6.6.3      Ziele für die einzelnen Teilräume

 

Im folgenden werden für die Gebiete mit hervorragender und besonderer Bedeutung gebiets­spezifische Ziele für das Schutzgut Historische Kulturlandschaft genannt. Diese Ziele sprechen Sachverhalte an, die auf die einzelnen historischen Kulturlandschaftsräume beschränkt sind.

Die Ziffern vor den Zieltexten stellen den Bezug zur Zielkarte Historische Kulturlandschaft (Karte 4.6) her. Diese Verweisnummern beinhalten als zweiten Bestandteil nach der Abkürzung des Schutzguts (H) die Nummern der Kulturlandschaftsräume. Damit ist ein direkter Bezug zu den jeweils betroffenen Teilräumen möglich.

Die Zieltexte sind zur besseren Übersicht nach Gebieten hervorragender bzw. besonderer Bedeutung geordnet. Bei Teilraum­zielen, die Gebiete von hervorragender Bedeutung betreffen, sind die Zielgebietsnummern durch Unterstreichung hervorgehoben. Innerhalb der beiden Zielgebietsgruppen werden die Zieltexte in aufsteigender Reihenfolge nach den Nummern der historischen Kulturlandschaftsräume sortiert.

Gebiete mit hervorragender Bedeutung für die Sicherung
der Historischen Kulturlandschaft

H 02.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Frankenwald, Steinbach a. d. Haide, Ludwigsstadt“ sollen insbeson­dere der Charakter der hochmittelalterlichen Rodungslandschaft und die Prägung durch die Holzwirtschaft und den Schieferbergbau bewahrt werden.

Das Gebiet verdeutlicht die thüringische Besiedlung des Frankenwaldes, die auf herausragende Weise an der Radialhufenflur Steinbachs a. d. Haide und der Gelängeflur Lauenhains ablesbar ist. Die Dorf- und Flurstrukturen sind im Grundsatz seit 800 Jahren stabil geblieben.

Neben den historischen Rodungsfluren hat der Schieferbergbau um Ebersdorf und Ludwigsstadt den Kulturlandschaftsraum geprägt. Besonders hervorzuheben ist noch die auf einem schroff abfallenden Bergkegel sitzende Burg Lauenstein als bauliches Zeugnis der vom 12. bis 15. Jahrhundert annden Herrschaft der Grafen von Orlamünde.

In dem Kulturlandschaftsraum haben sich die historischen Kulturlandschaftselemente in einer solchen Dichte erhalten, dass dieser Raum in seiner Gesamtheit als historische Kulturlandschaft, im Sinne einer Wertkategorie, angesprochen werden kann. Die historische Nutzung und Gestaltung der Landschaft durch die Menschen ist auf herausragender Weise an den Rodungsfluren, an den Relikten des Bergbaus und der Holzwirtschaft (Mühlen) ablesbar.

H 03.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Frankenwald, ‚Teuschnitzer Eigen und Windhagen‘ “ sollen insbe­sondere der Charakter der hochmittelalterlichen Rodungslandschaft und die Prägung durch die Flößerei- und Holzwirtschaft sowie das Mühlenwesen bewahrt werden.

Das Gebiet verdeutlicht in einzigartiger Weise die planmäßige Besiedlung der Höhenlagen des Frankenwaldes im Spätmittelalter, die durch das Hochstift Bamberg und seine Klöster sowie durch die Reichsritterschaften vorangetrieben wurde. In der Zeit von 1187 bis 1388 stand die Stadt Teuschnitz noch im Eigentum des Zisterzienserklosters Langheim. Der Höhepunkt der Rodungswelle ist im Teuschnitzer Eigen in der 2. Hälfte des 12. und Anfang des 13. Jahrhunderts erreicht. Die Dörfer Windheim, Buchbach, Kehlbach, Steinbach und Hirschfeld sind in dieser Zeit angelegt worden. Leitform ist das Angerdorf mit hofanschließender Breitstreifenflur. Besonders hervorzuheben sind das Rundangerdorf Birnbaum mit seiner Radialhufenflur oder der Ort Teuschnitz mit seiner Gelängeflur. Diese charakteristischen Dorf- und Flurformen, die in ihren Parzellenstrukturen im Grundsatz seit 800 Jahren stabil geblieben sind, besitzen eine außerordentliche historische Aussagekraft und landschaftsprägende Wirkung.

Die Flößereiwirtschaft führte zum funktionsgerechten Umbau der Wälder, der Flüsse und Bäche. Die nach Süden und Süd- Westen entwässernden Täler der Flüsse Kronach, Haßlach und der Quellbäche Tettau, Langeau, Oelschnitz, Kremitz, Teuschnitz, Doberbach und Grümpel, Tschirner Ködel, Fränkische Muschwitz und Ölsnitz unterlagen in Gestalt und Nutzung der Flößereiwirtschaft. In Verbindung dazu wurden die Kerbsohlentäler als Wiesenland genutzt. Mit dem Grümpelteich östlich Effelter und dem Doberteich nördlich Tschirn (beide für die Mitte des 18. Jh. historisch belegbar) und dem Tschirnködelteich sind weitere kulturhistorisch herausragende Elemente als Relikte der Flößereiwirtschaft gegeben. Die Verarbeitung des Holzes erfolgte auch vor Ort in den Sägemühlen. An den Bach- und Flussläufen finden sich heute noch viele Mühlengebäude, die zum Teil typische Mühlenketten ausbilden, aber heute in vielen Fällen als Wohnung oder Gastwirtschaft dienen.

H 06.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Frankenwald, Rodachtal, Nordhalben, Steinwiesen“ sollen insbesondere der Charakter der planmäßigen Erschließung und Besiedelung dieser spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rodungslandschaft sowie die Prägung durch das Flößereigewerbe, die Holzwirtschaft sowie durch das Mühlenwesen bewahrt werden.

Das Gebiet verdeutlicht in besonderer Weise die Besiedlung und wirtschaftliche Erschließung des Frankenwaldes, die an den spätmittelalterlichen-frühneuzeitlichen Rodungssiedlungen Heinersberg, Ködelsberg, Regberg, Wetthof und Stengelshof ablesbar ist. Die planmäßige Besiedlung der Höhenlagen erfolgte durch das Hochstift Bamberg und seine Klöster sowie durch die Reichsritterschaften. Das Unteramt Nordhalben bildete ein Herrschaftsschwerpunkt des Hochstifts Bamberg im Frankenwald. Die Flößereiwirtschaft führte zum funktionsgerechten Umbau der Wälder, Flüsse und Bäche, der in den Talräumen mit der historischen Wiesennutzung einherging. Besonders eindrucksvoll ist die Flößerkultur an der Rodach mit dem Flößerort Steinwiesen, den Nebenbächen und am Langenaubach ablesbar. Die Mühlenketten im Rodachtal dokumentieren in herausragender Weise die Tradition des holzverarbeitenden Gewerbes für diesen Kulturlandschaftsraum. In der sogenannten Mühlenkarte von 1742 bestand bereits ein Großteil der heute bekannten Mühlen.

In dem Kulturlandschaftsraum haben sich die historischen Kulturlandschaftselemente in einer solchen Dichte und Umfang erhalten, dass dieser Raum in seiner Gesamtheit als historische Kulturlandschaft, im Sinne einer Wertkategorie, angesprochen werden kann. Die historische Nutzung und Gestaltung der Landschaft durch die Menschen ist auf herausragende Weise an den Rodungsfluren, an den Relikten des Flößereigewerbes und der Holzwirtschaft (Mühlenketten) ablesbar.

H 12.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Frankenwald, Wilde Rodach, Thiemitz, Flößerort Wallenfels“ sollen insbesondere der Charakter der hoch- und spätmittelalterlichen Rodungslandschaft und die Prägung durch die Flößereiwirtschaft bewahrt werden.

Das Gebiet verdeutlicht in einzigartiger Weise die planmäßige Besiedlung der Höhenlagen des Frankenwalds im Hoch- und Spätmittelalter, die an dem Angerdorf Neuengrün und seiner Radialhufenflur auf herausragende Weise ablesbar ist. Die Radialhufenflur Neuengrün ist die am klarsten ausformulierte und eine der besterhaltenen des Frankenwaldes. Im Bamberger Bischofsurbar A von 1323 ist der Ort als wüst genannt und im Urbar B von 1348 wird Neuengrün als wieder besiedelt erwähnt.

Die Flößereiwirtschaft führte zum funktionsgerechten Umbau der Wälder, der Flüsse Rodach und Wilde Rodach sowie der Bäche Lamitz und Thiemitz und prägte die Dorfstruktur des Flößerortes Wallenfels in einzigartiger Weise. Besonders hervorzuheben ist die Flussumlegung der Rodach mit hervorragend erhaltenen, technikgeschichtlich bedeutsamen Querverbauungen des Flussbettes. Kulturhistorisch herausragend ist auch der Lamitzbach, der vom Floßteich Lamitz (bereits Landkreis Hof) bis zur Mündung in die Wilde Rodach noch weitgehend den Zustand eines ausgebauten und begradigten Floßbaches mit Sohlschwellen und Uferbefestigungen zeigt. Am Hang des Scheibenberges bei Wolfersgrün befindet sich die Fuchsleitenlasse, die mit dem abgegangenen Bamberger Floßteich im Lamitztal ein weiteres Dokument der historischen Flößerei darstellt. Die Flößereiwirtschaft spiegelt sich in besonderer Weise auch in der Bau- und Dorfstruktur des Flößerortes Wallenfels wieder. Mit den Flößervillen, Floßländen, ehem. Scheunenvierteln besitzt der Ort regional bedeutsame Zeugen der Flößerkultur.

Die historische Wiesennutzung in den Talräumen ist ein weiterer Teilaspekt der kulturellen Erschließung dieses Raumes, und die Relikte des Bergbaus vervollständigen die historische Aussagekraft dieses Kulturlandschaftsraumes.

In dem Kulturlandschaftsraum haben sich die historischen Kulturlandschaftselemente in einer solchen Dichte und Umfang erhalten, dass er in seiner Gesamtheit als historische Kulturlandschaft, im Sinne einer Wertkategorie, angesprochen werden kann.

H 16.1
Der Kulturlandschaftsraum „Altstadt Kronach und Rosenbergfestung mit Parkanlage“ soll in seiner sehr hohen historischen Aussagekraft erhalten bleiben.

Die Altstadt Kronach liegt im Mündungszwickel von Haßlach und Kronach. Das Bistum Bamberg erhielt Kronach und sein Umland 1122 von Kaiser Heinrich V. geschenkt und übte bis zum beginnenden 19. Jahrhundert landesherrliche Rechte aus.

Die auf einem Bergsporn gelegene Oberstadt Kronach verdeutlicht mit der Rosenbergfestung auf herausragende Weise die historische Schutzfunktion Kronachs als nordöstliches Bollwerk des Hochstiftes Bamberg und als Ausgangspunkt für die planmäßige Besiedlung und flößereiwirtschaftliche Erschließung des Frankenwaldes. An der städtebaulichen Struktur der Haßlachvorstadt (Unterstadt) als ehemaliges Flößerviertel ist die kulturlandschaftliche Prägung des Flößergewerbes auf besondere Weise ablesbar.

Die Festung Rosenberg mit ihren stadtauswärts gerichteten Vorwerken, deren Ausbau zur bastionären Anlage im 17. Jahrhundert seine Vollendung fand, gilt mit einer Ausdehnungsfläche von 23,6 ha als eine Wehranlage von erstem europäischen Rang. Die zugehörige Parkanlage stammt aus dem 19. Jahrhundert und war als Landschaftsgarten angelegt. Mit ihren geschützten Einzelbäumen ist sie heute als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und wird forstwirtschaftlich genutzt.

Die nördlich der Stadt, auf dem Höhenrücken des Kammbergs gelegenen Streusiedlungen zählen zu den am spätesten erschlossenen Räumen Oberfrankens. Die mit geringer Siedlungsgunst ausgestatteten Buntsandsteinlandschaften wurden im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit erschlossen. Die Besiedlung erreichte jedoch nicht mehr die Dynamik der vorangegangenen Rodungsperioden. Kennzeichnend für die mangelnde Kraft des Siedlungsvorganges ist die Verwendung des Einzelhofes als Leitform der Besiedlung. Träger der Siedlungen Rosenhof, Bernsroth und Bierberg war in diesem Fall das Hochstift Bamberg.

H 18.1
H 19.1
Bei der weiteren Entwicklung der Kulturlandschaftsräume „Flößerort Unterrodach, Kalksteinriegel-Heckenlandschaft“ (H 18.1) und „Kalk­steinriegel-Heckenlandschaft Fischbach, Seibelsdorf“ (H 19.1) sollen insbe­sondere der historische Charakter des Flößerorts Unterrodach und die Kalksteinriegel-Heckenlandschaften bewahrt werden.

In dem Altort Unterrodach spiegelt sich auf hervorragende Weise die historische Flößereiwirtschaft in der Bausubstanz und der Dorfstruktur wieder. Mit den Floßherrenhäusern, den Floßländen, ehemali­gen Scheunenvierteln, einem terrassenförmig angelegten Floßherrengarten mit Gartenpavillon besitzt der Kulturlandschaftsraum überregional bedeutsame Zeugen der Flößerkultur. Das Anger­wehr und der Weltbau in Unterrodach sind funktionsfähige Beispiele für Wehranlagen und besitzen hohe kulturhistorische Bedeutung. In Unterrodach befindet sich außerdem das Flößereimuseum.

