3.2.3
Prognose zukünftiger Entwicklungen
Entscheidend für die Prognose zukünftiger Entwicklungen
in der Region Oberfranken-West sind gesellschaftspolitische
Rahmenbedingungen, die bei allen Unwägbarkeiten die Gesamtheit theoretisch
möglicher Entwicklungen einschränken. Daraus abgeleitete Folge- und Wechselwirkungen
sind nicht als Fakten zu verstehen, sondern als grobe Hinweise. Ebenso
bieten vorhandene Fach- und Querschnittsplanungen die Möglichkeit, Entwicklungsperspektiven
abzuschätzen.
Als wesentliche Rahmenbedingungen, die sich vermutlich
entscheidend auf die Entwicklung der Flächennutzungen in der Region Oberfranken-West
auswirken werden, sind zu nennen:
- der Bau der BAB A 73
- der Bau der Schnellbahnstrecke München – Berlin über Bamberg
– Coburg
- die Bevölkerungsentwicklung
- die Osterweiterung der EU
- der weitere Ausbau der Bundeswasserstraße Main
- der künftige Bedarf an abbaubaren Rohstoffen
- der Strukturwandel der Landwirtschaft insgesamt, v.a. aber in
landwirtschaftlichen rtragsgebieten (Mittelgebirgslagen)
- die weitere staatliche Förderung regenerativer Energieträger
(v.a. Windkraft)
- der gesellschaftliche Stellenwert von Natur, Landschaft, Kultur(landschafts)geschichte
- das Freizeit- und Reiseverhalten der Gesellschaft
Erweiterungen von Siedlungs- und Gewerbegebieten sind
insbesondere im Regnitz- und Maintal, speziell im Verdichtungsraum Bamberg
sowie entlang der Achsen Coburg – Neustadt b. Coburg, Coburg – Kronach,
Lichtenfels – Kronach und im südlichen Landkreis Forchheim (Verdichtungsraum
Nürnberg – Fürth – Erlangen) zu erwarten. Die Entwicklung von Gewerbegebieten
wird durch den Bau der BAB A 73 zusätzlich gefördert. Hier ist neben dem
Bodenverbrauch auch mit Belastungen durch Einrichtungen der Ver-/Entsorgung
zu rechnen.
Im Zusammenhang mit der seit der deutschen Wiedervereinigung
deutlich gestiegenen Transitfunktion der Region Oberfranken-West ist mit
einer Zunahme der Verkehrsbelastungen zu rechnen;
neben der BAB A 73 sind weitere Ausbaumaßnahmen von Straßen (verschiedene
Umgehungsstraßen,
zweibahniger Ausbau der B 173) geplant.
Die Bevölkerungsprognose des Bundesamts für Bauwesen und
Raumordnung (BUNDESAMT FÜR BAUWESEN UND RAUMORDNUNG
2003) ergibt lediglich für den Landkreis Bamberg eine leichte Zunahme,
während für die Landkreise Coburg und Lichtenfels eine leichte, für den
Landkreis Kronach sogar eine starke Bevölkerungsabnahme vorhergesagt wird.
Danach sollte im Gegensatz zu Gewerbeflächen zumindest kein hoher Flächenbedarf
für Wohnsiedlungen bestehen, zumal in den letzten Jahren vielerorts umfangreiche
Flächen ausgewiesen wurden.
Vor allem in landwirtschaftlichen rtragslagen, die
im Frankenwald, im Steigerwald, auf der Frankenalb und meist kleinflächig
über die gesamte Region verstreut vorkommen, ist mit einem weiteren Rückzug
der Landwirtschaft und demzufolge mit einem erhöhten Aufforstungsdruck
zu rechnen. In diesen Gebieten liegt gleichzeitig ein erhebliches Flächenpotenzial
für Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege (z.B. in den
Wiesentälern), das es durch geeignete Konzepte zu nutzen gilt, um großflächigen
Aufforstungen entgegenzuwirken.
Der künftige Rohstoffabbau wird insbesondere im Main-
und Regnitztal die dort bereits vorhandenen Belastungen und Verfremdungen
dieser Talauen verstärken. Hier kommt es besonders darauf an, durch Naturschutzmaßnahmen
die Eingriffswirkungen soweit wie möglich zu kompensieren, wobei es auch
das landschaftliche Erholungspotenzial der entstehenden „Seenlandschaften“
zu nutzen und gleichzeitig mit Naturschutzbelangen abzustimmen gilt. Hierfür
soll das Projekt „Flussparadies Franken“ (SCHMITT 2002), auf das im Ziel-
und Maßnahmenteil Bezug genommen wird, entscheidende Impulse liefern.
Auch in der Region 4 wird der Bau von weiteren Windenergieanlagen
im Zuge der Stärkung des Einsatzes regenerativer Energien forciert werden.
Hier ist es u.a. Aufgabe des LEK, potenziell geeignete Windenergie-Standorte
zu ermitteln, die gleichzeitig sensible Bereiche des landschaftlichen
Erscheinungsbilds darstellen wie z.B. Hangschultern oder Kuppen. Entsprechende
Gebiete sind durch geeignete Schutzvorschläge in ihrer Qualität zu sichern.
Eine Prognose des künftigen Reise- und Freizeitverhaltens
der Bevölkerung sowie der Entwicklung des Kur- und Bäderwesens und der
entsprechenden Folgen für Natur und Landschaft hängt von einer Vielzahl
z.T. gegenläufiger Faktoren im wirtschaftlichen, finanzpolitischen und
gesellschaftspolitischen Raum sowohl auf nationaler als auch auf internationaler
Ebene (Gesundheitspolitik, Ölpreis, Katastrophen u.a.m.) ab. Daraus können
sich relativ kurzfristig erhebliche Schwankungen ergeben. Prognosen sind
daher äußerst schwierig und mit hohen Unsicherheitsfaktoren behaftet.
Denkbar ist zum einen eine weitere Fortsetzung der Trends im Kur- und
Bäderwesen (weitere Einsparungen durch die Gesundheitspolitik) sowie im
Reise- und Freizeitverhalten (Zunahme der Fernreisen, „heimatnah“ allenfalls
Kurzurlaub), zum anderen Trendwenden in den genannten Bereichen, z.B.
durch eine wieder verbesserte Förderung von Kuren sowie der Gesundheitsvorsorge
allgemein oder durch eine deutliche Verteuerung der Fernreisen (Ölpreis,
erhöhte Sicherheitsmaßnahmen, verringerte Nachfrage durch Terrorismus
u.a.m.).
Eine etwaige Zunahme des Fremdenverkehrs birgt aus landschaftlicher
Sicht eine gewisse Ambivalenz, da einerseits die Bedeutung einer intakten
Landschaft für die Bevölkerung offensichtlicher würde, andererseits aber
auch das Gefährdungspotenzial für die Landschaft mit zunehmendem Erholungsdruck
steigen würde. Dennoch sollte grundsätzlich die Bedeutung eines intakten
und v.a. regionaltypischen Erscheinungsbilds der Landschaft als eine der
wesentlichsten Grundlagen des Fremdenverkehrs in der Region 4 weiterhin
offensiv herausgestellt werden und aus diesem Grund gleichzeitig dessen
Erhaltung gesichert werden.
 
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