3.1.2 Landschaftsbild

Die Region zeichnet sich durch eine hohe Vielfalt und Unterschiedlichkeit in ihrem landschaftlichen Erscheinungsbild aus. Aus diesem Grund wurde zur Typisierung des Landschaftsbildes eine großräumige Gliederung der Region in sog. Landschaftsbildräume vorgenommen (siehe Karte 1.5). Die Landschaftsbildräume übernehmen bei der Beschreibung und Bewertung des Landschaftsbildes die Funktion der Naturräume und sind mit römischen Ziffern gekennzeichnet. Der nachfolgende Überblick zum Landschaftsbild folgt dieser landschaftsbildräumlichen Gliederung.

Frankenwald (I)

Das Erscheinungsbild des Landschaftsbildraumes wird von ausgedehnten Waldflächen und einem gebirgsartigen Relief geprägt. Charakteristische Formen des Reliefs sind auch enge, tief eingeschnittene Kerbtäler. Nur die größten dieser Täler sind in nennenswertem Umfang besiedelt. Die übrigen Talräume sind durch Wiesen geprägt. Diese Wiesentäler gehören wegen ihrer Abgeschiedenheit und Naturnähe zu den besonders erlebnisreichen Teilräumen des Landschaftsbildraumes. Durch Verbrachung und Aufforstung drohen nicht wenige dieser Täler ihre besonderen Qualitäten zunehmend zu verlieren.

Die großflächigen Waldgebiete des Frankenwaldes werden zum weitaus überwiegenden Teil von Nadelwäldern (nicht selten reine Altersklassenbestände) bestimmt. Das dunkle Grün dieser Wälder bildet die allgegenwärtige Kulisse des Landschaftsbildes. Je weiter der Landschaftsbildraum nach Norden reicht, um so stärker tritt der Schiefer als traditionelles Baumaterial in Erscheinung. Eine „dunkle Farbigkeit“ kann somit als charakteristisches Merkmal des Landschaftsbildes bezeichnet werden.

Neben den großen Wäldern und den Wiesentälern bilden die Rodungsinseln der Hochlagen das dritte charakteristische Merkmal des Landschaftsbildes. Sie heben sich als helle Inseln von den Waldflächen ab. Ihre Größe reicht von kleinen Rodungsinseln rund um ein einziges Dorf bis zu großflächig offenen Hochflächen und Muldenlagen mit mehreren großen Siedlungskernen. Der Reiz dieser Hochlagen liegt meist weniger in ihrer Strukturvielfalt als in der Einzigartigkeit der Siedlungs- und Flurformen (planmäßig angelegte, spätmittelalterliche Rodungsfluren), die größtenteils noch kaum gestört sind. Zudem bieten sich von den Hochlagen aus immer wieder weite Ausblicke über den Frankenwald und die annden Gebiete.

Becken- und Tallagen um Neustadt bei Coburg und Mitwitz (II)

Mit diesem Landschaftsbildraum reicht eine ausgedehnte Beckenlandschaft, deren größte Teile in Thüringen liegen, mit ihren westlichen Randbereichen in die Region. Der vollständig bewaldete Muppberg, ein markanter, über 160 m aufragender Tafelberg, der frei in der Ebene steht, wirkt als landschaftlicher „Raumteiler“ und grenzt den zur Region gehörenden Teil des Beckens räumlich vom übrigen Teil der Beckenlandschaft ab. Im Westen steigt das Vorland des Thüringer Waldes an, im Südwesten ragen die Muschelkalkkuppen entlang der Kulmbach-Eisfelder-Störungszone auf und machen auf diese Weise die Beckenlage deutlich erlebbar.

In dem zur Region gehörenden Teil der Beckenlandschaft nimmt Neustadt b. Coburg mit seinen von Siedlung und Gewerbe geprägten Flächen einen erheblichen Anteil ein. Ansonsten stellt sich das Becken als überwiegend land- und forstwirtschaftlich genutzter Raum dar, wobei die Landwirtschaft (meist Ackerbau) deutlich größere Flächenanteile beansprucht.