Auch der umliegenden Kulturlandschaft kommt hier eine herausragende Bedeutung zu. Zum Beispiel führt von einer Flößervilla eine Altstraße zum Kreuzberg mit der Kreuzbergkapelle bei Kronach (Zielpunkt eines Wallfahrtsweges mit mehreren Stationen), die in ihrem Anfangsbereich als sehr gut erhaltener Hohlweg ausgebildet ist. Die Mühlenkette an der Rodach belegt die historische Bedeutung des Mühlengewerbes für diesen Kulturlandschaftsraum.

Auf dem nordwestlich und südöstlich von Kronach, d.h. von Unterrodach bis Seibelsdorf verlaufenden Muschelkalkzug, der steinige Lehm- und Mergelböden hervorgebracht hat, erstreckt sich eine Kalksteinriegel-Heckenlandschaft von herausragender kulturhistorischer Bedeutung. Vor allem die Anstiegsbereiche, weisen eine sehr hohe Heckendichte auf. Es ist davon auszugehen, dass die Steinriegel-Heckenlandschaft mit den dazwischenliegenden Äckern ein bis mehrere Jahrhunderte alt ist. Die historischen Flurformen (z.B. Blockgewannflur im Bereich Fischbach-Seibelsdorf) werden durch die Hecken und Steinriegel auf hervorragende Weise im Landschaftsbild sichtbar.

Die vorhandenen ehemaligen Hutweiden (Kalkmagerrasen) und Hutungsheckenreste sind herausragende Zeugnisse für die historische Schafbeweidung und unterstreichen die sehr hohe kulturhistorische Bedeutung dieses Kulturlandschaftsraumes zusätzlich. Besonders zu erwähnen sind z.B. die Schafhutung „Hohe Warte“, die Fischbachtalhänge sowie die Viehtriebhecken bei Seibelsdorf oder Waldbuch.

Bei beabsichtigten Renaturierungen der Fließgewässer soll hier in hohem Maße der kulturhistorischen Bedeutung der Flößereirelikte Rechnung getragen werden; z.B. soll der Rückbau der Wehranlagen Angerwehr und Weltbau vermieden werden.

H 29.1
Der Kulturlandschaftsraum „Coburger Land, Residenzlandschaft Coburg mit Veste Coburg“ soll in seiner sehr hohen historischen Aussagekraft erhalten bleiben. Bei der weiteren Entwicklung der Kulturlandschaft soll der Charakter der Feudallandschaft bewahrt werden.

Gekrönt von der Veste Coburg auf dem exponierten Festungsberg, verdeutlicht der Kulturlandschaftsraum auf herausragende Weise fürstliches, adeliges und bürgerliches Stadt- und Landleben des bis 1918 bestehenden Herzogtums Sachsen-Coburg. Im 19. Jahrhundert wurde der Kulturlandschaftsraum von den damaligen Herzögen, nach englischen Vorbildern, zu einer Residenzlandschaft ausgebaut. Im Stadtgebiet von Coburg zeugt davon der neugotische Baustil. In der umgebenden Landschaft lässt sich dies noch in einmaliger Form an den zahlreichen Schlossanlagen und Gutshöfen bzw. Domänen ablesen.

Die Residenzstadt Coburg und die Veste, die über den Hofgarten in landschaftlichen Bezug gesetzt sind, sowie die die Stadt Coburg kranzförmig umgebenden Schloss- und Parkanlagen Rosenau, Falkenegg, Callenberg, Hohenfels, Ketschendorf, Esbach und Neuhof dokumentieren die herrschaftliche Prägung dieses Kulturlandschaftsraumes in herausragender Weise.

Die Veste Coburg ist Mittelpunkt eines Netzes von Sichtbeziehungen, welche die Stadt und die umgebende Landschaft durchziehen. Dabei reicht der Wirkungsbezugsraum der Veste bis auf die Höhen des Thüringer Waldes zur Heldburg in Thüringen. Chausseen bilden weitere verbindende Elemente zwischen der Veste Coburg und den herrschaftlichen Anlagen Rosenau und Callenberg. Die Schlossgüter Rosenau, Esbach, Neu- und Neershof, das Kammergut Oeslau sowie die Domänen (Mustergüter) Callenbergfarm und Ernstfarm brachten Großfelderwirtschaften in der ehemals kleinteilig geprägten Ackerlandschaft hervor und dokumentieren damit auf herausragende Weise eine feudal geprägte Landwirtschaft, die hier die Verbindung von Ökonomie und Landesverschönerung gesucht hatte.

H 41.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Kloster Banz und Banzer Ländchen“ soll insbesondere die Prägung der Kulturlandschaft als ehemals klösterliches Herrschaftsland bewahrt werden. Dem hohen assoziativen Bedeutungsgehalt der Landschaft soll besondere Beachtung zukommen.

Das „Banzer Ländchen“ mit den Ortschaften Weingarten, Kösten, Tiefenroth, Schönsreuth, Gnellenroth und Stetten sowie den dem Banzer Wald westlich vorgelagerten Dörfern Altenbanz, Stadel und Neubanz bilden zusammen eine Agrarlandschaft klösterlicher Prägung, die über historische Dorfstrukturen und das historische Wegenetz auf das im 18. Jahrhundert nach barocken Gestaltungsprinzipien umgebaute Kloster Banz ausgerichtet ist.

Die räumlichen Zusammenhänge zwischen dem Kloster Banz, das wohl 1071 gegründet wurde, den Dörfern und der Landschaft ist an der Gestaltform der Dörfer, an dem von Martern gesäumten historischen Wegenetz und an den großzügigen Ackerschlägen ablesbar. Der Wallfahrtsort Kloster Banz trägt den weltlichen und geistlichen Herrschaftsanspruch des Benediktinerklosters Banz und des Hochstiftes Bamberg durch die dominierende Berglage in barocker Manier weit in die umgebende Landschaft, insbesondere in das obere Maintal hinein. Mit dem gestalterisch gesetzten Sichtbezug zu Vierzehnheiligen und der Blickverbindung zum Staffelberg besitzt Kloster Banz insgesamt einen herausragenden assoziativen Bedeutungsgehalt, der im Landschaftsbegriff „Gottesgarten am Obermain“ mitschwingt. Aufgrund der vielfältigen räumlichen und inhaltlichen Bezüge bau-, siedlungs- und herrschaftshistorischer Denkmäler in diesem Raum, wurde das Obermaintal um Banz, Vierzehnheiligen und Staffelberg auch als Beispiel einer sog. „Denkmallandschaft“ beschrieben.

Die schwer zu bewirtschaftenden Feuerlettenbereiche, die sog. „Röten“, die die bewaldeten Keuperriedel saumartig umziehen, dienten einst dem Weinbau, dann dem Hopfenbau und schließlich dem Obstbau oder wurden für den Niederwaldbetrieb genutzt. Zum Teil sind noch Relikte dieser Nutzungen vorhanden. Außerdem sind hier zahlreiche historische Steinbrüche bemerkenswert, deren Material zum Bau des Klosters Banz und der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen verwendet wurde und spätestens ab dem 19. Jahrhundert auch das ländliche Bauwesen prägte. Neben dem Burgsandstein, dessen dolomitische Arkose (kalkreicher Sandstein) auch „Coburger Festungssandstein“ genannt wird, wurden vor allem die graugelben harten Sandsteine des Rhäts in den zahlreichen örtlichen Steinbrüchen abgebaut. Die reichen Tonvorkommen des Keupers und des Lias dienten zunächst als Grundmaterial für die Herstellung von Dachziegeln, vor allem für die charakteristischen „Rinnenziegel“ des westlichen Oberfrankens.

Vom Kloster Banz wurde auch Teichwirtschaft betrieben. Dazu legte das Kloster zwischen Schönsreuth und der Schönsreuther Mühle zwei Teiche an, die heute noch existieren und nach wie vor genutzt werden.

H 42.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Mittelwald Eierberge-Schafholz“ soll insbesondere die Prägung durch die historischen Waldnutzungsformen bewahrt werden.

Der Kulturlandschaftsraum liegt auf den Dogger-Höhenrücken zwischen Itz und Main und dokumentiert einige historische Waldnutzungsformen in herausragender Weise.

Der hohe Nutzungsdruck in den Wäldern führte zu regelmäßigen und kurzen Umtriebszeiten. Durch „auf den Stock setzen“ der Bäume alle 20 bis 25 Jahre in festgelegten Waldparzellen entstand als klassische Nutzungsform des bäuerlichen Waldes der Niederwald. In Niederwäldern dominierten Gehölze, die durch gutes Stockausschlagsvermögen auch bei kurzen Umtriebszeiten überdauern konnten (neben der Eiche vor allem Hainbuche und Hasel). Die Nutzung erfolgte meist auf gemeinschaftlicher Basis. Des weiteren übernahm der Niederwald in den meisten Fällen auch viehwirtschaftliche Funktionen in Form der Waldweide und der Streugewinnung.

Wegen der weiten Verbreitung der Niederwaldwirtschaft gab es in historischer Zeit kaum noch Parzellen mit Hochwaldcharakter. Da jedoch auch Bauholz benötigt wurde, welches sich nur aus Altholzstämmen gewinnen ließ, bildete sich die Mittelwaldnutzung heraus. Im Mittelwald ließ man auf den als Niederwald bewirtschafteten Flächen eine bestimmte Anzahl an hochstämmigen Bäumen, vor allem Eichen, stehen.

Die herausragende kulturhistorische Bedeutung des Kulturlandschaftsraums ist vor allem damit verbunden, dass hier diese historischen Waldnutzungsformen, die ansonsten nur noch äußerst selten betrieben werden, in weiten Teilen bis heute fortgeführt werden.

H 50.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Kloster Langheim und Vierzehnheiligen“ soll insbesondere die Prägung der Kulturlandschaft als ehemals klösterliches Herrschaftsland bewahrt werden. Dem hohen assoziativen Bedeutungsgehalt der Landschaft soll besondere Beachtung zukommen.

Das Zisterzienserkloster Langheim hat eine Agrarlandschaft klösterlicher Prägung hervorgebracht, die durch große Schlageinteilungen gekennzeichnet ist. Die historischen Siedlungsstrukturen der Dörfer Klosterlangheim, Trieb und des Wirtschaftshofes Nassanger, wie auch das historische Wegenetz dokumentieren die klösterliche Schaffenskraft und die räumlichen Zusammenhänge zwischen dem Kloster, den Dörfern und der Landschaft. Der Wallfahrtsort Vierzehnheiligen trägt den weltlichen und geistlichen Herrschaftsanspruch des Zisterzienserklosters Langheim und des Hochstiftes Bamberg durch die dominierende Berglage in barocker Manier weit in die umgebende Landschaft, insbesondere in das obere Maintal hinein. Mit dem gestalterisch gesetzten Sichtbezug zu Kloster Banz und der Blickverbindung zum Staffelberg besitzt Vierzehnheiligen insgesamt einen herausragenden assoziativen Bedeutungsgehalt, der im Landschaftsbegriff „Gottesgarten am Obermain“ mitschwingt. Aufgrund der vielfältigen räumlichen und inhaltlichen Bezüge bau-, siedlungs- und herrschaftshistorischer Denkmäler in diesem Raum wurde das Obermaintal um Banz, Vierzehnheiligen und Staffelberg auch als Beispiel einer sog. „Denkmallandschaft“ beschrieben.

Viele Marter und Bildstöcke verdeutlichen den Verlauf historischer Wirtschafts- und Kirchwege zwischen dem Kloster und den zugehörigen Dörfern. Sie sind Denkmäler historischer Herrschaftsbeziehungen, Fluraufteilungen und alter Wegeführungen geworden.

H 51.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Staffelberg und Lautergrund“ soll insbesondere die hervorragend erhaltene historische Kulturlandschaft im Bereich des Albtraufs und der Talhänge bewahrt werden.

Der historische Kulturlandschaftsraum Staffelberg und Lautergrund verdeutlicht auf eindrucksvolle Weise die kulturelle Erschließung im Wechselspiel von Natur- und Kulturfaktoren, die sich an den Ackerterrassen mit Hecken- und Streuobstbeständen, an den Felsenkellern und historischen Weinbergslagen ablesen lässt. Der Staffelberg strahlt als Zeugenberg weit in das Maintal hinaus und weist neben der sehr hohen kulturhistorischen Bedeutung für die Archäologie einen herausragenden assoziativen Bedeutungsgehalt auf. Dieser schwingt auch im Landschaftsbegriff „Gottesgarten am Obermain“ mit, der für das Obermaintal um Banz, Vierzehnheiligen und Staffelberg gebräuchlich ist. Aufgrund der vielfältigen räumlichen und inhaltlichen Bezüge unterschiedlicher Denkmäler und Denkmaltypen wurde dieser Abschnitt des Obermaintals auch als Beispiel einer sog. „Denkmallandschaft“ beschrieben.

