die Neuerungen in der Landwirtschaft zunehmend durchsetzten, entwickelte sich die Fränkische Alb innerhalb des Königreichs Bayern und später im Deutschen Reich zu einer Peripherregion mit sinkenden Bevölkerungszahlen (GUNZELMANN 1990). Dennoch setzten auch hier Rationalisierungs- und Konzentrationsprozesse ein, indem ein Rückzug auf agrarökonomisch sinnvolle Standorte stattfand. Die sogenannten „rtragsflächen“ wie z.B. Egarten, auf denen eine Feld-Graswirtschaft betrieben wurde, oder die meist im Gemeinbesitz stehenden Hutanger und Hutwälder (einschließlich des Triebwegenetzes), fielen Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend aus der Nutzung. Lag um 1850 der Anteil der Egarten auf der Nördlichen Frankenalb noch bei 15 bis 20% und der Waldanteil bei 20% der Gesamtflächennutzung, so sollte sich der Waldanteil (insbesondere in Gebieten mit flachgründigen Ackerscherbenöden) auf Kosten der rtragsflächen in den folgenden 100 Jahren verdoppeln. Landwirtschaftliche Nutzung (Dreifelderwirtschaft) Die Dreifelderwirtschaft im Stadium der gemischten Getreide-Futterwirtschaft, zum Teil im Zelgensystem mit Flurzwang, bildete zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den meisten Teilen Oberfrankens das eingesetzte Bodennutzungssystem. Der Bifangbau herrschte als Bodenbearbeitungssystem noch weitgehend vor. Diese Ackerweise erzeugte auf dem Feld 80cm bis 4m breite, gewölbte Hochbeete. Die kaum mechanisierte Landwirtschaft der ersten Hälfte des 19. Jh. war zunächst noch auf eine große Zahl billiger Arbeitskräfte angewiesen. Die fand sie in allen Orten in Gestalt der nicht erbberechtigten Kinder der landwirtschaftlichen Betriebe und den Nachkommen der Kleinhandwerker. Knechte, Mägde und Tagelöhner waren die sozial untersten Schichten der ländlichen Gesellschaft, die mit geringen Rechten, sozialen Einschränkungen wie dem Heiratsverbot und nicht zuletzt schwerer körperlicher Arbeit alles andere als ein idyllisches Leben fristeten. Die Form der Dreifelderwirtschaft war extensiv, sie erlaubte es nicht, einen größeren Viehbestand zu halten. Die Flur des Dorfes wurde in drei oder sechs gleichwertige Teile unterteilt (= Zelgen, in Oberfranken auch Felder genannt). Die Zelgen wurden in einem festen, rotierenden System jeweils mit Wintergetreide (Roggen, Weizen), mit Sommergetreide (Hafer, Gerste, Sommerweizen) bebaut, oder lagen brach und wurden als Hutung genutzt. Dieses Zelgensystem war mit vielen genossenschaftlichen Regelungen verbunden. Der sogenannte „Flurzwang“ legte die Zeit der Aussaat und Ernte, die Möglichkeit der Überfahrt über fremde Felder und die Zeiten der Beweidung von Stoppelfelder und Brache fest. Ohne ein Mindestmaß an Gemengelagen der Flurparzellen ist dieses Bodennutzungssystem nicht denkbar und auch nicht nötig, so dass in den Rodungslandschaften Oberfrankens wie zum Beispiel in Steinbach a. d. Haide oder in Birnbaum im nordwestlichen Frankenwald, also zumindest dort, wo Hufen das Flurbild bestimmten, eine individuelle Bewirtschaftungsweise vorlag, wenn auch durchaus im Sinne des Fruchtwechsels der Dreifelderwirtschaft. Auf dem Jura bestand auf den flachgründigen und scherbenreichen Böden mit den Egarten eine Sonderform der Bodennutzung. Getreide und Grasnutzung wechselten sich hier ab. Eine weitere Besonderheit des Juras sind die mit Hecken bestandenen wie auch nicht bestockten Lesesteinansammlungen. Sie folgen Parzellenn, liegen an Waldrändern und begleiten Wegeverläufe. Sie können als Lesesteinhaufen, als Lesesteinriegel und in besonderen Fällen auch als Trockenmauern ausgebildet sein. Besonders hervorzuheben ist auch die Kalksteinriegel-Heckenlandschaft auf dem der Fränkischen Linie vorgelagerten Muschelkalkzug zwischen Seibelsdorf, Fischbach und Unterodach sowie allgemein die mit Hecken bestandenen Ackerterrassen in der Region. Mitte des 19. Jahrhunderts sollte sich die verbesserte Dreifelderwirtschaft mit bebauter Brachfläche in der Planungsregion durchsetzen (GUNZELMANN 1995). Die Hauptanbaufrucht war seit dem Mittelalter in den begünstigten Räumen der Roggen (Korn). In den Bergländern übernahm der Hafer die führende Rolle. Die anderen Getreidearten wie Weizen, Gerste sowie Dinkel und Buchweizen („Haidel“) nahmen nur eine untergeordnete Rolle ein. Der Anbau von Hirse, noch im Mittelalter höchst bedeutsam, hatte sich um 1800 auf Restflächen, beispielsweise um Hirschaid, zurückgezogen. Mit der Zunahme der Bedeutung des Brauwesens auf dem Lande, steigerte sich auch der Gerstenanbau. Die Ertragsverhältnisse blieben bis weit in das 19. Jh. sehr bescheiden, so dass die Bedrohung durch eine Hungersnot bei saisonal ungünstigen Witterungsverhältnissen allgegenwärtig war. Im 18. Jahrhundert begann, verstärkt durch die Hungersnöte von 1771 und 1816 der Siegeszug der Kartoffel, die schließlich das Brot als Hauptnahrungsmittel ablöste. Im Zuge der verbesserten Dreifelderwirtschaft wurden auf der Brachflur bspw. Hackfrüchte angebaut. Im Maintal und im Itzgrund diente die Brachflur dem Kleeanbau. So waren die Gemeinden um die Eierberge wie zum Beispiel Kleinherreth (heute Herreth) und Püchitz um 1840 auf den Verkauf von Kleesamen spezialisiert. Die Kleesamen wurden von Bamberger Händlern als Farbgrundstoff nach Westdeutschland verkauft (GUNZELMANN 1990). Die Rinderhaltung war der wichtigste Zweig, sowohl als Nutztiere für die landwirtschaftliche Produktion