Ein anderes Bild bietet die Steinachaue, die den Süd-West-Rand der Einheit bildet. Sie wird von dem über lange Strecken mäandrierenden Flusslauf geprägt, dessen Aue in weiten Bereichen als Grünland genutzt wird.

Besonders zu erwähnen sind die jungen Ausbausiedlungen mit den meist auf -wustung endenden Ortsnamen um Schwärzdorf. Diese Siedlungen weisen keine dörflichen Strukturen auf, sondern sind Einöden bzw. kleine Weiler. Streusiedlungen dieser Art gehören in Oberfranken zu den seltenen Siedlungsformen. Die ehemals naturräumlich benachteiligten Gebiete stellen sich heute als weiträumige Ackerbaugebiete dar.

Waldreiche Hochlagen bei Kronach und nördlich Coburg (III)

Der Landschaftsbildraum besteht aus mehreren nicht zusammenhängenden Teilflächen, die sich als dünn besiedelte Waldlandschaften im Vorland der großen Waldgebirge (Frankenwald und Thüringer Wald) darstellen. Charakteristische Merkmale der Gebiete sind der hohe Waldanteil und ein stark bewegtes Relief mit tief eingeschnittenen, engen Kerbtälern. Im Gegensatz zum Frankenwald prägen hier in größerem Umfang auch Laub- und Mischwälder das Landschaftsbild.

Während sich das Tal von Lauterbach und Rottenbach in seinen offenen Teilbereichen überwiegend als strukturreiche und naturnah wirkende Kulturlandschaft darstellt, zeigen in den übrigen Teilen des Landschaftsbildraumes die landwirtschaftlich genutzten Flächen z.T. auch deutliche Tendenzen zu einer visuellen Verarmung der Landschaft. Das größte zusammenhängende Offenland des Landschaftsbildraums bildet die Rodung „Gehülz“ westlich von Kronach, wo aufgrund der Stadtnähe eine relativ intensive Siedlungstätigkeit zu beobachten ist.

Gäulandschaft um
Bad Rodach (IV)

Das Gebiet stellt sich als weiträumige Ackerbaulandschaft mit flach ansteigenden Hanglagen dar. Im Vergleich zu den übrigen Gebieten der Region ist die Weite des landschaftlichen Eindrucks das charakteristische Merkmal dieses Landschaftsbildraums. Sie ergibt sich nicht allein durch die Gegebenheiten des Relief, sondern ist ebenso durch den geringen Waldanteil des Gebiets bedingt. Das Landschaftsbild wird geprägt von intensiver Landwirtschaft. In weiten Teilen des Landschaftsbildraums ergibt sich somit das Bild einer ausgeräumten Agrarlandschaft. Ein extremes Beispiel hierfür ist der Weidbachgrund im Norden des Raumes. Im Westen und Nordosten des Landschaftsbildraumes weisen einige Gebiete infolge einer erhöhten Strukturdichte ein abwechslungsreicheres Landschaftsbild auf.

Die Auen der Gewässer, insbesondere die Rodach-Aue (z. Itz), werden über weite Strecken noch als Grünland bewirtschaftet. Besonders großflächig gilt dies für die Rodach-Aue (z. Itz) südlich und südöstlich der Stadt Bad Rodach b. Coburg.

Hügelland (V)

Das Hügelland bildet hinsichtlich seiner Flächenausdehnung den größten Landschaftsbildraum in der Region. Es handelt sich um eine großflächig wellige Ackerbaulandschaft, in der abwechslungsreiche und kleinräumig gegliederte Gebiete ebenso anzutreffen sind, wie weithin ausgeräumt wirkende Ackerlagen. Nicht selten ist die Landschaft gerade durch eine gewisse Heterogenität und einen häufigen Wechsel zwischen erlebnisreicheren und einförmigeren Teilgebieten charakterisiert. Zu den strukturreicheren Teilräumen gehören z.B. die dem Frankenwald vorgelagerten Gebiete im Nordosten des Landschaftsbildraumes oder die Hänge des Kraibergs am Unterlauf der Itz. Größere Gebiete mit überwiegend einförmigem Landschaftsbild sind z.B. nordwestlich Scheßlitz, östlich von Coburg oder bei Roth am Fuß des nördlichen Albtraufs anzutreffen.