Der Staffelberg ist einer der ältesten und bedeutendsten Kulturlandschaftsräume in Bayern. Die Siedlungsgeschichte begann dort bereits um 5000 v. Chr. und die befestigte Höhensiedlung am Staffelberg wurde bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. genutzt. Vor allem aus der keltischen Besiedlungsphase sind archäologische Spuren erhalten. Allein durch seine morphologische Gestalt besitzt der Staffelberg eine ausgesprochene assoziative Anziehungskraft. Im Mittelalter wurde auf dem Staffelberg die Adelgundiskapelle der sechzehn Nothelfer erbaut und später mehrfach erneuert. Sie steht in Sichtbezug zum Kloster Banz und zur Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen.

Besonders hervorzuheben ist in diesem Kulturlandschaftsraum auch der Veitsberg mit der St. Veit-Kapelle, die von einem Lindenkranz umgeben ist.

Die stark zertalte Landschaft bietet an ihren Hängen immer wieder mikroklimatisch günstige Standorte für den Obstbau, häufig sogar auf historischen Weinbaustandorten. Die Jura- Randbereiche südöstlich von Lichtenfels besitzen mit die höchste Terrassenheckendichte in der gesamten Region. Schwerpunktvorkommen von z. T. überregionaler Bedeutung befinden sich am Staffelberg. Charakteristisch sind auch die Heckenterrassen mit wertvollem Streuobstbestand und Zwetschgenhecken im Lautergrund um Stublang, Horsdorf und Ützing. Häufig treten diese Strukturen in Verbindung mit (ehemaligen) Weideflächen (Magerrasen) auf.

Die zahlreichen noch vorzufindenden Felsenkeller stehen in einem engen Zusammenhang mit dem Hausbrauwesen, welches den Bauern ermöglichte, ihr eigenes Bier zu brauen.

Zur Bewahrung dieser Kulturlandschaft sollen Konzepte zur schonenden Bewirtschaftung, Pflege und Entwicklung erarbeitet und umgesetzt werden. Ziel sollte es sein, die kleinteilig terrassierte und durch Hecken und Streuobst gegliederte Kulturlandschaft und die Kulturlandschafts­elemente mit herausragender archäologischer und assoziativer Bedeutung in ihrer Substanz zu sichern und traditionelle Nutzungsformen beizubehalten. Bei Bedarf sollte auf geeignete Pflegemaßnahmen hingewirkt werden.

H 53.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Albvorland, Kümmel, Unter- und Oberküps“ soll die Prägung durch die historische Erschließung und Besiedlung und die hervorragend erhaltene historische Kulturlandschaft bewahrt werden.

Der im Naturraum der Nördlichen Frankenalb gelegene Kulturlandschaftsraum bildet einen Schwerpunktraum historischer Dorf- und Flurformen (Haufendörfer, die in Obstgärten eingebettet sind; Blockfluren in Gemengelage) sowie historischer Wegesysteme. Er weist mit den Ackerterrassen des Kümmelbach- und Kellbachtals, deren Raine z.B. mit Zwetschgen-Walnussbeständen gesäumt sind, herausragende historische Kulturlandschaftselemente auf, die in ihrer Gesamtheit die Nutzungsgeschichte der Landschaft im Wechselspiel mit den naturräumlichen Gegebenheiten der Fränkischen Alb ablesen lassen. Die Felsenkeller in dem Kulturlandschaftsraum verdeutlichen sehr gut das Beziehungsgefüge zwischen den historischen Landschaftselementen untereinander und im Bezug auf den Landschaftsraum.

H 54.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Weismain­alb, Stadt Weismain“ soll insbesondere die durch das Wechselspiel von Nutzungsgeschichte und naturräumlichen Gegebenheiten entstandene Prägung bewahrt werden.

Der Kulturlandschaftsraum bildet einen Schwerpunktraum historischer Dorf- und Flurformen (Blockstreifenfluren in Gemengelage) sowie historischer Wegesysteme. Weitere historische Kulturlandschaftselemente wie z.B. die Hüllweiher, der Görauer Anger, der Weidener Albhochflächenbrunnen, die Brunnensteige von Arnstein, Wunkendorf und Weiden, die Wallersberger und Kleinziegenfelder Wacholderheide sowie die Hochstraße Weismain-Hollfeld und die Judenstraße sind ebenfalls von hervorragender kulturhistorischer Bedeutung. In der Gesamtheit macht der Kulturlandschaftsraum die Nutzungsgeschichte der Landschaft im Wechselspiel mit den naturräumlichen Gegebenheiten der Fränkischen Alb auf herausragende Weise ablesbar.

Aufgrund des ausreichenden Wasserdargebots in den Tälern konnten mehrere Mühlen betrieben werden. Besonders hervorzuheben ist die Mühlenkette im Kleinziegenfelder Tal, deren Entstehung in Abhängigkeit von den reichsritterschaftlichen Wurzeln des Ortes Kleinziegenfeld zu sehen ist.

Wegen der Enge der Talräume liegen die meisten Siedlungen auf der flachwelligen Hochfläche. Dies hatte den Vorteil der Lage inmitten der dazugehörigen Feldflur, jedoch den Nachteil, dass die Siedlung über kein fließendes Wasser verfügte. Infolgedessen waren die Bewohner vielfach gezwungen, das Trinkwasser täglich von einer Quelle im Bereich des weit tiefer liegenden Quellhorizonts heranzuschaffen. Diese Quellen, meist grob mit Kalksteinen eingefasst und mit einem Brunnensteig mit dem Ort verbunden, erhielten den Namen der Dörfer, die sie nutzen (z.B. Eichiger Brunnen, Bojendorfer Brunnen, Wunkendorfer Brunnen, Neudorfer Brunnen). Die meisten dieser Brunnen sind verschwunden oder modern gefasst. In einem Seitental, das die Verbindung von Weiden zum Kleinziegenfelder Tal herstellt, hat sich noch ein Brunnen mit einem halb zerfallenen Gewölbe aus Kalkbruchsteinen erhalten.

Die Hüllweiher auf der Hochfläche, die überwiegend natürlich aus nach unten abgedichteten Dolinen entstanden sind, wurden als Viehtränken, als Brauchwasser- oder Löschwasserquelle genutzt. In einigen wenigen Fällen dienten sie auch der Trinkwassergewinnung. Aufgrund der Wasserarmut der Albhochfläche waren die Hüllen stets Zentren der Ansiedlung, und vermutlich sind fast alle Ortschaften der Frankenalb um einen natürlichen Hüllweiher entstanden. Im Siedlungsbereich wurden die Weiher häufig künstlich angelegt. Mit dem Großziegenfelder, Wallersberger, Frankenberger, den drei Hüllweihern um Arnstein und Buckendorf sind nur noch wenige von der ursprünglichen Anzahl erhalten geblieben.

Kleinziegenfeld ist ein ehemaliges reichsritterschaftliches Dorf, das sich in seiner historischen Orts- und Flurform grundlegend von seinen Nachbardörfern unterscheidet. Die Freiherren von Schaumburg besaßen in dem Ort ein Rittergut, das noch um 1850 mehr als die Hälfte der Gemarkungsfläche bewirtschaftete. Nahezu alle Waldflächen und die gesamte große Schafweide der Wacholderleite gehörte zu dem Rittergut. Die historische Flurform von Kleinziegenfeld ist durch die großschlägigen Parzellen einer typischen Blockflur gekennzeichnet.

Neben der Ackernutzung auf der Hochfläche spielte die Schafweide unter der Regie des Rittergutes eine bedeutende Rolle. Kulturhistorisch herausragende Reste von Wacholderheiden wie bei Wallersberg oder Kleinziegenfeld verweisen auf die ehemalige Nutzung als Schafweide.

Zur Bewahrung dieser Kulturlandschaft sollen Konzepte zur schonenden Bewirtschaftung, Pflege und Entwicklung erarbeitet und umgesetzt werden.

H 59.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Sommerresidenz Seehof und Altort Memmelsdorf“ soll insbesondere die herrschaftliche Prägung durch Schloss Seehof als ehemalige Sommerresidenz der Bamberger Fürstbischöfe bewahrt werden.

Die im Jahr 1687 erbaute ehemalige fürstbischöflich-bambergische Sommerresidenz Seehof mit ihrer barocken Parkanlage stellt das Zentrum einer weit über Alleen und Sichtachsen in das Umland hinausgreifenden Anlage dar und verdeutlicht auf herausragender Weise den absolutistischen Herrschaftsanspruch der ehemaligen Fürstbischöfe des Hochstifts Bamberg. Mit der Teichkette mit Figurenweiher, dem Altort Memmelsdorf und den nach Seehof zuführenden Chausseeresten enthält der Kulturlandschaftsraum weitere historische Kulturlandschaftselemente von sehr hoher Bedeutung.

Mit den vier charakteristischen Ecktürmen ist Schloss Seehof eines der Wahrzeichen des ehemaligen Fürstbistums Bamberg. Der Schlosspark bringt die absolutistische Grundhaltung der Anlage in besonderer Weise zum Ausdruck. Der ab 1700 entstandene Park untergliedert sich in sechs Quartiere. Die durch das Schloss ziehende Hauptachse des Gartens greift weit in die umgebende Landschaft hinaus und untermauert damit den absolutistischen Anspruch der Schlossherren. Außerdem besteht eine Sichtverbindung zur Dorfkirche von Memmelsdorf. Neben einer früher weit ins Umland reichenden Nord-Südachse waren außerdem kilometerlange Diagonalen durch den Hauptsmoorwald geschlagen; eine Sichtachse verband beispielsweise das Schloss Seehof mit der Residenz in Bamberg.

Die Weiherkette westlich des Schlosses besteht aus sechs großen und sechs kleinen Weihern, die vom Leitenbach gespeist werden. Die schlossnahen Teiche, insbesondere der Figurenweiher, waren in die Gestaltungsprinzipien der Gartenanlage einbezogen.

Westlich und nördlich des Schlosses Seehof sind Teilstücke der Bayreuthischen und Böhmischen Comercial- und Poststraße (mit 168 m und 158 m Länge) erhalten geblieben. Die Chaussee führte von Bamberg nach Schloss Seehof. Diese Chaussee ist eine von vier noch erhaltenen Resten des Chausseebaus des späten 18. Jahrhunderts im ehemaligen Herrschaftsgebiet des Hochstiftes Bamberg. Ursprünglich war die Straße mit Kastanienbäumen gesäumt, später wurden diese durch Walnuss- und Obstbäume ersetzt. An den Chausseeteilstücken stehen auch noch mehrere Marter. Die Chaussee, wie auch das Schloss Seehof als Sommerresidenz, verloren im 19. Jahrhundert ihre ursprünglichen Funktionen.

Zur Erhaltung der sehr hohen historischen Aussagekraft des Raums sollten die historischen Kulturlandschafts­elemente in ihrer Substanz gesichert und ggf. erforderliche Instand­setzungsmaßnahmen ergriffen werden. Die Anschaulichkeit der historischen Aussagekraft von Bauwerken wie Schloss Seehof hängt nicht allein von der Erhaltung des Baubestandes ab, sondern kann in nicht unerheblichem Maß auch von der unmittelbaren Umgebung beeinflusst werden. Zum Beispiel kann die Ablesbarkeit des repräsentativen und herrschaftlichen Anspruchs einer solchen Anlage durch die Errichtung von Bauwerken im Nahbereich beeinträchtigt werden. Aus diesem Grund gilt es die Entwicklung im Wirkungsbezugsraum der Schloss- und Parkanlage in besonderer Weise auf die historische Bedeutung des Schlosses abzustimmen.

H 61.1
Der Kulturlandschaftsraum „Albvorland, Scheßlitz, Giechburg und Gügel“ soll in seiner sehr hohen historischen Aussagekraft und in seinem Bestand an zahlreichen bedeutenden und naturraumtypischen historischen Kulturlandschaftselementen erhalten bleiben.

Die an bedeutenden Altstraßen in einem Talkessel gelegene Stadt Scheßlitz und die am Westrand der Fränkischen Alb auf einer zeugenbergartigen Kuppe gelegene Giechburg sind Zeugnisse der kulturlandschaftlichen Erschließung des westlichen Oberfrankens durch die Andechs-Meranier, die bis zu ihrem Aussterben 1248 im Wettstreit mit dem Hochstift Bamberg standen. Durch einen Bergsattel von der Giechburg getrennt steht die katholische Filial- und Wallfahrtskirche St. Pankratius, genannt „Gügel“, die 1390 durch das Hochstift Bamberg anstelle einer alten Burg errichtet wurde. Giechburg und Gügel verdeutlichen durch ihre bauliche Ausformulierung und Gruppierung die territorialen Machtansprüche der Andechs-Meranier und des Hochstifts Bamberg in diesem Raum, die durch die exponierte Lage der Baukörper weit in das Albvorland hinausstrahlen. Durch die Gegenüberstellung der Bauten in der Landschaft wird das spannungsgeladene Verhältnis der ehemaligen Territorialmächte künstlerisch überhöht und assoziativ aufgeladen.

Ein über die beweidete Hochfläche führender Fußweg verbindet beide historischen Stätten miteinander. Zu der Wallfahrtskapelle führt ein von Scheßlitz aus kommender Kreuzweg mit zwölf Stationen. Am Westhang des Adelsholzes befindet sich der Judenfriedhof Zeckendorf, der in Sichtbezug zur Giechburg und zu Gügel steht.

