2 Überblick über die Planungsregion

Lage, Bevölkerung

Die Region Oberfranken-West (4) gehört zu den nördlichsten Regionen Bayerns. Große Teilräume der Region sind daher im landesweiten Bezug durch eine periphere Lage gekennzeichnet. Ihre geographische Position in Deutschland hat sich seit der Öffnung der innerdeutschen 1990 allerdings grundlegend verändert: Lag vor 1990 ca. 80 % des Regionsgebiets im Bereich des sog. "Zo-nenrandgebiets", so ist die Region 4 seit 1990 wieder in die Mitte Deutschlands gerückt. Dieser Wechsel hat auch Konsequenzen für die regionalen Funktionen und Entwicklungen und findet im Landschaftsentwicklungskonzept insoweit auch seinen Niederschlag in Zielsetzungen, Maßnahmen-vorschlägen und vorgeschlagenen Sicherungsinstrumenten

Die Region Oberfranken-West grenzt an fünf bayerische Nachbarregionen (Region Würzburg (2), Region Main-Rhön (3), Region Oberfranken-Ost (5), Industrieregion Mittelfranken (7), Westmittelfranken (8)) sowie im Norden an Thüringen. Der Großteil der Region steht als „Ländlicher Raum“ im strukturellen Kontrast zum „Verdichtungsraum“ Bamberg und den Randbereichen des „Großen Verdichtungsraums“ Nürnberg/Fürth/Erlangen. Die Oberzentren Bamberg und Coburg erfüllen wichtige Versorgungsfunktionen des höheren Bedarfs und bieten das bedeutendste Arbeitsplatzangebot in der Region. Die Region 4 weist an Besonderheiten eine beträchtliche Anzahl kulturhistorischer Sehenswürdigkeiten auf, außerdem zeugen vier Naturparke (Frankenwald, Haßberge, Steigerwald, Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst) vom reichhaltigen kulturlandschaftlichen Erbe dieser Region und ihrer Bedeutung als Erholungsgebiet.

Die Region Oberfranken-West umfasst eine Gebietsfläche von 3.675,01 km2, ihre Ost-West-Ausdehnung beträgt ca. 80 km, die Nord-Süd-Ausdehnung ca. 102 km. Zahlreiche Naturräume prägen mit ihrem jeweiligen – z.T. sehr verschiedenartigen – Landschaftscharakter das Erscheinungsbild der Region (siehe Kap. 3.1.1).

Am 31.12.02 zählte die Bevölkerung der Region Oberfranken-West 607.790 Einwohner. Damit weist die Bevölkerungszahl gegenüber 1970 eine Zuwachsrate von 9,7 %, im Vergleich zu 1987 von 10,1 % auf. Damit nimmt die Region für diese Zeiträume einen Platz im unteren Drittel der bayerischen Regionen ein, sie liegt allerdings deutlich über der Bevölkerungsentwicklung der Region Oberfranken-Ost. Mit einer Bevölkerungsdichte von 165 Einwohnern /km² liegt die Region 4 knapp unter dem bayerischen Durchschnitt.

112.355 Einwohner entfielen Ende 2002 auf die Oberzentren Bamberg und Coburg, die seit 1970 einen Bevölkerungsrückgang von rund 11 % zu verzeichnen hatten, wobei hier seit 1987 eine Stagnation festzustellen ist. Der Verdichtungsraum Bamberg (ohne die Stadt Bamberg) wies gegenüber 1970 hingegen eine Zuwachsrate von 43,0 % auf, die im Süden der Region liegenden Randgemeinden des Verdichtungsraums Nürnberg/Fürth/Erlangen sogar eine Zunahme von 85,5 %! Der Landkreis Kronach weist im Vergleich zu 1970 einen Bevölkerungsrückgang um 6,5 % auf, der Abwanderungstrend konnte aber seit ca. 1987 gestoppt werden, seitdem ist die Bevölkerungszahl annähernd stabil (Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung 2003).



 
Abb.
2.1: Lage der Region 4 in Bayern

Raumstrukturelle Gliederung

Die Region 4 wird gebildet von den Landkreisen
- Bamberg,
- Coburg,
- Forchheim,
- Kronach,
- Lichtenfels,
- der kreisfreien Stadt Bamberg und
- der kreisfreien Stadt Coburg.

Die Städte Bamberg und Coburg werden im Landesentwicklungsprogramm (LEP) Bayern (BAYERISCHE STAATSREGIERUNG 2003) und dementsprechend auch im Regionalpan (RPV) als Oberzentrum ausgewiesen.
Mittelzentrale Stellung erhalten die Orte
- Forchheim,
- Lichtenfels,
- Kronach und
- Neustadt b. Coburg (mit Sonneberg/Thüringen).
Als Mögliches Mittelzentrum bestimmen LEP und Regionalplan die Städte
- Ebermannstadt,
- Altenkunstadt mit Burgkunstadt,
- Rödental und
- Ludwigsstadt (mit Probstzella/Thüringen).