Die weiten Talräume der größeren Fließgewässer mit ihren breiten Talböden zeigen in der Regel ein abweichendes Landschaftsbild. Hier sind nicht selten naturnahe wirkende Bachläufe und großflächige Grünlandauen die bestimmenden Landschaftselemente. Allerdings ist gerade in den Auen zunehmend ein Rückgang des Grünlandanteils zu Gunsten der Ackerflächen zu beobachten.

Fränkische Alb (VI)

Der Anstieg der Fränkischen Alb zeichnet sich als Steilstufe klar im Landschaftsbild ab. Der Steilanstieg (=Trauf) begrenzt den Landschaftsbildraum im Westen und Norden. Der Raum ist gekennzeichnet durch die Unterschiedlichkeit des Landschaftsbildes der reliefarmen Albhochfläche einerseits und den extremen Reliefsprüngen der Traufzone und der Täler andererseits.

Die Albhochfläche stellt sich größtenteils als eine vom Ackerbau geprägte Landschaft dar. Die Bodenverhältnisse lassen allerdings bei weitem nicht überall eine ackerbauliche Nutzung zu. So erklärt sich der hohe Waldanteil, der sich auf eine Vielzahl von Waldflächen verteilt. Auf diese Weise entsteht eine intensive räumliche Gliederung der Landschaft. In manchen Teilgebieten wechseln forstwirtschaftlich und landwirtschaftlich genutzte Flächen so kleinräumig, dass von einer mosaikartigen Landschaftsgliederung gesprochen werden kann (z.B. südlich Gößweinstein, um Obertrubach). In manchen dieser Gebiete tritt das anstehende Gestein an die Oberfläche und bildet Felsgruppen in der Landschaft. Die Anzahl und Größe der Siedlungen auf der Albhochfläche ist gering.

Der Traufbereich und die Talräume der Fränkischen Alb stellen sich allerdings wesentlich erlebnisreicher dar. Hier finden sich die strukturreichsten und vielfältigsten Gebiete der gesamten Region. Die Landschaft mit ihrer Vielzahl von Gehölzstrukturen, Hangterrassierungen, mageren Wiesen und Weiden und naturnahen Laubmischwäldern kommt nicht selten dem Idealbild der traditionellen, kleinbäuerlichen Kulturlandschaft sehr nahe. Enge Talräume, spektakuläre Felsformationen, Burgen und Ruinen wie sie z.B. im Wiesenttal oder im Trubachtal anzutreffen sind, haben dazu beigetragen, dass Teile der Fränkischen Alb zum Inbegriff einer romantischen Landschaft stilisiert wurden. Ein Klischee, das vor allem mit dem Begriff der „Fränkischen Schweiz“ verbunden ist. Die markanten Tafelberge Ehrenbürg (östlich Forchheim) und Staffelberg (bei Bad Staffelstein) bilden nicht nur auffällige Erhebungen und Merkpunkte in der Landschaft, sondern sind als Orte mit hohem Identifikationswert tief im Bewusstsein der einheimischen Bevölkerung verankert.

In Teilbereichen, insbesondere in den Tälern, sind allerdings Entwicklungen unverkennbar, die zur Veränderung des noch überwiegend traditionell geprägten Erscheinungsbildes der Landschaft beitragen,. Dazu gehören in erster Linie die Wiederbewaldung ehemals genutzter rtragslagen, die Nutzungsintensivierung (v.a. Umbruch von Grünland zu Acker in den Tallagen) sowie Ausweitung der Siedlungsflächen.

Main- und Regnitztal (VII)

Die Täler von Main und Regnitz stellen sich in der Region als breite, stark nutzungsgeprägte Talräume dar. Während das Regnitztal infolge der meist nur schwach ansteigenden Randhöhen keine deutlichen Raumkanten aufweist, ist das Maintal durch überwiegend steile Talhänge klar begrenzt. Oberhalb Lichtenfels verschmälert sich das Maintal. Die Hänge treten im Landschaftsbild stärker in Erscheinung und der Talboden verliert, im Gegensatz zu den flussabwärts liegenden Talabschnitten, zunehmend den Charakter einer eigenständigen Talebene.