Besonders hervorzuheben ist der Weiler Stammberg auf dem gleichnamigen Berg bei Scheßlitz, der 1799 durch das Hochstift Bamberg angelegt wurde, aber schon nach 50 Jahren wüst fiel und damit ein Lehrbeispiel verfehlter Siedlungspolitik darstellt.

Daneben sind weitere, kulturhistorisch bedeutsame Kulturlandschaftselemente wie z.B. das Heckengebiet im Tal des Pünzendorfer Baches, die Kalktuffbrüche Pünzendorf und Würgau, der Brunnensteig Peulendorf, die Kellergasse Köttensdorf oder die Chausseereste bei Würgau vorhanden.

Bei der weiteren Entwicklung der Kulturlandschaft sollte die Prägung durch den ehemaligen Einfluss der Andechs-Meranier einerseits und des Hochstifts Bamberg andererseits in besonderer Weise berücksichtigt werden.

H 72.1
Der Kulturlandschaftsraum „Altstadt Bamberg, Altenburg, Regnitztal“ soll in seiner sehr hohen historischen Aussagekraft erhalten bleiben.

Die geistliche Bergstadt, die bürgerliche Inselstadt und die bäuerliche Gärtnerstadt sind die Kernbereiche der mittelalterlichen Großstadt Bamberg, die durch die beiden Arme der Regnitz strukturiert wird. Die Stadt Bamberg als Siedlung ist wesentlich älter. 1007 wurde das Bistum Bamberg gegründet. Die im Bereich des Stadtdenkmals und Weltkulturerbes Bamberg tradierte Gesamtstruktur ist heute noch in Stadtgrundriss und Aufriss weitgehend erhalten, deren symbolische Gesamtordnung in der Form eines Kreuzes interpretiert werden kann mit den Kirchen St. Michael, St. Stephan, St. Gangolf, St. Jakob und dem Dom als Schnittpunkt des Kreuzes. Die Inselstadt, umrahmt durch die beiden Regnitzarme, wurde im 12. Jahrhundert mit einem Markt und einer vorstädtischen Siedlung gegründet. Die städtebauliche Anlage der bürgerlichen Inselstadt aus dem 17. Jahrhundert hat sich bis heute nahezu unverändert erhalten. Die Gärtnerstadt (Theuerstadt) spätmittelalterlicher Prägung hat mit den Gärtnerhäusern, Gemüsegärten und dem weiten offenen Gelände ihren Charakter bis auf den heutigen Tag bewahrt.

Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung ist die Verflechtung der historischen Weinbergslagen, der historischen Hopfengärten und Gemüsegärten wie auch der Friedhöfe, Garten- und Parkanlagen (Luisenhain, Botanischer Garten) mit den Siedlungskernen der Stadt Bamberg.

Die auf einer bewaldeten Rhätsandsteinkuppe gelegene ehemalige fürstbischöfliche Veste Altenburg (14. Jh., 19. Jh.) überragt den Westteil der Stadt Bamberg und steht in Blickverbindung mit der Domstadt.

Besonders hervorzuhebende historische Kulturlandschaftselemente sind außerdem der Spezi-Bierkeller, die Reste des Ludwig-Donau-Main-Kanals in Gestalt von Schleusenhäuschen und Wehranlagen sowie die Sternwarte.

H 75.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Altort Hallstadt, Gewannflur und Sonderkulturbau, Hallstadt-Kemmern, historische Weinbergslagen am Kreuzberg“ sollen insbesondere die historischen Flurformen mit landes- bis bundesweiter Bedeutung und die zahlreichen weiteren bedeutsamen historischen Kulturlandschafts­elemente in ihrer Substanz gesichert werden.

Die Fränkische Staatskolonisation nahm in Oberfranken im Maintal und im Regnitztal ihren Anfang und weist mit dem am Schnittpunkt alter Heerstraßen und Handelswege gelegenen Altort Hallstadt (karolingischer Königshof, später Kaiserpfalz Heinrich II.) einen der ältesten Orte Oberfrankens auf. Im Umfeld Hallstadts wurden viele Spuren jungsteinzeitlicher Siedlungen nachgewiesen. Zugleich gilt der Raum als ein herausragendes Zeugnis der fränkischen Landnahme.

Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gewannfluren um Hallstadt, Kemmern und Breitengüßbach sind von überregionaler, wenn nicht gar bundesweiter Bedeutung. Als die letzten ihrer Art in Oberfranken verdeutlichen sie das Bild eines Flurtyps mit Äckern, die in der Breite bisweilen weniger als 10 m messen, aber mehrere 100 m Länge aufweisen können. Gelegen im ältesten Siedlungsgebiet Oberfrankens gibt die Gewannflur Zeugnis für ehemals weit verbreitete historische Flureinteilungen. Nur aufgrund des Sonderkulturenanbaus konnten sie sich hier bis heute erhalten. Eine weitere Besonderheit sind die sog. Ackerberge an den Enden der Streifenfluren, die mit dem Wenden der Ackerpflüge am Parzellenende im Laufe der Jahrhunderte angewachsen sind.

Die historischen Weinbergslagen bei Dörfleins, der Wallfahrtsweg auf dem Kreuzberg und die Sommerkeller am Fuße des Sembergs mit der Ruine der Helenenkapelle runden das Bild dieser herausragenden Kulturlandschaft ab.

Der Ausbau der Verkehrs- und Gewerbeinfrastruktur, Sand- und Kiesabbau, hier zum Beispiel die Seenlandschaften bei Breitengüßbach sowie in jüngster Zeit durchgeführte „Renaturierungs- und Hochwasserschutzmaßnahmen“ haben teilweise bereits zu einer Neugestaltung der Kulturlandschaft geführt.

Der Kulturlandschaftsraum kann insbesondere aufgrund des Altortes Hallstadt und der noch erhaltenen Gewannflur als überregional, wenn nicht bundesweit bedeutsam eingestuft werden und soll daher – einschließlich der übrigen bedeutenden Kulturlandschaftsbestandteile – in seiner historischen Zeugniskraft dringend erhalten, gepflegt und behutsam entwickelt werden. Die traditionellen Nutzungsformen sollen möglichst beibehalten werden.

H 76.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Unterer Itzgrund, Baunachgrund, Stadt Baunach, Wiesenbewässerung“ soll insbesondere die Prägung als altes Siedlungsland in verkehrsgünstiger Lage mit einer traditionell hohen Bedeutung der Grünlandwirtschaft bewahrt werden. Dazu sollen die zum Teil einzigartigen Kulturlandschaftselemente wie z.B. Wiesenbewässerungs­anlage Baunach-Daschendorf in ihrer Substanz gesichert werden.

Am Randbereich des Bamberger Talknotens gelegen, zählen die Orte Baunach, Daschendorf und Rattelsdorf zu den ältesten Siedlungen in diesem Raum. Sie sind einer frühen Ausbauphase zuzuordnen, die wohl im 8. Jahrhundert die Talränder der großen Nebentäler des Maines besetzte. Im 19. Jahrhundert konnte sich aufgrund der guten Verkehrslage und der günstigen Erzeugungsbedingungen im Baunacher Raum eine stark marktorientierte Landwirtschaft etablieren. Die historische Kulturlandschaft um Baunach ist heute noch ein Spiegelbild dieser von der Landwirtschaft geprägten Entwicklung.

Mit der Ackerbürgerstadt Baunach einschließlich ihrer Kellergassen und Sommerkeller, den Wiesenbewässerungsanlagen Baunach-Daschendorf und Horlach-Auwiesen, den Ackerterrassen an der Haberleite bei Daschendorf, den historischen Weinbergs- und Hopfenlagen an den südwestorientierten Hängen des Kraiberges und dem Haufendorf Rattelsdorf mit einem gut erhaltenen historischen Ortskern und einer wertvollen Kellergasse weist der Baunacher Raum einzigartige Kulturlandschaftselemente auf, welche die Bedeutung der Agrarwirtschaft für diesen Raum bis heute ablesen lassen.

Ein herausragendes Beispiel für die Wiesenbewässerung ist die im 19. Jahrhundert gebaute Anlage im Raum Baunach-Daschendorf mit einer Größe von über 200 ha. Mitte der 1970er Jahre wurde die Bewirtschaftung aufgegeben. Dennoch kann in diesem Bereich die historische Landnutzungsform noch in herausragender Weise abgelesen werden. Stauwehre, Schleusen, Be- und Entwässerungsgräben sind noch vorhanden. Die Anlage gehört, wie auch die um Horlach-Auwiesen, zum Typ des Grabenstausystems, die nur auf genossenschaftlicher Basis betrieben werden konnte. Vergleichbar große und technisch aufwendige Anlagen gibt es in Franken nicht mehr. Der technische Zustand der Anlage ist noch als vergleichsweise gut zu bezeichnen.

Der Kraiberg, ein südöstlicher Ausläufer der Haßberge zwischen Baunach und Itz, wurde auf seinen südexponierten Hängen für den Anbau von Wein und Obst genutzt. Bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden am Kraiberg Weinberge angelegt. Bis ins frühe 19. Jahrhundert behielt der Weinbau in Baunach seine starke Bedeutung bei, wenngleich er ab Mitte des 18. Jahrhunderts schon vom Hopfenanbau bedrängt wurde. In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts wurde so der Weinbau in Baunach durch den rentableren Hopfenbau fast komplett abgelöst. Mit dem Hopfenanbau ging ein starker Aufschwung des Brauwesens in Baunach einher. Das Hausbrauwesen, das  den Bauern ermöglichte, ihr eigenes Bier zu brauen, ließ den Bedarf an geeigneten Lagerstätten entstehen. Damit wurde die Anlage von Felsenkellern forciert, die heute ein Charakteristikum des fränkischen Keupersandsteingebietes darstellen. Bevorzugte Standorte dieser Anlagen sind Hohlwege, die den Sandstein angeschnitten haben, oder Prallhänge von Bächen und Flüssen, an denen der Sandstein hervortritt. Die Hänge des Kraiberges als kulturhistorisch bedeutende ehemalige Wein- und Hopfenberge, heute mit Streuobst ausgestattet, mit den zahlreichen Hohlwegen und Ackerterrassen, prägen auf unverwechselbare Weise die Eigenart des Kulturlandschaftsraumes.

Hervorzuheben sind noch die Wurt (Wohnhügel) des ehemaligen Brückenzollhauses und der Chausseerest mit begleitender Pappelbepflanzung bei Baunach.

H 85.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Aurachtal, Trunstadt, Priesendorf, Lisberg, Walsdorf, Grasmannsdorf“ soll insbesondere die reichsritterschaftliche Prägung, die ihren Ausdruck in den zahlreichen, zum Teil seltenen historischen Kulturlandschafts­elementen findet, bewahrt werden.

Im Steigerwald brachte die territoriale Zersplitterung nach dem 30jährigen Krieg auf kleinstem Raum unterschiedliche Dorf- und Sozialstrukturen hervor, die bis heute nachwirken und teilweise sichtbar sind. Es handelt sich hierbei um einen Kulturlandschaftsraum, der insbesondere durch das kulturlandschaftliche Wirken verschiedener reichsritterschaftlicher Geschlechter geprägt wurde. Spuren dieser Geschichte sind z.B. die Blockgewannflur Lisbergs, die Baumfelder mit Feldhäuschen bei Priesendorf, die Gewannfluren von Walsdorf und Erlau, die Burg- und Schlossanlagen Lisbergs und Trabelsdorfs mit den zugehörigen Resten von Parkanlagen, das Crailsheimische Jägerhaus und das Amts- und Forsthaus in Walsdorf sowie die Tropfhäuser Priesendorfs und Lisbergs.

Walsdorf befand sich seit 1524 im Besitz der Freiherren von Crailsheim und war zugleich deren Herrschaftssitz und übernahm als altes Pfarrdorf und Sitz der Cent Hoheneich seit früher Zeit eine gewisse zentrale Funktion für das Umland. Die große jüdische Gemeinde mit ihrer Synagoge und die zahlreichen ansässigen Handwerker unterstützten diese Funktion.

Die auf einem Bergsporn gelegene Burg Lisberg aus dem 12. Jahrhundert liegt am Michelsberger Weg, einer Altstraße, deren Reste noch von Lisberg über Kolmsdorf durch den Weipelsdorfer und Michelsberger Wald bis nach Bamberg zu finden sind. Mit der „Hohen Straße“ Würzburg-Bamberg und dem Ampferbacherweg, der von Walsdorf aus in südwestlicher Richtung verläuft, liegen weitere Altstraßen von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung vor.

H 89.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Kloster Ebrach, Mittelebrach“ soll die klösterliche Prägung der Kulturlandschaft bewahrt werden. Dazu sollen insbesondere die historische Dorfstruktur, das historische Wegenetz und die zahlreichen historischen Kulturlandschaftselemente grundsätzlich in ihrer Substanz gesichert werden.