wie auch als Fleisch und Milchlieferant. Die Schweinezucht war um die Wende des 19. Jahrhunderts, im Gegensatz zu heute, eher unbedeutend. Die Pferdehaltung hatte insgesamt eine sehr untergeordnete Bedeutung, da nur größere Betriebe sie als Zugtiere nutzten und aufgrund der vorherrschenden Realerbeteilung die klein- und mittelbäuerlichen Betriebe bei weitem den größten Anteil stellten (GUNZELMANN 1990). Die Schafhaltung spielte aber eine weit größere Rolle als heute. Zumeist war sie grundherrliches Privileg, wovon noch etliche ehemalige Schafhöfe von Klöstern oder Rittergütern zeugen. Beispiele hierfür waren die Oberlangheimer Schäferei und die Schäferei in Kleinziegenfeld. Weitere große Schäfereien bestanden mit dem klösterlichen Schafhof Heinach oder aber mit dem in Ahorn im Coburger Land. In ihrem wichtigsten Verbreitungsgebiet, in den Karsttälern und auf der Hochfläche der Fränkischen Alb wurde die Schäferei auch von Gemeinden oder Privatpersonen betrieben. So hatten damals 50% aller Gemeinden eine gemeinschaftliche Schafherde. Mit dem Wegbrechen des Absatzmarktes für Schafwolle und der mit einher gehenden Aufforstung der rtragsflächen und damit u.a. auch der einstigen Schafweiden, ging die Schafhaltung, mit lokalen Ausnahmen, Ende des 19. Jahrhunderts kontinuierlich zurück und erreichte in den 1960er Jahren ihren Tiefstand. Seither ist wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen, der größtenteils auf den Anstieg der Koppelschafhaltung zurückzuführen ist. Die Bedeutung der Viehzucht war abhängig von den Weide- und Grünlandverhältnissen. Grundsätzlich besaß sie daher in den niederschlagsreicheren Gebieten der Bergländer eine höhere Bedeutung auf letztlich niedrigem Niveau. Auf der von der Dreifelderwirtschaft geprägten Flur war es üblich, dass die Brachen und nach der Ernte die Stoppelfelder beweidet werden konnten. Von zentraler Bedeutung waren die Allmendweiden, auf denen das Vieh täglich vom Gemeindehirten geführt wurde. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts waren die Allmendweiden (Anger) in der Itz- und Mainaue oder der Görauer Anger der Weismainalb bspw., die Waldweide in den Bauernwäldern oder in Landsgemeinden wie auf dem Semberg, die bereits 1348 erstmals erwähnt und die erst 1854 endgültig abgelöst wurde, von sehr großer wirtschaftlicher Bedeutung. Die sogenannte „Landsgemeinde“, eine zwischen den Dorfgemarkungen gelegene, meist mit schlechteren Böden ausgestattete Fläche, teils Weide, teils Ödland, teils Wald, wurde von mehreren Dörfern beweidet. Solche Landsgemeinden gab es auch zwischen Hohengüßbach, Laubend und Zückshut oder auf der Langen Meile. Im Zusammenhang mit der Landwirtschaft und Viehzucht auf dem Jura sind noch die von Oberflächenwasser gespeisten Hülen zu erwähnen, die für die Brauchwasserversorgung (Viehtränke, Graswaschen, Löschwasser) in und außerhalb der Siedlungen angelegt wurden. Wegen ihrer einstigen Bedeutung findet sich das Wort „Hüle“ auch in vielen Ortsnamen wie z.B. Gräfenbergerhüll und Egloffsteinerhüll im Landkreis Forchheim oder auch in Flurbezeichnungen (Vogelhüll, Rothe Hüll). Bis zum 2. Weltkrieg gab es auch fast in jedem Albdorf eine Hüle. Zur Trinkwasserentnahme konnten den Grundwasserspiegel anschneidende Dolinen oder Quellen eines weit tiefer liegenden Quellhorizontes genutzt werden. Diese Quellen, meist grob mit Kalksteinen eingefasst, waren mit einem Brunnensteig mit dem Ort verbunden und den Namen der Dörfer, die sie nutzten. Nach dem Anschluss der Albsiedlungen an die allgemeine Wasserversorgung verloren die Hülen, Brunnenerdfällen, Brunnen und Brunnensteige bald ihre Bedeutung. Damit begann eine rapide Abnahme ihrer Zahl. Im Rahmen der verbesserten Dreifelderwirtschaft konnte schließlich die Brachfläche zum Futterpflanzenanbau genutzt werden. Die heute übliche ganzjährige Stallfütterung, die im engen Zusammenhang mit dem Futterpflanzenanbau und dem Siegeszug der Kartoffel steht, begann sich erst zu Beginn des 19. Jh. langsam durchzusetzen. Sie war aber um 1830 noch sehr selten oder die Ausnahme. Von großer ökonomischer Bedeutung für die Futterpflanzengewinnung waren auch die Wiesenbewässerungsanlagen. Die Tradition der Wiesenbewässerung kann bis in das Spätmittelalter zurückverfolgt werden. Die Wiesenbewässerungsanlagen des 19. Jahrhunderts sind gleichzeitig ein gutes Beispiel für die Intensivierungstendenzen in der Landwirtschaft. Besonders hervorzuheben ist die im 19. Jahrhundert gebaute Anlage in Baunach-Daschendorf mit einer Größe von über 200 ha. Mitte der 1970er Jahre wurde die Bewirtschaftung aufgegeben. Dennoch kann die in diesem Bereich historische Landnutzungsform noch in herausragender Weise abgelesen werden. Stauwehre, Schleusen, Be- und Entwässerungsgräben sind noch vorhanden. Ein weiteres herausragendes Beispiel sind die Wiesenbewässerungsanlagen im Wiesenttal wie zum Beispiel der Gosberger und Reuther Zweng oder die Wiesenbewässerunsganlagen „Schäffert und Äuleinwiesen“ sowie „Mühl- und Aubergwiesen“ dokumentieren die Wiesenbautradition in diesem Raum. Die beiden Anlagen besitzen eine lange Tradition, die im Falle der Mühl- und Aubergwiesenbewässerungsanlage nachweisbar bis zur Mitte des 18. Jh. zurückreicht. Weitere Reste von Wiesenbewässerungsanlagen finden sich im Itzgrund, im Trubachtal und im Leinleitertal. Wald- und Forstwirtschaft (Mittelwaldnutzung, Waldweide) Der