Die Region 4 wird von zahlreichen Entwicklungsachsen mit überregionaler Bedeutung durchzogen (LEP 2003), welche die Region 4 mit ihren Nachbarregionen und mit Thüringen verbinden und ihre nunmehr zentrale räumliche Lage in Deutschland unterstreichen (siehe Abbildung 2.2). Ergänzt wird dieses (v.a. in der Nordhälfte der Region) vergleichsweise dichte Netz an überregional bedeutsamen Entwicklungsachsen durch ein wiederum im Norden dichteres System an Entwicklungsachsen von regionaler Bedeutung (RPV 1996, siehe Abbildung 2.2). Dies verdeutlicht die bereits erwähnten strukturpolitischen Anstrengungen und raumstrukturellen Entwicklungen infolge der deutschen Wiedervereinigung.

In der Region 4 kommt u.a. dem gesamten Main- und Regnitztal die Funktion einer überregionalen Entwicklungsachse zu. Der Main von der westlichen Regions bei Staffelbach bis zur Regnitzmündung sowie die Regnitz sind hier außerdem Teil der Main-Donau-Bundeswasserstraße.



Abb. 2.2: Raumstruktur der Region 4 (RPV 2003)

Das LEP (2003) und die daran angepasste Regionalplanung teilen die Region Oberfranken-West in folgende Gebietskategorien ein (siehe auch Abbildung 2.2):

  • Verdichtungsraum Bamberg – Stadt- und Umlandbereich im Verdichtungsraum: Stadt Bamberg, Gemeinden Bischberg, Breitengüßbach, Gundelsheim, Hallstadt, Kemmern, Litzendorf, Memmelsdorf, Oberhaid, Pettstadt, Stegaurach, Strullendorf, Viereth-Trunstadt
  • Großer Verdichtungsraum Bamberg – Äußere Verdichtungszone: Gemeinden Altendorf, Frensdorf, Hirschaid, Lisberg, Priesendorf, Walsdorf
  • Verdichtungsraum Nürnberg/Fürth/Erlangen – Äußere Verdichtungszone: Stadt Forchheim, Gemeinden Dormitz, Effeltrich, Hausen, Heroldsbach, Hetzles, Kleinsendelbach, Langensendelbach, Neunkirchen a. Brand, Poxdorf (Lkr Forchheim)
  • Allgemeiner ländlicher Raum: an den Verdichtungsraum Bamberg annde Gemeinden im Landkreis Bamberg (außer Pommersfelden); Gemeinden Ebermannstadt, Pretzfeld, Unterleinleiter, Wiesenttal (Lkr Forchheim)
  • Stadt- und Umlandbereich im ländlichen Raum: Stadt Coburg, Gemeinden Ahorn, Dörfles-Esbach, Ebersdorf b. Coburg, Grub a. Forst, Lautertal, Meeder, Niederfüllbach, Rödental, Untersiemau, Weitramsdorf (Lkr Coburg)
  • Ländlicher Teilraum im Umfeld der großen Verdichtungsräume: Landkreis Forchheim mit Ausnahme der o.g. Gemeinden des Landkreises sowie der Gemeinde Gößweinstein, Gemeinde Pommersfelden (Lkr Bamberg)
  • Ländlicher Raum, dessen Entwicklung nachhaltig gestärkt werden soll: Landkreise Coburg (mit Ausnahme der o.g. Gemeinden des Landkreises), Kronach, Lichtenfels, Gemeinde Gößweinstein (Lkr Forchheim)

Stand der Regionalplanung

Die Regionalplanung der Region Oberfranken-West wies zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses (März 2003) folgenden Stand auf:

Regionalplan, in Kraft getreten am 01.06.1988

Erste Änderung: Grenzöffnung, Grenzlandfortschreibung, Fortschreibung und Aktualisierung aller Kapitel; in Kraft getreten am 16.03.1995

Zweite Änderung: Entwicklungsachsen/Kleinzentren/Siedlungswesen (A IV, A V 1-2.1.3, B II); in Kraft getreten am 01.07.1999

Dritte Änderung: Streichen Vorranggebiet Kümmersreuth B IV 3.1.1.8; derzeit ausgesetzt

Vierte Änderung: Windenergieanlagen (B X 5.2); in Kraft getreten am 01.07.1999

Fünfte Änderung: Energieversorgung (B X); in Kraft getreten am 01.11.2002

Sechste Änderung: Natur und Landschaft (B I); verbindlich erklärt am 26.03.2003

Siebte Änderung: Gewerbliche Wirtschaft Gewinnung, Sicherung und Erkundung von Bodenschätzen (B IV 3.1); Beschluss der Verbandsversammlung vom 09.12.2003

Achte Änderung: Wasserwirtschaft (ohne Hochwasserschutz) (B XI 1-3); Anhörungsverfahren eingeleitet