Die historische Kulturlandschaft „Klosterlandschaft Ebrach“ erstreckt sich im Naturraum des Steigerwaldes und umfasst Teile des Mönchsgaues als Zentralgebiet der einstigen Klosterherrschaft. Das 1127 gegründete Zisterzienserkloster Ebrach (ältestes rechtsrheinisches Kloster des Ordens) prägte die umgebende Landschaft über fast acht Jahrhunderte bis zu seiner Auflösung im Jahr 1802. Die klösterliche Prägung des Kulturlandschaftsraumes ist auf herausragende Weise ablesbar:

  • am Ensemble Ebrach mit dem Kloster Ebrach
  • dem Ebrach’schen Marktort und dem Verwaltungssitz des Klostergaus (Amtsschloss)
  • am ehemaligen Schloss der Ebracher Äbte in Burgwindheim
  • den ehemaligen Klosterdörfern Groß- und Kleinbirkach, Großgressingen mit der Wallfahrtskapelle St. Rochus mit Pestfriedhof und Siechenhaus südlich des Ortes
  • den Grangien Waldschwind und Winkelhof
  • der ehemaligen klösterlichen Schäferei in Oberweiler
  • an den Teichketten
  • der historischen Waldnutzung (Mittelwald) am Spitzenberg 
  • der historischen Weinbergslage „Lausbühl“ (mit Terrassenresten)

Von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung ist auch der Chausseerest westlich von Ebrach.

Die Dörfer Kehlingsdorf und Neudorf b. Ebrach sowie die partiellen Wüstungen Schmerb und Winkelhof (ehem. Grangie) liegen als Rodungsinseln im Wald und dokumentieren auf eindrucksvolle Weise die hochmittelalterliche Besiedlung der Höhenlagen des Steigerwaldes. Die zahlreichen Wüstungen im Kulturlandschaftsraum belegen den Konzentrationsprozess im Spätmittelalter, der zu Flurzusammenlegungen und zum Abbruch von Siedlungen führte. Die partielle Wüstung Schmerb ist ein Beispiel für die gelenkte Wiederaufforstung der historischen Flurlagen in den Steigerwaldhöhen durch den Bayerischen Staat im 19. Jahrhundert. Eine Besonderheit ist auch die Siedlung Kehlingsdorf, das 1585 als abgegangenes Dorf erwähnt wurde. Aufgrund des Bevölkerungswachstums im 18. Jahrundert im Steigerwald wurde Kehlingsdorf 1714 planmäßig wiederbesiedelt. Dabei wurde jedoch nicht mehr die gesamte alte Flur rekultiviert.

H 96.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Reiche Ebrach, Schönbornschloss Weißenstein und Altort Pommersfelden“ soll insbesondere die herrschaftliche Prägung durch das Residenzschloss Weißenstein nicht beeinträchtigt werden.

Der Marktflecken Pommersfelden entwickelte sich um das ehemalige Wasserschloss der Truchsesse von Pommersfelden, von dem noch Graben und Ringmauer am Ortsrand erhalten sind. Um den absolutistischen Herrschaftsanspruch des Fürstbischofs Lothar Franz von Schönborn und seine Würde als Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches auch baulich zu dokumentieren, ließ er in den Jahren 1711 bis 1718 Schloss Weißenstein errichten. Der prachtvolle barocke Schlossbau liegt auf einer Anhöhe südöstlich von Pommersfelden, von der aus sich der Schlosspark zum Dorf hin erstreckt. Schloss Weißenstein strahlt weit in die Landschaft aus und steht im gestalterischen Bezug zum Dorf Pommersfelden. Südlich und westlich des Schlossparks entstanden im 18. Jahrhundert kleinere Siedlungserweiterungen, die einer streng barocken Baulinie folgen. Der ursprünglich im französischen Stil angelegte Park wurde bis etwa 1830 in einen englischen Landschaftspark umgewandelt und erweitert. Zur Schlossherrschaft gehört eine ausgedehnte Land-, Forst- und Teichwirtschaft, welche die umgebenden Landschaftsräume zum Teil maßgeblich beeinflusste.

Zur Erhaltung der sehr hohen historischen Aussagekraft des Raums sollten die historischen Kulturlandschaftselemente in ihrer Substanz gesichert und ggf. erforderliche Instandsetzungs­maßnahmen ergriffen werden. Die Anschaulichkeit der historischen Aussagekraft von Bauwerken wie Schloss Weißenstein hängt nicht allein von der Erhaltung des Baubestandes ab, sondern kann in nicht unerheblichem Maß auch von der unmittelbaren Umgebung beeinflusst werden. Zum Beispiel kann die Ablesbarkeit des repräsentativen und herrschaftlichen Anspruchs einer solchen Anlage durch die Errichtung von Bauwerken im Nahbereich beeinträchtigt werden. Aus diesem Grund gilt es die Entwicklung im Wirkungsbezugsraum der Schloss- und Parkanlage in besonderer Weise auf die historische Bedeutung des Schlosses abzustimmen.

H 102.1
Bei der weiteren Entwicklung des überwiegend städtisch geprägten Kulturlandschaftsraumes „Altstadt Forchheim und Bürgerwald“ sollen insbesondere auch solche historischen Kulturlandschafts­elemente in ihrem Bestand gesichert werden, die über den stark baulich geprägten Denkmalbegriff nicht ausreichend erfasst werden, wie z.B. Altstraßen.

Verkehrsgunst, Wasserangebot, Klima und Bodengüte haben das Regnitztal zur ältesten oberfränkischen Siedlungslandschaft werden lassen. Forchheim geht dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit auf gelenkte Gründungen der Merowingerzeit zurück. Der Forchheimer Königshof wird in einer Urkunde Karls des Großen aus dem Jahr 805 erstmalig erwähnt. Forchheim spielte in der Siedlungs- und Verkehrspolitik Karls des Großen eine zentrale Rolle und entwickelte sich zu einem bedeutenden und reichen Handelsplatz. Von Forchheim ausgehend vollzog sich dann die Erschließung der Frankenalb. Mit der Gründung des Bistums Bamberg 1007 durch Kaiser Heinrich II. verlor der Königshof Forchheim allmählich seine überragende Bedeutung. 1062 fiel Forchheim schließlich an das Hochstift Bamberg. Ab dem 16. Jahrhundert wurde Forchheim zur bambergischen Sperrfestung gegen die Markgrafschaft und Reichsstadt Nürnberg ausgebaut.

Der Kulturlandschaftsraum weist zahlreiche Ensembles auf, welche die Geschichte der Stadt vom 8. bzw. 12. bis zum 19. Jahrhundert dokumentieren. Der im Osten der Stadt liegende Bürger- und Kellerwald mit seinen Keller- und Bierwirtschaften ist von herausragender kulturhistorischer Bedeutung. Der Kellerwald ist jedes Jahr im Juli Schauplatz des Anna-Festes, das zu den größten Volksfesten der Fränkischen Schweiz gehört.

Von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung ist außerdem der von Forchheim durch den Bürgerwald nach Serlbach verlaufende Zubringer zur früheren Weinstraße, der auf die einstige Bedeutung Bambergs als zentralen Umschlagplatz für den Osthandel verweist.

Der Kulturlandschaftsraum weist eine Vielzahl weiterer bedeutender historischer Kulturlandschaftselemente auf. Beispielhaft seien das Schleusenhaus 93 in der Bamberger Straße als Relikt des ehe­maligen Ludwig-Donau-Main-Kanals, die Eisenbahnbrücken der Ludwig-Süd-Nord-Bahn über den Trubach und über den Augraben (beide 1843), die Regnitzbogenbrücke mit Nepomuk und Marienstatue, die Fischkästen bei Wiesentstraße 12 u. 14, der Kratzersteinbruch nordöstlich Forchheims (fossile Tongrube) sowie zahlreiche Marter und Ruhsteine des 18. Jahrhunderts genannt.

H 103.1
H 108.1
Bei der weiteren Entwicklung der Kulturlandschaftsräume „Ehrenbürg, Untere Wiesent, Ehrenbachtal, Kirchehrenbach, Wiesen­bewässerung“ (H 103.1) und „Fränkische Schweiz, Untere Wiesent, Gößweinstein, Kuppenalb“ (H 108.1) soll die hervorragend erhaltene historische Kulturlandschaft mit ihrem Reichtum an bedeutenden historischen Kulturlandschaftselementen bewahrt werden. Dem hohen assoziativen Bedeutungsgehalt der Landschaft soll besondere Beachtung zukommen.

H 103.1: Verkehrsgunst, Wasserangebot, Klima und Bodengüte haben den Talraum der Wiesent mit zu einer der ältesten oberfränkischen Siedlungslandschaften werden lassen. Die zahlreichen Altstraßenreste im Kulturlandschaftsraum zeugen unter anderem von der einstigen Bedeutung Forchheims für die Erschließung des Albvorlandes und der Frankenalb im Zuge des karolingischen Landesausbaus.

Die Wiesenbewässerunsganlagen „Schäffert und Äuleinwiesen“ und „Mühl- und Aubergwiesen“ dokumentieren die Bedeutung der Grünlandwirtschaft in diesem Raum. Die beiden Anlagen besitzen eine lange Tradition, die im Falle der Mühl- und Aubergwiesenbewässerungsanlage nachweisbar bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zurückreicht.

Die ehemalige Mühle in Kirchehrenbach (um 1800) mit Wehr und Brücke sowie die Mühle in Mittelehrenbach aus dem 18./19. Jahrhundert, die noch ein Eisenrad besitzt, zeugen von der langen Tradition des Mühlengewerbes. Im 18. Jahrhundert setzte mit den Flussbaumaßnahmen der systematische Kopfweidenanbau im Wiesenttal ein. Vereinzelte Kopfweidenbestände sind heute noch vorhanden.

Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung ist das Ensemble Kirchehrenbach. Albrecht Dürer hat Kirchehrenbach mit der Ehrenbürg im Hintergrund im Jahre 1518 in der Radierung „Die große Kanone“ festgehalten. Dieser Raum besitzt somit auch eine sehr hohe assoziative Bedeutung.

Die Ehrenbürg hebt sich als Inselberg aus dem Fränkischen Stufenland hervor und beherrscht mit 532 m üNN den Talraum der Wiesent. Die mächtigen Ringwallanlagen aus der La-Tène-Zeit belegen, dass der Bergrücken der Ehrenbürg als Fliehburg befestigt worden war. Der den schwer zugänglichen Bergrücken umschließende Mauerring zählt zu den umfangreichsten Ringwallanlagen in Deutschland. Die Ehrenbürg diente als heidnische Kultstätte, im Mittelalter entwickelte sie sich zu einem christlichen Wallfahrtsziel. Im Volksmund wird die Ehrenbürg auch „Walberla“ genannt, nach einer der heiligen Walpurga geweihten Kapelle (St. Walburg) am Nordrand der Hochfläche aus dem 16./17. Jahrhundert. Am 1. Maisonntag des Jahres findet auf der Hochfläche der Ehrenbürg das „Walberlafest“ statt, ursprünglich die berühmte Walpurga-Wallfahrt, heute mehr ein fränkisches Volksfest. Der Ehrenbürg kommt in diesem Zusammenhang ein hoher Identifikationswert und assoziativer Bedeutungsgehalt zu. Von der Ehrenbürg eröffnet sich eine Sichtbeziehung zur Vexierkapelle bei Reifenberg.

An den Hängen der Ehrenbürg finden sich mit den Niederwaldresten, den Streuobstbeständen in Kombination mit den Ackerterrassen, großen Magerrasenkomplexen (Steintriftheiden) und ausgedehnten Heckenbeständen Relikte historisch-bäuerlicher Landnutzung von herausragender Bedeutung. An den Hängen des „Walberla“ gibt es auch noch verwilderte Weinreben, die vom ehemaligen Weinbau zeugen. Auch der langgestreckte Hang des Ortsteiles Reuth war ein bedeutender Weinberg gewesen.

Von besonderer charakteristischer Eigenart und kulturhistorischer Bedeutung sind die Streuobstflächen und Ackerterrassen an den Hängen des Ehrenbachtales zwischen Reuth und Unterweilersbach. Darüber hinaus ist im Gemeindewald von Kirchehrenbach und im Genossenschaftswald Mittelehrenbach die historische Mittelwaldnutzung noch ablesbar.

Weiterhin hervorzuheben sind:

  • das Schloss Wiesenthau als ein historischer Beleg für den Einfluss der Herren von Wiesenthau auf die Gestaltung des Kulturlandschaftsraumes
  • die zahlreichen Erd- und Felsenkeller (z.B. Kirchehrenbacher Lindenkeller), welche die Tradition des Hausbrau- und Lagerwesens in diesem Raum verdeutlichen
  • der Eisensandsteinbruch bei Mittelehrenbach am historischen Aufstieg nach Regensberg sowie der Branntkalkbruch oberhalb von Oberehrenbach als Dokumente der Gewinnung lokal verwendeter Baumaterialen

H 108.1: Gößweinstein ist einer der bekanntesten Wallfahrtsorte im fränkischen Raum. Seit dem 15. Jahrhundert verbindet sich mit dem Burgflecken eine Wallfahrt zur Hl. Dreifaltigkeit. Das Zentrum des Wallfahrtsortes bildet die barocke Wallfahrtsbasilika SS. Trinitatis von 1730-39 nach Plänen von Balthasar Neuman. Zum Wallfahrtsort Gößweinstein führen aus allen Richtungen Wallfahrtswege, die in großen Teilen als Feldwege erhalten und von vielen Flurdenkmälern gesäumt sind.

Allgemein hervorzuheben sind die zahlreichen Sakralbauten wie Kirchen, Kapellen, Wegkapellen, Feldaltäre, Marter, Ruhsteine in und außerhalb geschlossener Ortschaften, die auf die katholische Prägung und einstige Zugehörigkeit zum Hochstift Bamberg verweisen.