Wald war ein wesentlicher Bestandteil des bäuerlichen Betriebssystems. Er wurde als Mittel- und Niederwald genutzt und war in dieser Funktion als Brennholzlieferant die wichtigste Energiequelle. Gleichzeitig diente er der Waldweide und der Streugewinnung. Die Eierberge und das Schafholz bei Nedensdorf, Lkr. Lichtenfels, sind ein Beispiel für eine bäuerliche genossenschaftliche Mittelwaldnutzung. Hier gewannen die Berechtigten in einem regelmäßigen Umtrieb von 25 Jahren auf einer bestimmten Teilparzelle unter Beibehaltung von Überhältern ihr Nutzholz. Diese Form der Waldbewirtschaftung besteht heute noch (GUNZELMANN 1990). Die Überhälter, in der Hauptsache Eichen, dienten der Bauholznutzung. Dabei konnte die ländliche Bevölkerung nicht alleine auf die eigenen Bestände zurückgreifen, sondern in vielen Fällen auch auf die herrschaftlichen Wälder, in denen man Holzrechte besaß. „Gerechtigkeitsholz“ aus dem großen, geschlossenen Waldgebiet des Lichtenfelser Forstes, das dem Bamberger Bischof gehörte, bezogen fast alle umliegenden Dörfer, auch die im Coburgischen Territorium gelegenen (GUNZELMANN 1995). Der Lichtenfelser Forst markierte gleichzeitig den ehemaligen Grenzraum zwischen dem Hochstift Bamberg und dem Coburger Herrschaftsgebiet. Der nördlich des Lichtenfelser Forstes gelegene Forsthub, dessen Gründung im 9. Jh. angenommen werden kann, war wohl der Ausgangspunkt für die wirtschaftliche Erschließung des Waldes. Das Industrieband als ein Zentrum der deutschen Möbelindustrie, dass sich heute von Grub a. Forst über Zeickhorn, Ebersdorf bei Coburg bis nach Weidhausen b. Coburg erstreckt, ist auf die historische Waldnutzungs- und Holzverarbeitungstradition im Bucher Forst/Lichtenfelser Forst zurückzuführen. Wie bereits angedeutet, war für die traditionelle Siedlungs- und Hauslandschaft der Wald vor allem auch als Bauholzreservoir von Bedeutung. Der Höhepunkt des Fachwerkbaus war das 16./17.Jahrhundert und blieb bis um 1800 die typische Bauweise im Gebiet. In der westlichen Alb erlebte Fachwerk bis 1860 eine späte Blüte. Um die Wende des 19. Jahrhunderts wird das Fachwerk immer mehr durch Massivbauten aus Naturstein ersetzt. Insgesamt ist die einstige Mittel- und Niederwaldnutzung nur noch in kleinen Bestandteilen erhalten geblieben, so zum Beispiel im Coburger Norden (Mittelwaldnutzung bei Ahlstadt, Grattstadt), im Sesslacher Bürgerwald (Mittelwaldnutzung) oder im Forchheimer Raum, wo insbesondere die Mittelwaldbestände bei Kirchehrenbach hervorzuheben sind. Als waldbauliche Besonderheiten sind noch die Eibenwälder bei Gößweinstein und Egloffstein hervorzuheben. Sie können wohl einst der Gewinnung von Holz für den Waffenbau (Armbrust), der Möbelschreinerei oder der Kunsttischlerei gedient haben. Staatlich gelenkte oder privat forcierte Aufforstungen des 18./19. Jh. führten zur Wiederbewaldung der alten Landsweiden wie z.B. des Semberges oder Teilen der Langen Meile. Auch die Mehrzahl der Mittel- und Niederwaldbestände wurde im Zuge einer geregelten Forstwirtschaft in Hochwälder überführt. Ein anderes Beispiel für eine staatlich gelenkte Wiederaufforstung durch den Bayerischen Staat Ende des 19. Jahrhunderts sind die Höhenlagen des Steigerwaldes. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist die partielle Wüstung Schmerb. Der Beginn einer Teichwirtschaft in den geeigneten Gebieten (Tongrund) im Steigerwald (Ebrach mit Nebentälern), des Aischgrundes und des Albvorlandes ist im Mittelalter anzusetzen. Sie wurde von den mittelalterlichen Grundherren, vor allem von den Klöstern betrieben, da sie einen erhöhten Bedarf an Fastenspeise hatten. Die starke Nachfrage führte zu einer Ausdehnung der Teichwirtschaft, die nicht mehr nur von Klöstern, sondern auch von weltlichen Grundherren und Kleinbauern getragen wurde. Nach ihrer Blütezeit im 16. Jh. kam es ab dem 18. Jh. aufgrund von Überproduktion zu einem allmählichen und andauernden Rückgang der bis heute in abgeschwächter Form anhält. Im Gebiet zwischen Willersdorf und Stiebarlimbach oder bei Reichmannsdorf prägen die Teichketten noch heute die Landschaft. Als besonders wertvoll ist wegen ihrer Größe und ihres Erhaltungszustandes auch die Haarweiherteichkette nördlich von Haid einzustufen. Bis in die 1950er Jahre wurde noch die Feld- Teich-Wechselwirtschaft, das sogenannte „Sömmern“ betrieben. Die zeitweise trockengelegten Weiher wurden mit Ackerfrüchten bestellt. Da die Teichketten des Aischgrundes häufig nur von einer Wasserquelle gespeist werden, besteht beim Ablassen und Aufstauen des Wassers eine gegenseitige Abhängigkeit in der Bewirtschaftung. Der Durchbruch der Kartoffel als Hauptnahrungsmittel, das Hausbrauwesen und die Umstellung des Brauwesens auf lagerfähiges untergäriges Bier machte ab der Mitte des 18. Jh. den Bau von Felsenkellern erforderlich. Sie entstanden damit aus der Notwendigkeit heraus, eine ganzjährig kühle Lagerung von Lebensmitteln gewährleisten zu können. In den ländlichen Gegenden Frankens entstanden die Felsenkeller verstärkt im 19. Jahrhundert. Bis ins 18. Jh. hinein war der Bau aufwendiger Kelleranlagen wirtschaftlich nicht sinnvoll gewesen. Es gab aber schon vereinzelt Felsenkeller wie z.B. der im ehemaligen Weingarten am Gugel (jetzt Hangweg) in Neunkirchen a. Brand, die 1542 angelegt wurden und ein verzweigtes Stollensystem aufweisen. In Lauter wurden auch noch Felsenkeller von