Neunte Änderung: Gewerbliche Wirtschaft Gewinnung, Sicherung und Erkundung von Bodenschätzen (B IV 3.1.1.4); Reduzierung Vorranggebiet t2 – Tongrube Muggenbach; in Kraft getreten am 01.01.2001

Zehnte Änderung: Windenergieanlagen (Teil von B X 5.2) Herausnahme von Vorranggebiet Nr. 3 Teuschnitz; in Kraft getreten am 01.11.2002

Elfte Änderung: Windenergieanlagen (Teil von B X 5.2) Wegfall von Vorbehaltsgebiet Nr. 8 Fesselsdorf; in Kraft getreten am 01.11.2002

Zwölfte Änderung: Windenergieanlagen (Teil von B X 5.2) Wegfall von Vorbehaltsgebiet Nr. 7 Wattendorf; in Kraft getreten am 01.11.2002

Raumplanerische Schwerpunkte

Infolge der innerdeutschen Grenzöffnung wurden wichtige Verkehrsadern nach Thüringen wiederbelebt. Im Verkehrssektor sind folgende überregional ausstrahlende Maßnahmen geplant:

  • ICE-Verbindung Nürnberg – (Bamberg) – Erfurt als Teil der überregional bedeutenden Verbindung München – Nürnberg – Leipzig – Berlin
  • BAB A73 Lichtenfels – Coburg

Darüber hinaus soll der weitere Ausbau der Bundeswasserstraße Main deren Leistungsfähigkeit erhöhen.

Die ehemalige Grenzregion erhofft sich von diesen Maßnahmen wirtschaftliche Impulse, nicht zuletzt auch durch die Anbindung an die Main-Donau-Wasserstraße über den Hafen Bamberg und die Lände Forchheim.

Flächenansprüche resultieren in den großen Tälern der Region außerdem aus dem Abbau von Bodenschätzen. Im gesamten Maintal sowie im Regnitztal südlich Strullendorf findet in erheblichem Umfang Kies- und Sandabbau statt. Ansonsten verteilen sich Rohstoffabbauflächen ohne deutliche Schwerpunktgebiete über die gesamte Region, wobei sie insgesamt keinen hohen Flächenanteil einnehmen. In der Region 4 finden sich auch eine Reihe in Bayern eher seltener Rohstoffvorkommen wie Pegmatitsand, Spezialton oder Diabas.

Trotz der gewerblich-industriellen Schwerpunkte in den großen Tälern und im Raum Coburg ist die Region 4 insgesamt bezogen auf die vorherrschende Flächennutzung nach wie vor ein überwiegend land- und forstwirtschaftlich geprägter Raum mit allerdings sehr unterschiedlichen Produktionsbedingungen (rtragslagen in Mittelgebirgen bis hin zu Flächen mit günstigen Erzeugungsbedingungen im westlichen Albvorland, im Grabfeldgau sowie auf Terrassen größerer Täler). Auf Grund des anhaltenden Strukturwandels nimmt die Bedeutung der Landwirtschaft für den Arbeitsmarkt generell, v.a. aber in den Gebieten mit schlechteren Produktionsbedingungen weiter ab. Damit nimmt die Wahrscheinlichkeit starker Änderungen des landschaftlichen Erscheinungsbilds (durch Aufforstung oder Verbrachung) in solchen Gebieten zu.

Gerade diese gehören aber in der Region 4 zu den touristisch bedeutenden Landschaften, die als Naturparke landschaftsbezogene Erholungsformen anstreben und damit auf eine vielfältige Kulturlandschaft essentiell angewiesen sind. Für die Fremdenverkehrswirtschaft, die zu den wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen der Region zählt, kann diese Entwicklung daher problematische Auswirkungen nach sich ziehen.

Brennpunkte des raumplanerischen Handlungsbedarfs sind in der Region 4

  • das Main- und Regnitztal, da diese sowohl als Entwicklungsachse als auch für Naturschutz und Landschaftspflege und für die Erholung wichtige und nicht selten konkurrierende Aufgaben zu erfüllen haben sowie
  • der Verdichtungsraum Bamberg, in dem Fragen der naturbezogenen Naherholung, des Naturschutzes, des Landschaftsverbrauchs durch Siedlung und Infrastruktur und der Siedlungsdurchgrünung eine bedeutende Rolle spielen.
  • Darüber hinaus stellen
  • die Entwicklungen entlang der Achsen Coburg – Neustadt b. Coburg, Coburg – Kronach und im unteren Rodachtal,
  • der Ausbau der Anbindung an Thüringen auf verschiedensten Ebenen (z.B. Verkehr, Erholung),
  • die Erhaltung der Kulturlandschaft insbesondere der Naturparke auf landwirtschaftlich schlechteren Standorten und historischer Kulturlandschaften von besonders hoher Wertigkeit, Vielfalt und Kleinteiligkeit sowie
  • die Erhaltung großflächig unzerschnittener Wälder z.B. des Nordwestlichen Frankenwalds oder des Steigerwalds

bedeutende raumplanerische Herausforderungen dar.


 

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