Die Burg und der Ort Gößweinstein werden 1076 erstmalig erwähnt. Im Bauernkrieg wurde die Burg zerstört, 1528 aber wieder aufgebaut. Nach 1890 ließ der damalige Besitzer Edgar von Schlern die Anlage im neugotischen Stil umbauen. Richard Wagner hielt sich oft in Gößweinstein auf. Die Gößweinsteiner Burg wurde in Anlehnung an die Gralsburg in Wagners „Parsifal“ umgebaut.

Auf der Albhochfläche hat sich durch die Zurückdrängung und Zersplitterung des Waldes eine kleinteilige Kulturlandschaft mit einem eng verzahnten Nebeneinander von Dolomitknocks, Lesesteinwällen, Hecken, Hutflächen, Ackernutzung und Bauernwaldparzellen gebildet. Viele dorfnahe Hecken mit Hasel und Hainbuche wurden niederwaldartig („bündla hacken“) genutzt, für Brennholz, Schneitlfutter oder als Grundstoff für das Handwerk. Eine weitere Besonderheit sind im Trockenwannensystem der Albhochfläche die amphitheaterartigen Talschlüsse mit ihren Ackerterrassen wie zum Beispiel westlich von Gößweinstein, bei Moritz oder in der Flur Hungenbergs.

Darüber hinaus sind erhalten:

  • wertvolle hoch- bzw. spätmittelalterliche Blockgemengefluren
  • zahlreiche Streckenabschnitte frühmittelalterlicher Altstraßen und hochmittelalterlicher Geleitstraßen von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung (schwerpunktmäßig in den Fluren Leutzdorf, Etzdorf, Türkelstein, Hartenreuth, Wichsenstein, Kleingesee)
  • Hüllweiher als Zeugen der einstigen Versorgung mit Brauchwasser auf der Frankenalb

Besonders hervorzuheben ist auch die Wirtshauslinde vor der Wichsensteiner Kirche. Hierbei handelt es sich um eine Tanzlinde, deren Krone von auf Sandsteinfundamenten stehenden Holzstützen getragen wird.

Die Höhlenforschung rückte das Wiesenttal und seine nähere Umgebung in den Blickpunkt des wissenschaftlichen Interesses der Forscher und damit einer interessierten Öffentlichkeit. Nach den Forschern und Bildungsreisenden kamen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts die Romantiker, welche die Karstlandschaft des Juras für sich entdeckten und in Dichtung, Reiselitereratur und Landschaftsmalerei festhielten und damit das Bild von der Fränkischen Schweiz schufen. Das Gebiet um das Wiesenttal wurde zum Inbegriff der „romantischen Landschaft“.

1841 wurde der Kurort Streitberg und 1857 der Kurort Muggendorf eröffnet. Beide erhielten eine verkehrstechnische Anbindung durch eine Nebenbahnstrecke. Eine wohlhabende städtische Bevölkerung errichtete sich in den Kurorten repräsentative Villen. Mehr und mehr entwickelte sich die Fränkische Schweiz zur Erholungs- und Freizeitlandschaft. Gößweinstein ist heute die bedeutendste Fremdenverkehrsgemeinde in der Fränkischen Schweiz.

Bis in das 13. Jahrhundert lässt sich das Vorkommen von Wassermühlen in der Fränkischen Schweiz zurückverfolgen. Noch um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert gab es über 200 Mahl- und Sägemühlen als auch Öl-, Hammer- und Pulvermühlen in der Fränkischen Schweiz. Die heute noch vorhandenen Mühlen stehen in dieser Tradition.

H 109.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Jura, Unteres Trubachtal, Pretzfeld, Egloffstein“ soll die hervorragend erhaltene historische Kulturlandschaft mit ihrem Reichtum an bedeutenden historischen Kulturlandschaftselementen bewahrt werden.

Das Trubachtal zählt neben dem Main- und Regnitztal zu den altbesiedelten Räumen Oberfrankens. Als Vorwerke der Festung Forchheim entstanden im Hochmittelalter zahlreiche Burgen wie Wannbach, Dietrichstein und Egloffstein, welche die Bedeutung der Reichsritterschaften bei der Erschließung des Raumes dokumentieren. Burg Egloffstein der Grafen und Freiherren von und zu Egloffstein, das Renaissance-Schloss in Pretzfeld, die Schlossanlage derer von Seefried in Hagenbach, sowie das Barockschloss der Freiherren von Pölnitz in Hundshaupten, dokumentieren die reichsritterschaftliche Vergangenheit. Egloffstein wie auch die auf der Jurahochfläche gelegenen Orte Bieberbach, Affalterthal, Hundshaupten, Hundsboden, Hetzelsdorf und Egloffsteinerhüll bilden eine kleinteilige Realteilungslandschaft reichsritterschaftlicher Prägung in Gestalt von Gewannfluren in Gemengelage.

Die jüdischen Friedhöfe in Hagenbach und in Pretzfeld sowie die ehemalige Mikwe in Preztfeld belegen die einstmalig in diesem Raum verankerte jüdische Tradition.

Von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung sind die zahlreichen Streckenteile frühmittelalterlicher Altstraßen, die den Radenzgau mit dem Bairischen Nordgau verbanden, außerdem erhaltene Abschnitte der Weinstraße, Zubringer zur Heerstraße sowie zahlreiche Teilstücke hochmittelalterlicher Geleitstraßen mit den Burgen an bedeutenden Schnittstellen.

Das Untere Trubachtal und seine Seitentäler wie z.B. das Urspringtal boten an den Talhängen ideale Bedingungen für den Weinbau und heute noch für den Kirschenanbau, der sich bis in das 12. Jahrhundert nachweisen lässt. In Pretzfeld, einem Hauptort des Kirschenanbaugebietes findet jährlich das Kirschenfest mit Umzug statt. Die Kirschenfestanlage mit 20 Felsenkellern findet sich am „Judenberg“.

Die ca. 5 ha große Wiesenbewässerungsanlage bei Hagenbach, die wie die Wässerwiesen bei Kirchehrenbach noch bewirtschaftet wird, dokumentiert auf herausragende Weise eine Nutzungsform, die prägend für das Obere Trubachtal und für das Wiesenttal ist. Relikte weiterer Wiesenbewässerungsanlagen finden sich mehrfach in diesem Kulturlandschaftsraum.

Im unteren Trubachtal gibt es eine ganze Reihe von Mühlen, die z.T. sogar noch in Betrieb sind und von der einstigen Bedeutung des Mühlengewerbes im Trubachtal zeugen

Der Bestand an historisch bedeutsamen Kulturlandschaftselementen in diesem Raum ist so vielfältig, dass ihre Nennung hier zu weit führen würde. Beispielhaft seien genannt:

  • Streuobst-Ackerterrassenbestände
  • Felsen- und Erdkeller
  • Hüllweiher
  • Lesesteinstrukturen
  • Hutweide

Gebiete besonderer Bedeutung für die Sicherung der Historischen Kulturlandschaft

H 01.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Frankenwald, Tettau“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der hochmittelalterlichen Rodungsfluren und der Relikte der Flößereiwirtschaft nicht beeinträchtigt werden.

Das Gebiet verdeutlicht in besonderer Weise die thüringische Besiedlung dieses Teils des Frankenwaldes. Hohe Bedeutung hat in diesem Zusammenhang vor allem die hochmittelalterliche Gelängeflur Langenaus. Die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Flößergewerbes, das über Jahrhunderte die Wälder und Gewässer des Frankenwaldes prägte, ist an den Relikten der Flößerei- und Holzwirtschaft im Tettau- und Langenautal ablesbar. Bei Alexanderhütte hat außerdem der historische Bergbau bis heute Spuren in der Landschaft hinterlassen. Kulturhistorisch bedeutend war auch die Glas- und Porzellanindustrie, deren Folgewirkungen noch an der Siedlungsstruktur zu erkennen sind. Historisch bedeutende Fabrikbauten existieren wohl keine mehr.

H 11.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Frankenwald, Kremnitztal, Wilhelmsthal, Friesen“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der hier sehr unterschiedlichen, charakteristischen Siedlungs- und Flurformen und der typischen Kulturlandschafts­elemente der historischen Flößereiwirtschaft nicht beeinträchtigt werden.

Die im Talraum der Kronach gelegenen Siedlungen Steinberg und Friesen sind besondere Beispiele für die Besiedlung des Vorlandes des Frankenwaldes. Der Ort Friesen, dessen Gründung wohl ins Frühmittelalter zu datieren ist, besitzt eine hochmittelalterliche Gewannflur von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung. Die planmäßige Besiedlung der Höhenlagen des Frankenwaldes in der frühen Neuzeit ist an den Streusiedlungen Bärengrund, Trebesberg, Roßlach, Tempenberg, Tiefenbach, Kämmerlein und Eibenberg auf besondere Weise ablesbar. Das Dorf Wilhelmsthal wurde in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegt und zeigt in seiner Namensgebung den barocken Gründerstolz an. Der Ort ist mit seiner Hanglage auch ein Beispiel überzogener Siedlungspolitik der Ritterschaft.

Die Flößereiwirtschaft führte zum funktionsgerechten Umbau der Wälder, Flüsse und Bäche, der in den Talräumen der Kronach und der Floßbäche Teuschnitz, Kremnitz, Grümpelbach und Remschlitz mit der historischen Wiesennutzung einherging. Mit dem Flößerort Friesen und dem Floßteich nördlich Posseck sind weitere Kulturlandschafselemente hoher Zeugniskraft gegeben.

Die Streusiedlungen mit ihren noch nicht flurbereinigten Gemarkungen als auch die Relikte der Flößerei sind von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung.

Renaturierungsmaßnahmen an den ehemals flößereiwirtschaftlich genutzten Gewässern sollten, sofern beabsichtigt, nur in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege vorgenommen werden. Zusätzlich gilt es Aufforstungen in den Talwiesen zu verhindern.

H 13.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Frankenwald, Geuser Berg, Geuser, Dörnach“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der hochmittelalterlichen Rodungsfluren, des Heckengebiets bei Geuser und der Relikte der Flößereiwirtschaft nicht beeinträchtigt werden.

Das Gebiet verdeutlicht am Beispiel der Rodungsflur Geuser in besonderer Weise die planmäßige Besiedlung der Höhenlagen des Frankenwalds im Spätmittelalter. Besonders hervorzuheben ist das Heckengebiet (Vogesen-Mittelgebirgsrosen) bei Geuser. Die Orte Dörnach, Forstloh und Mittelberg sind Beispiele für frühneuzeitliche Streusiedlungen, die auf reichsritterschaftliche Initiative hin entstanden.

Neben den historischen Rodungsfluren hat die historische Forst- und Flößereiwirtschaft den Kulturlandschaftsraum am tiefgreifendsten geprägt. Die Fichtenwälder der Höhenlagen und steilen Talhänge sind das Ergebnis der Umwandlung des laubbetonten Mischwaldes hin zu einem Fichten- und Tannenwald und dienten der Holzproduktion für die Flößereiwirtschaft. Ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die schnellwüchsige, ertragreiche und sehr gut flößbare Fichte zur beherrschenden Baumart. Die Flößerei führte außerdem zum funktionsgerechten Ausbau der Fließgewässer, wie z.B. der Wilden Rodach und des Lamitzbaches. Mit dem Gewässerausbau war auch die Wiesennutzung der Tallagen verbunden. Den prägenden Einfluss der Flößerei auf die Gewässer zeigt bis heute auf hervorragende Weise der Lamitzbach, der vom Floßteich Lamitz (Lkr. Hof) bis zur Mündung in die Wilde Rodach noch weitgehend den Zustand eines ausgebauten und begradigten Floßbaches mit Sohlschwellen und Uferbefestigungen zeigt.

Renaturierungsmaßnahmen an den ehemals flößereiwirtschaftlich genutzten Gewässern sollten, sofern beabsichtigt, nur in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege vorgenommen werden. Zusätzlich gilt es Aufforstungen in den Talwiesen zu verhindern.

H 14.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Frankenwald, Mitwitzer Wustungen, Mitwitz“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der typischen Streusiedlungen und Teichketten nicht beeinträchtigt werden.

Der Kulturlandschaftsraum verdeutlicht auf besonders eindrucksvolle Weise die reichsritterschaftlich forcierte Erschließung des Gebietes um den kleinen ritterschaftlichen Residenzort Mitwitz.

An den Streusiedlungen, den sog. Wustungen (Reuter-, Bätzen-, Bohls-, Hütten-, Dicken-, Anger-, Schnitzers-, Schaumbergs-, Veiten- und Haderleinswustung), ist die landwirtschaftliche Erschließung der kargen Buntsandsteingebiete im Spätmittelalter bzw. der Frühen Neuzeit ablesbar. Die naturräumliche Ungunstlage in der Buntsandsteinhöhenlage (sandige, nährstoffarme Böden) bedingte die extensive Bewirtschaftung großer Flächen und damit die Anlage von Einödhöfen.