Soldaten während ihres Urlaubes in der Zeit des 2. Weltkrieges angelegt. Bevorzugte Standorte der Felsenkeller, die oft bis zu 50 Einzelkeller zählen können, sind Hohlwege, die den Sandstein angeschnitten haben, oder Prallhänge von Bächen oder Flüssen, an denen der Sandstein ausgreift. Die gleichmäßig niedrige Temperatur von etwa 8 Grad zu allen Jahreszeiten ermöglichte die Lagerung der Lebensmittel. Die Anlagen wurden, soweit möglich, noch auf die sonnenabgewandte Nordseite gelegt und mit Laubbäumen - sofern nicht schon vorhanden - zur Beschattung angepflanzt. Derartige Anlagen treten überall im Baunacher Raum auf. Die größten, die sogar im Zusammenhang mit ehemals bewirtschafteten Sommerkellern von Brauereien stehen, liegen im Siedlungsgebiet von Baunach. Ein herausragendes Beispiel ist der ehemalige »Lechnerbräukeller«. Weitere hervorragend ausgebildete Kellergassen finden sich in Deusdorf und Priegendorf. Vom Landkreis Lichtenfels (Staffelberg-Lautergrund) zieht sich das Obstbau Verbreitungsgebiet jeweils entlang der in Ost-West-Richtung verlaufenden Täler, die den Albtrauf gliedern, über die Landkreise Bamberg und Forchheim. Vor allem die südorientierten Hänge des Albvorlandes und die von Ackerterrassen gehaltenen Hänge des Albtraufs boten sich für den Obstbau an. Zum Teil finden sich auch auf der Jurahochfläche wie z.B. um Hetzelsdorf größere Obstbaumbestände, die wohl auf die reichsritterschaftliche Prägung zurückzuführen sind. Am Staffelberg, im Lautergrund und im Kehlbachgrund südöstlich von Staffelstein, im Leitenbachtal und im Döritzgrund zwischen Scheßlitz und Lichtenfels finden sich v. a. Walnuss und Zwetschge. Am Obermain, in den Tälern um Bamberg sowie in den Ämtern Scheßlitz und Ebermannstadt dominieren die Zwetschgen. Im Forchheimer Raum ist die Kirsche prägend – die Zentren des Obstbaus befinden sich um Eggolsheim, Forchheim und Pretzfeld, Egloffstein, Hetzles, Neunkirchen a. Brand, Dachstadt, Igensdorf und südlich Weißenohe (REICHERT 1995). Es ist davon auszugehen, dass der Obstbau seine erste gezielte „staatliche“ Förderung im Zuge der fränkischen Landnahme und des Landesausbaus erhielt und dass hierbei die Wirtschaftshöfe der Königshöfe und späteren Pfalzen eine besondere Rolle einnahmen. So wird der Beginn der Obstbaumzucht in Effeltrich auf die Mitte des 13. Jahrhunderts angesetzt. Möglicherweise handelt es sich bei Effeltrich um einen historischen Obstbaum-Zuchtort der Forchheimer Pfalz. Die im Hochmittelalter begründeten Klöster trugen im erheblichen Maße zur Verbreitung des Obstbaus bei. Ein bedeutender Ausgangspunkt des Kirschenanbaues im Forchheimer Land war z.B. auch das Kloster Weißenohe. So etablierten sich im Laufe der Jahrhunderte die Streuobstgürtel um die Siedlungen und sind prägender Bestandteil der tradierten Ortsrandabfolge, die mit den Scheunen begann und mit dem Etterweg und der Etterhecke abschloss. Auch waren die Obstbestände in der Bewirtschaftung oft kombiniert mit Unterkulturen wie Getreide. In reichsritterschaftlich geprägten Gebieten konnten solche „Baumfelder“ in sehr gehäufter Form auftreten. In das 19. Jahrhundert fällt die massive Förderung des Obstbaus und ist im Zusammenhang mit der Intensivierung der Landwirtschaft zu sehen. So propagierten die Bayerischen Landeskulturgesetze die Errichtung von sogenannten „Industrieschulen“ zur Obstbaumzucht sowie die Anlage von Obstbaumbeständen an Straßen und Rainen. Besonders hervorzuheben ist die lange und bis heute fortwährende Baumschultradition in Effeltrich. Um 1800 gab es dort etwa 40 - 50 Baumschulen, die Obstbäume bis nach den Niederlanden, Skandinavien und Russland (1840/41) lieferten. Auch unter langheim’scher Regie wurden „Industrieschulen“ angelegt, in denen der fachgerechte Obstbau studiert werden konnte. Die Baumschulen bestanden auf der Karolinenhöhe und in Lichtenfels selbst. Das Obst wurde vor allem als Dörrobst (Trocknen bzw. Darren der Früchte) in den Handel gebracht, aber auch zu Branntwein und Essig verarbeitet (GUNZELMANN 1995). Dort wo das Obst im Überfluss anfiel und in den Handel kam, ersetzten besondere Darren das Trocknen an der Luft, in beheizten Stuben oder im Backofen. Besonders hervorzuheben ist Eggolsheim mit seinem Obstgärtenkranz, in denen sich zahlreiche Obstdarren befinden. Die klassische Sonderkultur Frankens, der Rebstockbau, war bis in die Frühe Neuzeit bis an den Fuß der Grundgebirge verbreitet, konnte aber nur in Ausnahmefällen das Wirtschaftsgefüge eines Dorfes bestimmen, wie er es in den Weinbaulandschaften Unterfrankens tat. Die Zentren des oberfränkischen Weinbaus, die als Rückzugsgebiete noch im 19. Jahrhundert, in Resten noch heute bestehen, waren das Obere Maintal um den Staffelberg, der Kraiberg bei Baunach, das Maintal westlich von Bamberg, das Gebiet der Stadt Bamberg selbst sowie das Regnitztal um Forchheim und Reuth. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Weinbau fast vollständig verschwunden. An die Stelle des Weinbaus trat in vielen Fällen der Obstbau (z.T. auch Hopfen), in den letzten Jahrzehnten wurden die alten Weinlagen auch als Baugebiete genutzt. Besonders hervorzuheben sind die historischen Weinbergslagen zwischen Unterhaid und Staffelbach mit Resten von Weinbergsmauern. Es ist gleichzeitig einer der wenigen Gebiete, wo sich Wein und Bier überschneiden. Die Freilandgärtnerei hat im Bamberger und Forchheimer Raum, also im Main- und Regnitztal eine lange Tradition. Herausragend ist die Bamberger Theuerstadt, wo die Gärtnertradition seit dem Spätmittelalter (spätestens seit dem 14. Jahrhundert) Bestand hat und in der städtebaulichen Struktur der Gärtnerstadt mit den in langen Ketten sich reihenden eingeschossigen Gärtnerhäusern (vornehmlich des 19. Jahrhunderts) und Gärtnerflächen (Kulturen) als langgestreckte Parzellen findet. Die Bamberger Spezialität war u.a. auch das Süßholz, wovon um 1800 mehrere hundert Zentner in alle Teile Europas ausgeführt wurden. Die Freilandgärtnerei im Hallstädter Raum mit dem Anbau von „Rumbala“ (Steckzwiebeln) und „Krautshadla“ (Weißkrautköpfe) besteht seit dem 18. Jahrhundert. Heute wird im geringen Umfang auch Spargel angebaut. Weitere Sonderkulturstandorte sind zum einen das Maintal zwischen Unterhaid und Stettfeld, die Umgebung von Altendorf und Hirschaid im Regnitztal und das südöstlich daran anschließende Krenland. Auch im Regnitztal wurde Süßholz angebaut. Seit dem 15. Jahrhundert wurden im Obermaintal und im Regnitztal mit ihren Seitentälern zum Eigenbedarf und für den Markt Korbwaren hergestellt. Im 18. Jahrhundert setzte mit den Flussausbaumaßnahmen der systematische Kopfweidenanbau ein. Der Schwerpunkt der Korbweidenindustrie entwickelte sich im Dreieck Lichtenfels-Coburg-Kronach. Bereits ab Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts setzte der Niedergang des Korbmacherhandwerks ein. Heute ist noch an den vereinzelten Korbweidenbeständen und Handelshäusern wie z.B. im Lichtenfelser Raum die einstige Bedeutung der Korbweidenindustrie erfahrbar. Während die Korbweidenindustrie im Dreieck Lichtenfels-Coburg-Kronach anderen Hausindustrien kaum Spielraum ließ, bestand in anderen Gebieten eine große Vielfalt an hausindustriellen Strukturen. So gab es im Frankenwald zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch Handweber, Korbmacher, Spitzenklöpplerinnen, Tappenmacher, Maskenkleber, Stickerinnen, Tafel- und Griffelmacher, Fransendreherinnen, Holzschnitzer und Hersteller von Fliegenfängern (DENGLER 1932, zit. in DIPPOLD 2000). Spitzen- und Einsätzeklöppeln war um Nordhalben beispielsweise verbreitet. Vor allem in den 1850er Jahren setzte die Mechanisierung der Textilindustrie ein, nachdem schon zuvor größere Manufakturen bestanden hatten. Seit den 1850er Jahren wurden beispielsweise in Gaustadt bei Bamberg mechanische Spinnereien und Webereien gegründet. In der Zeit zwischen der Reichsgründung und dem Ersten Weltkrieg arbeiteten die Hausweber mehr denn je für den weltweiten Markt. Die Lohegerberei war im Fränkischen Raum sehr verbreitet und bestand seit dem Mittelalter. Der Erlanger und Forchheimer Raum entwickelte sich ab Mitte des 16. Jahrhunderts zu einem Zentrum der Zuliefergewerbe der Ledergerber und der Handschuhmacherei. Entscheidend für die Entstehung der Kopfeichen im Bereich des Hetzleser Bergs war vor allem die beginnende Industrialisierung in der Region. Die gewerbliche Nutzung der Eichenlohe veränderte im Nahbereich der Gerberzentren die Struktur des Waldes. Die Eiche wurde beim Aushieb geschont und bis hin zur Monokultur des Eichenschälwaldes, des Hau- oder Lohberges, gepflanzt. Der Hetzleser Berg war wohl in seinen unteren Lagen ein sogenannter Lohberg. Da für die Lohgerbung etwa das 5fache des Hauptgewichtes an Eichenlohe benötigt wurde, war dies einer der wesentlichen Gründe für die Ballung von Ledergewerbe in waldreichen oder waldnahen Gebieten wie in der Region des Albtraufes. Die Eichen wurden regelmäßig geschneitelt, d.h. an den Seiten und auf einer bestimmten Höhe vollständig abgeschnitten, so dass die charakteristische Kopfform entstand. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Eichenlohe immer knapper. Der Preis von „Konstruktionsholz“ für die Bau- und Möbelschreinerei stieg stetig. Die Waldbesitzer gingen dazu über, die Eichenschälwaldkulturen in wertvollere Mittel- und Hochwaldbestände umzuwandeln. Um die steigende Nachfrage an Eichenlohe decken zu können, wurden die Wegraine der Feldwege an den sonnigeren Hanglagen mit Eichen bepflanzt. Dies ermöglichte gleichzeitig eine verkehrsgünstige Gewinnung und Abtransport der gewonnenen Eichenlohe. Somit entstanden die Kopfeichenalleen am Hetzleser Berg wohl als Alternative zum Mittelwald und als Ersatzanpflanzung für die zunehmende Entwaldung der Fränkischen Alb und ihres Vorlandes im Zuge des steigenden Bedarfes an Siedlungs-, Acker- und Weideland. Die in Teilen über 300 Jahre alten Kopfeichen am Hetzleser Berg, auch „Leyer Berg“ (Loheberg) genannt, stellen bspw. für den nordbayerischen Raum ein herausragendes Zeugnis der Loheeichenproduktion dar. Mitte des 19. Jh. entwickelte sich sowohl in Forchheim wie auch in Erlangen eine blühende Textilindustrie, die der Spinnereien und Webereien (Forchheim: Firma Weber und Ott). Dieser Industriezweig hatte einen sehr hohen Bedarf an gegerbtem Leder, denn alle flexiblen Teile der mechanischen Webstühle und Spinnapparate in den Textilfabriken, die einem hohen Verschleiß unterlagen, waren aus Leder. Auch die Triebriemen der in dieser Zeit aufkommenden Dampfmaschinen waren aus Leder gefertigt. Der zunehmende Bedarf an Leder ließ das Gerberhandwerk und das lederverarbeitende Gewerbe zur drittgrößten Branche der gewerblichen Wirtschaft in dieser Zeit heranwachsen. Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts verdrängte die industrielle Ledergerbung die pflanzliche Gerbung. Als wirtschaftlich einträglichstes Gewerbe des Frankenwaldes hatte die Flößerei bis in das 20. Jahrhundert hinein die Gestalt der Flüsse (z.B. Lamitztal, Langenaugrund, Wilde Rodach), des Waldes und nicht zuletzt der Dörfer in ganz spezifischer Weise geformt. Hervorzuheben sind die Flößerorte Wallenfels und Unterrodach mit ihren Floßherrenhäusern, den Floßländen und Wehranlagen. Ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die schnellwüchsige, ertragreiche und sehr gut flößbare Fichte zur beherrschenden Baumart, die an die Stelle der laubbetonten Mischwälder trat und der Holzproduktion für die Flößereiwirtschaft diente. Um das Holz abtransportieren zu können, wurden in einem Zeitraum von über 700 Jahren die Fluss- und Bachtäler des Frankenwaldes für den Rohstofftransport in ein komplexes fremdenergiefreies Transport und Erschließungssystem einer Waldlandschaft umgewandelt. Über die Lassen sprich Stammrutschen wurden die Stämme in die Floßteiche eingebracht und dort zu Flößen geschnürt. Die Fluss- und Bachläufe unterlagen somit in Gestalt und Nutzung der Flößereiwirtschaft. Sie wurden begradigt, ausgebaut und mit Sohlschwellen und Uferbefestigungen versehen. Die Talwiesen des Frankenwaldes dienten gleichzeitig der Futtergewinnung. Die Blütezeit der Flößerei war das 18. und 19. Jahrhundert. Ende des 19. Jahrhunderts setzten noch einmal intensive Ausbaumaßnahmen ein. So wurde beispielsweise die Rodach zwischen der Klingersmühle und dem Schwarzmühlwehr in den 1890er Jahren in ein befestigtes Flussbett verlegt. Innerhalb dieser Neutrassierung wurde der Floßbach zu beiden Seiten komplett befestigt und erhielt mehrere Schwellen zur Reduzierung der Fließgeschwindigkeit. Ein weiteres Beispiel ist der Ort Wallenfels, wo zwischen 1909 und 1915 die Wilde Rodach aus dem Ort Wallenfels an den linken Talrand verlegt wurde. Die Ufer wurden über längere Strecken durch Steinschüttungen oder mit Bruchgestein und Beton befestigt. Die Verarbeitung des Holzes erfolgte auch vor Ort in den Sägemühlen. Mit der Eröffnung des Ludwig-Donau-Main-Kanals 1845 verlor die Frankenwaldflößerei ihr Monopol auf dem Main. Sie mussten mit Anbietern aus den süd- und ostbayerischen Gebieten konkurrieren. Der Eisenbahnanschluss des inneren Frankenwaldes machte den Holztransport auf der Schiene trotz höherer Kosten zu einer schnellen und zuverlässigen Alternative zur Flößerei. Schließlich führten die zunehmende Bedeutung der LKW-Transporte und die Verarbeitung des Holzes in einheimischen Betrieben zum endgültigen Aus der Flößerei in den 1950er Jahren (FLÖSSEREIMUSEUM UNTERRODACH & BLFD 1999). Bis in das 13. Jahrhundert lässt sich das Vorhandensein von Wassermühlen in der Fränkischen Schweiz zurückverfolgen. Seit dem ausgehenden Mittelalter besaßen auch die Mühlen im Frankenwald eine große wirtschaftliche Bedeutung. Allen Mühlenstandorten gemeinsam ist, dass sie eng in die jeweils prägenden Wirtschaftsweisen der Kulturlandschaftsräume eingebunden waren. So waren die Schneidmühlen des Frankenwaldes eng mit der Flößereiwirtschaft verknüpft. Wohl schon seit dem ausgehenden Mittelalter besaß das Gebiet eine besondere Funktion als Standort von Mühlen, die eine beachtliche wirtschaftliche Bedeutung einnahmen. In der sogenannten Mühlenkarte von 1742 (Grundriss über die in der Hauptmannschaft Kronach, Teuschnitz, Nordhalben und Wallenfels liegenden Schneid- und Mahlmühlen, Bayreuth 1742) bestand bereits ein Großteil der heute bekannten Mühlen. Besonders hervorzuheben ist die Rodach-Mühlenkette zwischen der Teichmühle und der Löfflersmühle, die sich auf einer Länge von 2 km erstreckt. Die Mahlmühlen des Kleinziegenfelder Tales standen in enger Verbindung mit der agrarwirtschaftlich geprägten Jurahochfläche der Weismainalb. Weitere bedeutende Mühlenketten sind noch im Itzgrund und im Trubachtal ablesbar. Das Mühlengewerbe in der Fränkischen Schweiz kann auch bis in das Mittelalter zurückverfolgt werden. Ab dem 19. Jahrhundert dienten alte Mahlmühlen wie die Schottersmühle mit ihren Bierwirtschaften als Ausflugsziel der Erlanger Studenten, die zu Fuß, mit Pferdefahrzeugen über Gräfenberg und Egloffstein oder mit der Bahn angereist kamen. Mit dem Siegeszug der Dampfmaschine verloren die Mühlen an Bedeutung. Historische Steinbrüche, Ton- und Sandgruben, Bergwerke Seit dem Mittelalter fand der Naturstein bereits zum Bau der Burgen, der Klöster und Kirchen Verwendung. Um die Wende des 19. Jahrhunderts werden schließlich die Fachwerkhäuser immer mehr durch Massivbauten aus Naturstein ersetzt. Die Natursteinbauten sind regional gegliedert. Im Coburger Land wurde der Burgsandstein, auch Coburger Sandstein genannt verwendet. Im Kronacher Raum diente der Mittlere Buntsandstein als lokales Baumaterial, u. a. auch zum Bau der Festung Rosenberg. Im Steigerwald fand der Buntsandstein Verwendung. Im Albvorland wurde der ockergelbbraune Eisensandstein verbaut, am Albtrauf der weißgraue Werkkalk und in der Kuppenalb der graubraune Dolomit. Auch der Kalktuff der Karsttäler des Albtraufs eignete sich als Baumaterial. Im Frankenwald wurde der Schiefer zur Dacheindeckung und zur Hausverkleidung verwendet. In den Kulturlandschaftsräumen lässt sich heute noch die Gewinnung der Natursteine als Baumaterial an den zahlreichen aufgelassenen Steinbrüchen