4. Beurteilung von Natur und Landschaft

4.1 Vorgehensweise bei der Beurteilung

Eine ausführliche Beschreibung der Vorgehensweise und der Klassifikationsvorschriften befindet sich im Methodenband des LEK. Nachfolgend wird deshalb nur eine kurze Zusammenfassung der Vorgehensweise wiedergegeben.

Als methodischer Arbeitsansatz zur Beurteilung von Natur und Landschaft wurde im Rahmen des Landschaftsentwicklungskonzeptes die ökologische Risikoanalyse gewählt. Sie stellt den Empfindlichkeiten von Schutzgütern und deren Funktionen (Landschaftspotenzialen) die Einflüsse von Nutzungen gegenüber und ermittelt mögliche bzw. wahrscheinliche Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft. Aus den gewonnenen Kenntnissen über landschaftliche Empfindlichkeiten und Konflikte und dem Vergleich mit umweltpolitischen Leitlinien wurden dann regionale Ziele, Planungsaussagen und Maßnahmen abgeleitet.

Zur Beurteilung der Schutzgüter und ihrer Funktionen sowie der Nutzungen erfolgte zunächst eine Sichtung und Auswertung der in der Region vorhandenen Datengrundlagen, die in die kartografische und textliche Erfassung der Schutzgüter und ihrer Funktionen und der menschlichen Nutzungsansprüche mündete.

Dabei wurden diejenigen Schutzgüter und Funktionen des Landschaftshaushaltes behandelt, die wichtige abiotische, biotische und ästhetische Eigenschaften eines Raumes charakterisieren. Sie bilden die aus Sicht des Naturschutzes und der Landschaftspflege bedeutenden Raumqualitäten ab, und ermöglichen das Einschätzen schutzgutspezifischer Empfindlichkeiten gegenüber verschie­denen menschlichen Nutzungseinwirkungen.

Insgesamt wurden folgende sechs Schutzgüter (Landschaftspotenziale) mit den sie kennzeichnenden Funktionen bzw. Eigenschaften beurteilt und in eigenen Karten (Karten 1.1 - 1.6) dargestellt:

Schutzgut Boden

  • Rückhaltevermögen für sorbierbare Stoffe (bei Wäldern: Versauerungswiderstand)
  • Potenzielle Erosionsgefährdung (Wasser, Wind)
  • Archivböden, Geotope

Schutzgut Wasser

  • Relative Grundwasserneubildung
  • Rückhaltevermögen für nicht sorbierbare Stoffe
  • Auenfunktionen (Retention, Auendynamik etc.)
  • Gewässergüte (Saprobie)
  • Gewässerstruktur

Schutzgut Luft/Klima

  • Wärmeausgleichsfunktion
  • Frisch- und Kaltlufttransportwege
  • Kaltluftstau- und Sammelgebiete
  • Inversionsgefährdung

Schutzgut Arten und Lebensräume

  • Aktuelle Lebensraumqualität
  • Entwicklungspotenzial für seltene und gefährdete Lebensräume

Schutzgut Landschaftsbild und Landschaftserleben

  • Landschaftliche Eigenart
  • Reliefdynamik
  • Erlebniswert der Landschaft

Schutzgut Historische Kulturlandschaft

  • Kulturhistorische Bedeutung
  • Bodendenkmäler
  • Historische Kulturlandschaftselemente

Die Beurteilung der Funktionsausprägung erfolgte (mit Ausnahme der Eignung für naturbezogene Erholung) trotz der z.T. mangelhaften Datenlage in 3- bzw. 5-teiligen Rangordnungsskalen (je nach Datenlage):

sehr gering    gering
gering  
mittel oder mittel
hoch   hoch
sehr hoch  
                                                                       

Die einzelnen Funktionen bzw. Eigenschaften eines jeden Schutzgutes wurden in ihren Ausprägun­gen jeweils gesondert kartographisch dargestellt, d.h. über die Ebene der Funktionen hinaus wurden keine Aggregationen vorgenommen. Die Einzelfunktionen eines Schutzgutes (Beispiel: Grundwasserneubildungsfunktion) leiteten sich aber häufig aus mehreren Kriterien (Beispiel: Relief, Bodenbe­deckungsart, Bodenart) her.

Zusätzlich zur flächigen Darstellung der Einzelfunktionen wurden bedeutende Einzelinformationen in die Schutzgutkarten aufgenommen. Hierzu gehörten z.B. visuelle Leitstrukturen oder herausragende Landschaftsbereiche in der Karte 1.5 „Landschaftsbild und Landschaftserleben“.

Die Flächennutzungen wurden bezüglich ihrer Intensität, mit der sie auf die Landschaftspotenziale wirken (Beispiel: Landwirtschaft à Bodenabtragswerte), eingeschätzt und in drei Rangordnungsstufen klassifiziert:

geringe Intensität
mittlere Intensität
hohe Intensität

Ihre Darstellung erfolgte in 3 Karten (Karten 2.1 - 2.2.B):

Flächige Nutzungen (Karte 2.1)

  • Siedlung/Gewerbe, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Sonderkulturen

Sonstige Nutzungen und Funktionen (Karten 2.2.A, 2.2.B)

  • Verkehr, Ver-/Entsorgung, Rohstoffabbau: Straßen, Schienen, Produktenleitungen, Kraftwerke, Kläranlagen, Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Rohstoffsicherung usw.
  • Wasserwirtschaft, Erholung, Naturschutz: Wasserschutzgebiete, Vorrang- und Vorbehaltsgebiete Wasserwirtschaft, Golfplätze, Freizeiteinrichtungen, Schutzgebiete usw.

 

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