Die höher gelegenen, sehr trockenen Böden mit Kiefernbestockung wurden überwiegend als Weideland genutzt, was die Wacholderbestände belegen. In den sumpfigen Mulden und Niederungen legte man Teiche an, die vor allem zur Fischzucht, insbesondere zur Karpfenzucht genutzt wurden. Mit den zahlreichen Teichketten (z.B. Reginasee, Pfadensee und Schnitzersteich, Oberes und Unteres Keilstöcklein, Schönenseebacher Teiche, Breitensee, Hummenbergsee) und den verlandeten Teichen in der Föritzau liegen charakteristische Kulturlandschaftselemente vor, die von der historischen Bedeutung der Fischzucht zeugen und den Landschaftsraum auf unverwechselbare Weise prägen.

Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung sind das Wasserschloss und das Obere Schloss in Mitwitz, beide mit Parkanlagen. Das Wasserschloss Mitwitz, eine barockisierte Renaissance-Anlage, gilt als eine der bedeutendsten Wasserburgen Frankens.

H 15.1
H 20.1

Bei der weiteren Entwicklung der Kulturlandschaftsräume „Streusied­lungen Gehülz - Haßlacher Berg“ (H 15.1) und „Streusiedlungen Mostrach, Kaltbuch, Waldbuch, Staibra, Horlachen“ (H 20.1) soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der typischen Streusiedlungen als Dokumente frühneuzeitlicher Erschließung agrarischer Ungunsträume nicht beeinträchtigt werden.

Die mit geringer Siedlungsgunst ausgestatteten Buntsandsteinlandschaften sind die am spätesten erschlossenen Räume Oberfrankens. Zu Beginn der Frühen Neuzeit führte ein erneutes Bevölkerungswachstum zu Neurodungen in diesen Ungunsträumen, die jedoch nicht mehr die Dynamik der vorangegangenen Rodungsperioden erreichten. Kennzeichnend für die mangelnde Kraft des Siedlungsvorganges ist die Verwendung des Einzelhofes als Leitform der Besiedlung. Träger der Siedlungen waren die kleinen Herrschaften der Ritter, die versuchten ihre Kleinstterritorien zu verdichten.

Im Raum „Streusiedlungen Gehülz-Haßlacher Berg“ dokumentieren die Streusiedlungen Dobers­grund, Gehülz, Kestel, Poppenhof, Rotschreuth, Unterbreitenloh, die im 16. – 18. Jahrhundert gegründet wurden, diese Siedlungsepoche auf besondere Weise. Dasselbe gilt für die Streusiedlungen Mostrach, Kaltbuch, Waldbuch, Staibra und Horlachen in dem nach ihnen benannten historischen Kulturlandschaftsraum. In letzterem Fall ist der Rodungscharakter der Landschaft besonders klar erkennbar. Aufgrund der hohen kulturhistorischen Bedeutung und der besonderen Anschaulichkeit sollten in diesen Rodungsfluren auch die historischen Flurformen und Wegesysteme erhalten bleiben.

Als Besonderheit des historischen Kulturlandschaftsraums Nr. 15 („Streusiedlungen Gehülz-Haßlacher Berg“) sind die zahlreichen kleinen Sandsteinbrüche, die am Rodachhang gehäuft auftreten, eigens zu erwähnen. Der hier gebrochene Sandstein wurde unter anderem als Baumaterial für die Festung Rosenberg in Kronach verwendet. Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung ist außerdem die Heunischenburg

Im historischen Kulturlandschaftraum Nr. 20 („Streusiedlungen Mostrach, Kaltbuch, Waldbuch, Staibra, Horlachen“) ist insbesondere der gepflasterte Altstraßenrest, der nach Mostrach führt, hervorzuheben.

Zur Erhaltung der wesentlichen Gestaltmerkmale des gepflasterten Altstraßenrestes nach Mostrach sollte dieser in seinem Bestand gesichert und von einer nachträglichen Versiegelung freigehalten werden.

H 23.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Rodachtal, Redwitz a.d. Rodach, Küps, Ebneth, Weißenbrunn“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der reichsritterschaftlichen Schloss- und Parkanlagen sowie der Relikte der historischen Flößereiwirtschaft nicht beeinträchtigt werden.

Der Kulturlandschaftsraum erstreckt sich in weiten Teilen über das ehemalige Herrschaftsgebiet des Ritterkantons Gebirg (außer den Gemarkungen Wildenberg und Kirchlein). Die reichsritterschaftliche Prägung dieses Raumes lässt sich heute noch an Schlössern mit Parkanlagen, Gutshöfen und den Dörfern ablesen. Besonders hervorzuheben sind die Orte Ebneth und Küps mit ihren Gutssitzen und Schlössern, die Schloss- und Parkanlage in Nagel und das neugotische Schloss in Oberlangenstadt mit seiner Parkanlage im landschaftlichen Stil, die sich zwischen der Rodach und dem Mühlgraben auf einer Insel erstreckt, heute aber teilweise aufgeforstet ist. Eine Allee verbindet die Orte Oberlangenstadt und Nagel, wobei der Abschnitt zwischen Nagel und dem Hauptbahnhof mit Edelhölzern (Kastanie, Linde) besonders prächtig ausgebildet ist. Im Ort Nagel gibt es außerdem eine bedeutende Tropfhausgasse, welche die dichte Besiedelung der ehemals reichsritterschaftlichen Territorien anschaulich dokumentiert. Als Reaktion auf die wirtschaftliche Situation in den z.T. überbevölkerten Dörfern entwickelte sich die Korbmacherei zu einem wichtigen außerlandwirtschaftlichen Erwerbszweig. Kopfweiden, ehemals benötigt zur Gewinnung von Flechtmaterial, sind landschaftliche Hinterlassenschaften dieser Handwerkstradition. Den wenigen noch verbliebenen Kopfweidenbeständen bei Küps kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu.

Mit dem Trommelwehr in Küps besteht zudem noch ein herausragendes Kulturlandschaftselement als Dokument der historischen Flößereiwirtschaft, die auch diesen Raum entscheidend mitprägte. Der Ebnether Sommerkeller ist ein weiteres Kulturlandschaftselement von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung.

H 25.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Coburger Land, Steinachtal, Neustadt b. Coburg“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte in Form der Kulturlandschaftsrelikte der sehr unterschiedlichen historischen Herrschafts- und Nutzungseinflüsse – hier in räumlichem Bezug zur Stadt Neustadt b. Coburg – nicht beeinträchtigt werden.

In der Siedlungsgeschichte des Raums überlagern sich thüringische, fränkische aber auch slawische Einflüsse. 1858 erfolgte der Anschluss der Stadt Neustadt b. Coburg an die Eisenbahnlinie Coburg-Sonneberg, welche die Voraussetzung für die darauf folgende Stadterweiterung war. Mit villenartiger Bebauung, ansässigen Spielwarenfabriken sowie dem östlich annden Erholungswald Muppberg mit dem Prinzregententurm von 1904/05 und einer Ausflugsgaststätte weist die Stadt mit ihrem Umland historische Kulturlandschaftselemente auf, die das bürgerliche Stadtleben des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts dokumentieren. Der Floßgraben nordöstlich von Neustadt b. Coburg stellte die Verbindung zwischen dem Thüringer Wald mit seinen reichen Holzbeständen und dem Abnahmezentrum in der Residenzstadt Coburg her. Gewannflurreste bei Meilschnitz und Wildenheid, Teichketten, historisch bedeutende Wiesen, Heckengebiete und Steinbrüche sind weitere historische Kulturlandschaftselemente dieses Raums, die sich durch eine besondere historische Aussagekraft auszeichnen.

H 27.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Coburger Land, Rodungssiedlungen Brüx, Höhn, Weimersdorf, Rüttmannsdorf“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der weilerartigen Siedlungs­anlagen sowie der Teichketten bei der Kaulbergquelle und im Thanner Grund nicht beeinträchtigt werden.

Die im Brüxener und Mönchrödener Forst gelegenen weilerartigen Siedlungen Brüx, Höhn, Rüttmannsdorf und Weimersdorf verdeutlichen an Hand der charakteristischen Siedlungsform auf besondere Weise die Erschließung der kargen Buntsandsteingebiete. Die Ortsnamen deuten darauf hin, dass die Höhenlagen bereits im 10. Jahrhundert erschlossen worden sein müssen. Die den Kulturlandschaftsraum rahmenden Waldgebiete Brüxener und Mönchrödener Forst weisen mit der Teichkette bei der Kaulbergquelle und im Thanner Grund historische Kulturlandschaftselemente von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung auf. Tiefgreifende Umgestaltungen in Form von Flurneuordnungen haben in diesem historischen Kulturlandschaftsraum bisher nicht stattgefunden.

H 28.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Coburger Land, Froschgrund (Itztal), Weißenbrunn“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der Hecken- und Obstbaumstrukturen im Muschelkalkzug und der Mühlenkette im Talraum sowie der Schloss- und Parkanlage Weißenbrunn nicht beeinträchtigt werden.

Auf dem Muschelkalkzug zwischen Weißenbrunn v. Wald und Fornbach hat sich eine Agrarlandschaft mit eingestreuten Hecken- und Obstbaumstrukturen ausgebildet, die den Kulturlandschaftsraum in den Höhenlagen unverwechselbar prägt. Das ehemalige Gut Gereuth dokumentiert die landwirtschaftliche Nutzung der kargen Buntsandsteinböden. Das zweite prägende Teilgebiet des Kulturlandschaftsraums ist der Froschgrund, der sich durch ausgedehnte Wiesen, die aufgereihten Siedlungen sowie durch die Stauwehre und seine Mühlenkette auszeichnet. Letztere bezeugt die einstige wirtschaftliche Bedeutung des Mühlengewerbes im Froschgrund.

Das Straßendorf (mit Erweiterungen) Weißenbrunn v. Wald zeigt ein herausragendes Ortsbild, das u.a. durch Bausubstanz des 18. und 19. besonders geprägt wird. Mit dem Neuen Schloss, das Ende des 18. bzw. Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet wurde, und der zugehörigen Parkanlage besitzt der historische Kulturlandschaftsraum eine weiteres Kulturlandschaftselement von herausragender Bedeutung.

H 30.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Coburger Land, Lautertal, Taimbacher Forst“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der Relikte bäuerlicher Waldnutzung und der ehemaligen Schafhutung am Lauterberg mit ihren zahlreichen Hecken nicht beeinträchtigt werden.

Die Tallagen des historischen Kulturlandschaftsraums sind durch Flurbereinigungen älteren Datums tiefgreifend umgestaltet worden und weisen nur noch wenige historische Kulturlandschafts­elemente auf. Die ehemalige Forstamtsaußenstelle Taimbach des Coburger Herzoghauses, die als Rodungsinsel im Taimbacher Forst eingebettet ist, dokumentiert die landwirtschaftliche und forstliche Nutzung des kargen Buntsandsteinrückens, der sich östlich des Talraumes erhebt. Im Taimbacher Forst finden sich auch historische Sandsteinbrüche.

Mit der ehemaligen Mittelwaldnutzung am Lauterberg bei Oberlauter und am Hühnerberg bei Tiefenlauter haben sich noch ablesbare Relikte der bäuerlichen Waldnutzung erhalten. Besonders hervorzuheben ist außerdem die Ruine Lauterburg. Westlich des Lauter- und des Rottenbachs zieht sich die Karstlandschaft der Langen Berge entlang, deren Höhenlagen in weiten Teilen durch Schafe beweidet wurden. Mit der ehemaligen Schafweide und Heckenlandschaft am Lauterberg, bis zur Wende noch als Truppenübungsplatz genutzt, ist noch ein herausragendes Beispiel dieser ehemaligen Landnutzungsform auf dem Muschelkalkzug erhalten geblieben.

H 31.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Coburger Land, Lange Berge, Coburger Landeskultur-Land­schaft“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der Relikte der preußischen Landeskulturverfahren (Parzellenstruktur und Wegenetz), der Nieder- und Mittelwälder, Alleen, charakteristischen Siedlungs­anlagen und Schlösser nicht beeinträchtigt werden.

Der Muschelkalkzug der Langen Berge wird überwiegend durch die agrarische Landnutzung der tonig-mergeligen Kalkscherbenböden geprägt. Das Realteil-Erbrecht hatte in der heutigen Gemeinde Meeder und in den Gemarkungen der Stadt Bad Rodach eine kleinteilig strukturierte Landschaft hervorgebracht, die in den ersten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts im Zuge der preußischen und coburgischen Landeskulturverfahren durch einen rasterartigen Felderteppich in der Größe von 1 - 2 ha und später von 3 - 4 ha abgelöst wurde. Als weiteres Ergebnis kam ein neues Flurwegenetz dazu. Eine Besonderheit dieses Kulturlandschaftsraumes ist die Ahornallee zwischen Ottowind, Ahlstadt und Grattstadt, die wohl in dieser Zeit angelegt worden ist. Die Prägung der Landschaft durch die Landeskulturverfahren ist auch in den Teilbereichen in ihrer Grundstruktur erhalten geblieben, die in späterer Zeit einer Zweitbereinigung unterzogen wurden.