ablesen. Ende des 18. Jahrhunderts setzte die Herstellung von Biberschwanzziegeln aus dem Ton des Albvorlandes ein. Die alten Tongruben bei Ebersdorf und Sonnefeld verweisen auf die ehemalige Bedeutung der Ziegelsteinherstellung, des Töpferhandwerkes und der Keramikindustrie in diesem Raum. Ein besonderes Beispiel ist die Waldtöpferei in der Lußberger Forstabteilung „Brennofen“. Es handelte sich hierbei um einen Handwerksbetrieb der Grafen von Truhendingen, der später an das Hochstift Bamberg verkauft wurde. Die Verwendung des Schiefertones als Töpfermaterial erstreckte sich vom Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts. Die zahlreichen Sandgruben des Michelsberger Waldes verweisen auf die einstige Verwendung des Sandes für den Straßenbau. Er wurde auch als Stubensand verwendet. Das Bergbauareal und die Verhüttungsplätze aus dem Spätmittelalter bei Kotzendorf auf dem Jura sowie die spätmittelalterlichen-frühneuzeitlichen Meilerplätze in der Wüstungsgemarkung Horb im Steigerwald verweisen auf die einstige Erzgewinnung und Holzkohlenproduktion in der Region. Von lokal besonderer Bedeutung war auch der Steinkohlebergbau bei Stockheim bspw., der jedoch Anfang des 20. Jahrhunderts (?) erlosch. Erholung und Tourismus Waren im 18. Jahrhundert Freizeit und Erholung nur für den Adel, die hohe Geistlichkeit und die Spitze des Bürgertums von Bedeutung, so stellten sich beim kleinstädtischen Bürgertum (im engeren Kreis um die Kleinstädte) erste Ansätze für eine Freizeitkultur ab Anfang des 19. Jahrhunderts ein. Eine Ausnahme bildeten die Dörfer, in denen die Juden ansässig waren. Hier gab es schon frühzeitig Ansätze kultureller Freizeitgestaltung. Die beginnende Freizeitgestaltung des frühen 19. Jahrhunderts kann mit dem modernen Begriff Naherholung umschrieben werden, da man in der Regel seinen Erholungsort zu Fuß erreichen musste. Eine weit verbreitete Form von Erholung war der Sonntagsspaziergang mit Einkehr. Das bedeutendste Ausflugslokal der Lichtenfelser war z.B. die Einzelwirtschaft Karolinenhöhe mit schönen Garten- und Obstanlagen und einer weiten Aussicht in die Landschaft. Der Callenberger Forst, der Forst südwestlich von Neustadt b.Coburg, der Muppberg bei Neustadt b. Coburg und der Sesslacher Bürgerwald sind als solche Naherholungsgebiete anzusprechen. Sie enthalten noch ansatzweise Ausstattungselemente einer früheren Erholungsfunktion (bürgerliche Ausflugskultur) wie z.B. Aussichtstürme oder Gasthäuser. Ob der Staffelberg Mitte des 19. Jahrhunderts bereits als landschaftliches Wander- und Ausflugsziel diente, konnte bisher nicht festgestellt werden. Die Zeugenberge wurden jedoch früh als Besonderheit in morphologischer und geologischer Hinsicht betrachtet und zogen die Aufmerksamkeit des gemeinen Landvolks und des Bürgertums auf sich. Zu kultischen Zwecken wurde er allerdings seit langer Zeit aufgesucht: in der Frühzeit bereits heidnische Kultstätte, wurde er in christlicher Zeit zum Zielpunkt von Wallfahrten. Die Adelgundiskapelle wurde dort im 17. Jahrhundert errichtet. Ähnliche Traditionen gelten auch für die Walberla und mit geringerem Bedeutungsgehalt und mit stärker lokalem Bezug auch für den Kordigast. Die Höhlenforschung um Muggendorf mit paläontologischen Entdeckungen durch Esper 1774, Rosenmüller und Goldfuss rückte das Wiesenttal und seine nähere Umgebung in den Blickpunkt des wissenschaftlichen Interesses der Forscher und damit einer interessierten Öffentlichkeit. Hervorzuheben sind hier die Zoolithenhöhle, die Rosenmüllerhöhle oder die Binghöhle. Nach den Forschern und Bildungsreisenden kamen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts die Romantiker. Ludwig Tieck und Wilhelm Wackenroder durchwanderten bei ihrer Pfingstreise 1793 diesen Landstrich von Erlangen über Streitberg und Hollfeld bis nach Bayreuth und fassten ihre Reiseeindrücke in dichterischen Reiseberichten zusammen. Unzählige Wanderungen und romantische Reisen von Künstler- und Studentenverbindungen folgten, welche die einzigartige Karstlandschaft des Juras mit ihren Dolomitknocks, Feldern, Egarten und Heiden, die bizarren Felsennadeln, Höhlen, Siedlungen, zahlreichen Burgruinen und Mühlen für sich entdeckten und in Dichtung, Reiseliteratur und Landschaftsmalerei festhielten und damit das Bild von der „Fränkischen Schweiz“ schufen. Das Gebiet um das Wiesenttal wurde zum Inbegriff der „romantischen Landschaft“ und erhielt durch den Bamberger Gelehrten Joseph Heller seinen Namen, der diesen Raum in einem Reiseführer von 1829 öffentlichkeitswirksam „Fränkische Schweiz“ getauft hatte. 1841 wurde der Kurort Streitberg und 1857 der Kurort Muggendorf eröffnet, die eine verkehrstechnische Anbindung durch eine Nebenbahnstrecke erhielten. Eine wohlhabende städtische Bevölkerung errichtete sich in den Kurorten repräsentative Villen. Beispiele hierfür sind die Waldhaus-Villa (1908) oder die Villa Wunderlich (1904) in Streitberg. Es wurde ein markiertes Wanderwegenetz sowie Aussichtspunkte mit Ruheplätzen und Pavillions angelegt, die zur Vermittlung des romantischen Landschaftsbildes dienen sollten. Besonders hervorzuheben sind der Prinz-Rupprecht-Pavillon bei Streitberg und der Aussichtspavillon östlich Muggendorf auf freistehendem Felsen, wohl um 1900 angelegt. Jüngere Beispiele für Aussichtstürme sind die Wallerwarte von 1929-31 nördlich des Kreuzbergs bei Ebermannstadt. 