Die Talflächen werden stark von Landwirtschaft, Infrastruktur, Siedlung, Gewerbe und Rohstoffabbau beansprucht. Durch den Nassabbau von Sand und Kies sind als neue Elemente im Landschaftsbild zahlreiche Baggerseen entstanden. Wegen ihrer Häufigkeit und Größe erscheinen sie inzwischen als prägende Elemente der Landschaft.. Flächen mit naturnaher Wirkung bestimmen das Landschaftsbild nur in sehr begrenztem Umfang.

Eine herausgehobene Bedeutung besitzt der Talabschnitt um Kloster Banz, Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und Staffelberg. Der als „Gottesgarten am Obermain“ bezeichnete Teilraum kann als landschaftliche „Ikone“ des bambergisch geprägten Oberfrankens bezeichnet werden. Künstler wie Balthasar Neumann haben hier durch die Stellung ihrer Bauten in der Landschaft und den Bezug der Bauwerke aufeinander die landschaftliche Szenerie zum Idealbild einer Landschaft überhöht, welches nicht nur aus künstlerischen und ästhetischen Gründen anspricht, sondern in hohem Maße auch mit emotionalen und religiösen Werten belegt ist. Ein Idealbild, das allerdings bereits irreparable Kratzer und Schäden erlitten hat. Durch die starke Inanspruchnahme und Überprägung der Talflächen durch Siedlung, Gewerbe, Infrastruktur und Rohstoffabbau wird die Erhabenheit des landschaftlichen Eindrucks zunehmend gestört. Die in jüngster Zeit erfolgten bzw. in naher Zukunft zu erwartenden Eingriffe im Zuge des Verkehrswegebaus (Weiterbau der A 73, ICE-Trasse) setzen diese Entwicklung fort, auch wenn Minderungs- und Gestaltungsmaßnahmen die mit den Baumaßnahmen verbundenen Eingriffe zu minimieren suchen.

Waldlandschaften beiderseits des Mains (VIII) (Haßberge, Steigerwald)

Die Naturräume Steigerwald und Haßberge, die im Südwesten in die Region reichen, zeichnen sich vor allem durch ihre großen geschlossenen Waldgebiete aus, die fast durchwegs einen hohen Laub- und Mischwaldanteil aufweisen. Die Siedlungen liegen in aller Regel in den Tälern. Ihre in die Waldgebiete gerodeten Fluren sind überwiegend durch einen hohen Strukturreichtum und ein vielfältiges Landschaftsbild gekennzeichnet. In den reliefarmen Teilbereichen des Offenlandes, wie zum Beispiel im Steigerwald südlich von Ebrach sind allerdings auch ausgeräumt wirkende Teilbereiche anzutreffen.

Täler und Höhen zwischen Steigerwald und Regnitz (IX)

Der Landschaftsbildraum ist gekennzeichnet durch mehrere, nahezu parallel in Ost-West-Richtung verlaufende, muldenförmige Täler. Auf diese Weise entsteht eine charakteristische Dreigliederung der Landschaft: Auebereiche mit hohem Grünlandanteil und naturnah wirkenden Flussläufen; überwiegend ackerbaulich genutzte Hanglagen; bewaldete Höhenlagen zwischen den Tälern.

Die meisten Siedlungen, insbesondere alle größeren Orte, liegen in den Tälern. Die Talräume weisen z.T. eine leichte Asymmetrie auf, wobei die südexponierten Lagen in der Regel flacher geneigt sind als die Nordhänge. Auf diese Weise unterscheidet sich häufig das Landschaftsbild der beiden Talseiten. Während an den flachen Hängen in großen Bereichen ausgeräumte Ackerlagen vorherrschen, ist das Erscheinungsbild der stärker reliefierten Talseite abwechslungsreicher, kleinräumiger und strukturreicher.

Zur Beschreibung und Bewertung der Region hinsichtlich wichtiger landschaftsästhetischer Parameter, wie z.B. Eigenart und Reliefdynamik siehe Kap. 4.2.5 Schutzgut Landschaftsbild und Landschaftserleben


 

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