1901 wurde der Fränkische-Schweiz-Verein gegründet, die sich u. a. um die Durchführung dieser Aufgaben kümmerte. Ende des 19. Jahrhunderts dehnte sich der Fremdenverkehr auf weitere Orte in oder am Rande der großen Täler aus, z. B. Behringersmühle, Gößweinstein und Pottenstein. Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ermöglichte den „Massentourismus“ seit den 1920er Jahren. Neben dem Wandern haben sich heute Trendsportarten wie Klettern, Kanu- und Bootfahren oder Golf etabliert (BENDER et al. 2001). Weitere Räume die in ähnlicher Weise wie der Kernbereich der Fränkischen Schweiz gesehen und erlebt wurden (werden) sind das Kleinziegenfelder Tal oder das Bärental. Die im Bamberger und Forchheimer Umland am stärksten verbreitete Form der Naherholung war der Besuch eines Sommerkellers. In Bamberg begann man bereits im frühen 17. Jahrhundert, Bier direkt am Lagerkeller auszuschenken. Der Ringleins-Keller wird bereits 1605 genannt. (Heinritz; Popp 1975, 124) In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und im frühen 19. Jahrhundert entstanden in ganz Franken, zuerst in den Städten, dann auf dem Land an verschiedenen Orten, Sommerkeller bei Lagerkellern. Ein Sommerkeller brauchte als Voraussetzung den Lagerkeller einer Brauerei, der meist als Felsenkeller in das anstehende Gestein (Rhät- oder Keupersandstein) getrieben war. Oft wurde über den Eingang des Bierkellers ein Kellerhaus gebaut. Ergänzt wurde die Anlage durch Sitzgelegenheiten für die Gäste, manchmal auch durch eine Kegelbahn wie dies beim Gambrinus- Sommerkeller in Unterhaid der Fall ist oder in der Baunacher Keller- und Örtleingasse der Fall war. Vor starker Sonneneinstrahlung wurde der Sommerkeller meist durch eine Baumgruppe, in vielen Fällen aus Kastanien oder Linden, geschützt (GUNZELMANN 1990). Ein typisches Beispiel war auch der Lindenkeller der Stadt Weismain, der als Lokal mit Zimmer, Vorhalle und Kegelbahn im Jahr 1844 von der Gesellschaft „Erholung aus Weismain“ 700m südlich der Stadt erbaut wurde. Die eigentlichen Felsenkeller an dieser Stelle bestanden als Lagerkeller für die Weismainer Brauereien wohl schon seit dem späten Mittelalter. 1555 wurden sie erstmals genannt. Der Forchheimer Kellerberg mit ebenfalls typischer Bauweise ist bis heute geblieben. Eine einfachere Form des Sommerkellers, eine Anlage ohne Kellerhaus, deren Reste heute ebenfalls noch erhalten sind, bestand am Klingensteig westlich des Ortes Ebneth. Hier fand sich neben dem Keller auch noch eine Kegelbahn und ein Schießstand. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts ging das Interesse an den Sommerkellern und den Felsenkellern als Lebensmittellagerstätten zunehmend zurück. Insbesondere die Kellergassen sind in ihrem Fortbestand bedroht. Neben diesen im Sommer regelmäßig geöffneten Freizeiteinrichtungen gab es auch eine ältere Tradition von solchen, die nur zu bestimmten Zeiten zugänglich waren. Dazu zählte auf dem Land wohl schon seit langem die Kirchweih. In der Stadt begann man demokratisch-bürgerlich legitimierte Feste wohl zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu feiern. Als Beispiel sei hier das Lichtenfelser Schützenfest genannt. Beschleunigung des Kulturlandschaftswandels Der Wandel der Kulturlandschaft als notwendige Konstante gesellschaftlicher Entwicklung setzte in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg in verstärktem Maße ein und erhielt seit den 1970er Jahren eine erhebliche Beschleunigung. Eine Vielzahl von Faktoren lösten und lösen heute noch tiefgreifende Veränderungen in der Kulturlandschaft aus. Maßgebliche Umwälzungsfaktoren sind insbesondere der Strukturwandel der Landwirtschaft, der einerseits zu Intensivierungs- und andererseits zu Rückzugstendenzen bei der Landbewirtschaftung führt, sowie der zunehmende Flächenbedarf für Wohnen, Industrie, Gewerbe, Rohstoffgewinnung (Kies- und Sandabbau) und Verkehrswegebau. In diesem Zusammenhang ist gerade auch die Entwicklungen von Gewerbegebieten „auf der grünen Wiese“ von besonderer Relevanz. Maßgeblich dazu beigetragen haben auch die Flurbereinigungen der 1960er/1970er Jahre, die unter dem Leitbild der Schaffung von Produktionslandschaften standen. Charakteristische Beispiele für die Verfahren dieser Zeit sind die Kulturlandschaftsräume im Main- und Regnitztal (mit Ausnahmen) und das Albvorland. Das Ausmaß des Wandels vollzog sich jedoch aufgrund unterschiedlicher ökonomischer, naturräumlicher und politischer Rahmenbedingungen in unterschiedlicher Intensität in den einzelnen Kulturlandschaftsräumen der Region. Hier ist insbesondere die Grenzlage zum ehemaligen Staatsgebiet der DDR zu nennen und vor allem auch das Traditionsbewusstsein der Bevölkerung. Dennoch hat in den letzten 30 Jahren eine erhebliche Ausdünnung und Bereinigung von historischen Kulturlandschaftselementen stattgefunden. In ihrem Fortbestand sind gerade diejenigen Elemente bedroht, die als Dokumente der Alltagsgeschichte Zeugnis ablegen von der siedlungsgeschichtlichen, der landwirtschaftlichen und flößereiwirtschaftlichen Erschließung der Region Oberfranken-West. Dadurch sind vor allem solche Landschaftsbausteine betroffen, die zur geschichtlich begründeten Identität und besonderen Eigenart der Kulturlandschaft beitragen und somit auch zum Identifikationsgefühl der Menschen mit ihrer Heimat.
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