Besonders markant sind auch die großen Scheunen, welche die Siedlungen umringen und das historische Ortsbild der Dörfer prägen. Sie sind nicht zuletzt ein Dokument für die Bedeutung der Landwirtschaft in diesem Raum. Beispiele hierfür sind die Siedlungen Ahlstadt, Ottowind oder der Weiler Herbartsdorf (Meeder). Obstbäume finden sich an Höhenkanten oder als Straßenmarkierung, als Feld- oder Grundstücksabgrenzung oder als Baumgärten um die Dörfer. Mit den Mittelwäldern Salzberg und Heugrund, sowie den Nieder- und Mittelwaldbeständen bei Ahlstadt und Grattstadt sind Zeugnisse bäuerlicher Waldnutzungsformen gegeben, die heute sehr selten geworden sind. Mit der Wacholderheide Sennigshöhe liegt ein charakteristisches Kulturlandschaftselement der Karstlandschaft vor, das durch die Schafbeweidung entstanden ist.

Besonders hervorzuheben ist noch das ehemalige Wasserschloss Moggenbrunn aus dem 16. Jahrhundert, das 1722/25 erneuert wurde. Zu dem Schloss gehört auch eine kleine Parkanlage.

H 32.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Coburger Land, Coburger Landeskultur-Landschaft, Oberes Rodachtal, Rodach b. Coburg“ soll die Ablesbarkeit der Besonderheiten der Herrschafts- und Siedlungsgeschichte z.B. in Form des Ensembles Bad Rodach, des Straßendorfs Wiesenfeld und der Gutshöfe nicht beeinträchtigt werden. Die Relikte der Korbflechterei (Kopfweiden) sowie die Prägung der Landschaft durch die preußischen Landeskulturverfahren (Parzellen­struktur und Wegenetz) sollen erhalten werden.

Das Realteil-Erbrecht hatte im Coburger Land eine kleinteilig-strukturierte Landschaft hervorgebracht. In der Gemeinde Meeder und in den Gemarkungen der Stadt Rodach wurde diese kleinteilige Landschaftsgliederung in den ersten vier Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts im Zuge der preußischen und coburgischen Landeskulturverfahren tiefgreifend umgestaltet. Das Ergebnis war eine rasterartige Flurparzellierung und ein ebensolches Flurwegenetz. Die Größe der neugeschaffenen Parzellen betrug anfangs 1 – 2 ha, später 3 - 4 ha. Die Prägung dieser Teilräume  durch die Landeskulturverfahren ist auch dort in ihrer Grundstruktur erhalten geblieben, wo in späterer Zeit Zweitbereinigungen durchgeführt wurden.

Obstbäume an den Höhenkanten, als Straßenmarkierung, als Feld- oder Grundstücksabgrenzung oder als Baumgärten um die Dörfer gliedern den Kulturlandschaftsraum.

Die Dachformen der großen Scheunen in Moggenbrunn, Meeder, Heldritt und im Straßendorf Wiesenfeld prägen das Orts- und Landschaftsbild. Die Größe der Scheunen im Allgemeinen, die Domäne in Öttinghausen sowie die ehemaligen Gutshöfe Heldritt, Schweighof, das Gut Birkenmoor und Kleinwalbur zeugen von der traditionell hohen wirtschaftlichen Bedeutung der Landwirtschaft in diesem Raum. Ein weiteres Charakteristikum dieser Kulturlandschaft sind die Schlösser in Gauerstadt und in Meeder (Sternbergschloss, ehem. Wasserburg, 17. Jh.; Oberes Schloss, 18., 19. Jh.).

Die Talräume der oberen Rodach z. Itz und ihrer Zuflüsse dienen traditionell der Wiesennutzung und zeichnen sind durch eine parkartige Landschaft aus. Charakteristische Elemente sind die Kopfweiden zwischen Gauerstadt und Niederndorf, sowie die Kopfweiden bei Schweighof und Heldritt, die auf die ehemalige Bedeutung der Korbflechterei in diesem Raum hinweisen.

Besonders hervorzuheben ist das Ensemble Bad Rodach als planmäßig angelegte städtische Siedlung des 13. Jahrhunderts. Mit dem Ausbau zur kursächsischen Landesfestung 1531, erhielt die Stadt ihren charakteristischen Mauerring. Die Bürgerhäuser des 18. und 19. Jahrhunderts prägen auch die südliche und westliche Vorstadt.

H 34.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Coburger Land, Weitramsdorf, Weiler Schlettach“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der besonderen Siedlungs- und Flurformen (v.a. Weiler Schlettach), der Teichkette im Langer Grund und der Gewannflurreste bei Weitramsdorf und Scheuerfeld nicht beeinträchtigt werden.

Herausragendes Element dieses Kulturlandschaftsraums ist der Weiler Schlettach mit seinem Weißdorneinfriedungshecken und dem umgebenden Streuobstgürtel. Die Ortschaft liegt als Rodungssiedlung eingebettet zwischen dem Ummerstädter Wald und dem Callenberger Forst. Mit der Teichkette im Langer Grund weist der Kulturlandschaftsraum ein weiteres charakteristisches und kulturhistorisch wertvolles Kulturlandschaftselement des Sandsteinkeupergebiets auf. Von besonderer Bedeutung sind außerdem die Gewannflurreste bei Weitramsdorf und Scheuerfeld.

H 35.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Tambach, Langheimer Klosterdörfer, Hohenstein“ sollen die landschaftlichen Zeugnisse der ehemals klösterlichen Prägung, insbesondere im Bereich der Klosterdörfer, sowie des ritterschaftlichen Einflusses nicht beeinträchtigt werden.

Das Gebiet verdeutlicht auf besondere Weise das Wirken des Klosters Langheim in diesem Raum. Die Ende des 17. und 18. Jahrhunderts residenzartig ausgebaute Grangie (= klösterlicher Wirtschaftshof) Tambach legte den Grundstock der Erwerbspolitik des 1132 gegründeten Klosters. Den Schwerpunkt des Besitzes bildeten die „sieben Mönchsdörfer“ Neundorf, Altenhof, Witzmannsberg, Krumbach, Oberelldorf, Rothenberg und Autenhausen mit Tambach als klösterliches Verwaltungszentrum. Die im Eigenbau betriebene Grangie Tambach brachte eine Großfelderwirtschaft in der ehe­mals kleinteilig geprägten Ackerlandschaft hervor. Die Wirtschaftsländereien, die Mühle, die Tambacher Teichkette und die historische Weinbergslage „Weinbergshut“ dokumentieren auf besondere Weise die Kulturlandschaft schaffende Kraft des Klosters Langheim. Die Forstbezeichnung Mönchswald mit den Waldabteilungen Wildpark und Tiergarten lässt eine intensive klösterliche Prägung vermuten, die im Zusammenhang mit der „Residenz“ Tambach zu sehen ist. Nach der Säkularisation ging die Anlage an Ortenburg über und wurde weitergeführt.

Ein weiteres Charakteristikum für diesen Kulturlandschaftsraum bilden die reichsritterschaftlichen Enklaven Gemünda und Hohenstein, die in das langheimische Klosterland eingestreut sind. Mit dem historisch bedeutenden Ort Gemünda i. OFr. ist ein wertvolles Zeugnis des reichsritterschaftlichen Wirkens in diesem Raum gegeben. Besonders hervorzuheben ist das auf einer weithin sichtbaren Anhöhe im Hohensteiner Forst gelegene Schloss Hohenstein mit seiner Parkanlage im landschaftlichen Stil. Im umgebenden Raum verteilen sich bewaldete Hangkuppen, die als „Clumps“ insgesamt den Eindruck einer Parklandschaft vermitteln. Die ehemaligen Schäfereien in Schorkendorf und Ahorn runden das historische Bild der Feudallandschaft ab. Der Schafhof Ahorn wird heute als Bauernmuseum genutzt.

Ein 2,4 km langer von Kastanien bestandener Kutschweg führt vom Schloss Hohenstein zur B 303. Die Trassenführung verläuft teilweise auf der Wegstrecke des ehemaligen Amtsbotenweges der von Coburg über Schloss Callenberg, Schloss Ahorn, Schloss Tambach und Seßlach nach Königsberg führte.

Besonders hervorzuheben sind noch der jüdische Friedhof bei Autenhausen des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts sowie die Ruine einer Mikwe in Autenhausen aus dem 18./19. Jahrhundert als Zeugnisse der jüdischen Geschichte in diesem Raum.

H 36.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Rodachtal, Seßlach“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der historischen Dorf- und Stadtanlagen sowie der Schlösser Geiersberg und Wiesen nicht beeinträchtigt werden.

Die landwirtschaftliche Nutzung bestimmt das Erscheinungsbild des historischen Kulturlandschaftsraums. Besonders markant sind die Scheunen, welche die Siedlungen umringen und das historische Ortsbild der Dörfer wie auch der Ackerbürgerstadt Seßlach prägen. Durch das Schutzbedürfnis der Bauern nach dem 30jährigem Krieg wurden innerhalb der Stadtmauer Seßlachs auf engstem Raum, Höfe mit Scheune, Stall, Wohnhaus und Zufahrt angeordnet. Der Typ des Ackerbürgerhauses entstand. 

An der Stadt Seßlach mit ihrem mittelalterlichen Mauerring und insbesondere an Schloss Geiersberg (17.-19. Jh., mit Parkanlage) sowie am Schloss in Wiesen (16. Jh.) lässt sich auf besondere Weise die kulturlandschaftliche Prägung durch das ehemalige Hochstift Würzburg ablesen. Der Bürgerwald bei Seßlach, der heute als Naherholungsgebiet genutzt wird, verweist mit der Mittelwaldnutzung und den historischen Ackerlagen auf die ehemalige waldbauliche und landwirtschaftliche Nutzung der Feuerletten- und Liasböden.

H 37.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Coburger Land, ‚An den Eichen‘, Eigensdörfer Neuses a.d. Eichen, Watzen­dorf, Gossenberg“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der sog. „Eigensdörfer“ Neuses a.d. Eichen, Watzendorf und Gossenberg sowie der Wallfahrtskirche in Watzendorf nicht beeinträchtigt werden.

Die Dörfer Neuses a.d. Eichen, Watzendorf und Gossenberg tragen den Namen „Eigensdörfer“. Diese Bezeichnung verbriefte das Recht auf die eigene Gerichtsbarkeit, die an der Gerichtseiche bis zur Zeit des 30jährigen Krieges vollzogen wurde. Diese stand in der Ödung Thiereller bei Watzendorf, der somit als historisches Kulturlandschaftselement eine besondere Bedeutung zukommt. Die Eigensdörfer trugen Sorge für die Verpflegung und Unterkunft des Kaisers Heinrich II. und seines Gefolges, wenn dieser nach Watzendorf zur Wallfahrtskirche „Heilige Maria“ pilgerte. In diesem Zusammenhang kommt den „Eigensdörfern“ und der Wallfahrtskirche auch ein hoher assoziativer Bedeutungsgehalt zu.

Die Streuobstwiese bei Neuses a.d. Eichen ist als markantes historisches Kulturlandschaftselement eigens zu erwähnen.

H 38.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Coburger Land, Itzgrund“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form des noch weitgehend erhaltenen traditionellen Nutzungsmusters sowie der Relikte der Korbflechterei, des Mühlenwesens und der Wiesenbewässerung nicht beeinträchtigt werden.

Der Itzgrund wird noch weitgehend durch das traditionelle Nutzungsmuster geprägt. Am Ort Großheirath ist auf besondere Weise der für den weiteren Itzgrund charakteristische örtliche Wechsel geistlicher und weltlicher Herrschaftsbereiche ablesbar. Geprägt wurde der Raum durch das Herzogtum Sachsen-Coburg. Besonders hervorzuheben sind die historisch bedeutenden Orte Scherneck, Ziegelsdorf, Buchenrod und Rossach sowie die Schloss- und Parkanlagen in Niederfüllbach (reichsritterschaftlich, bez. 1680, im 19. Jh. erweitert mit Schlosspark von 1820), Scherneck (Ende 18. Jh., Schlossgarten mit Terrassen), Ziegelsdorf (1895 und zugehöriger Gutshof), Untersiemau (Oberes und Unteres Schloss) und die Gutsanlage Finkenau.

Das Realteil-Erbrecht hatte im Itzgrund eine kleinteilig strukturierte Landschaft hervorgebracht. Reste der historischen Gewannflurstrukturen haben sich bei Scherneck erhalten. Kopfweidenbänder prägen das Erscheinungsbild der Landschaft und verweisen auf die ehemalige Bedeutung der Korbflechterei im Itzgrund. Charakteristisch für den Itzgrund sind auch die Wässerwiesen, die eine ertragreiche Grünfutterproduktion ermöglichten. Reste von Wiesenbewässerungsanlagen mit Stauwehren, Be- und Entwässerungsgräben sind 4 km südlich von der Stadt Coburg bis zur bambergischen Landkreis zu finden.

Wegen des häufigen Hochwassers im Itztal finden sich die Siedlungen auf den hochwassersicheren Terrassenlagen am Talrand. Die sich paarweise gegenüberstehenden Siedlungen sind zum Teil noch durch Hochwasserstege verbunden. Die Stege wurden als hochwasserfreie, fußläufige Ortsverbindungen angelegt und stellen ein charakteristisches, aber inzwischen höchst seltenes Kulturlandschaftselement dieses Kulturlandschaftsraumes dar. Dem Hochwassersteg bei Rossach kommt daher eine sehr hohe kulturhistorische Bedeutung zu.

Hohe historische Aussagekraft besitzt außerdem die Mühlenkette im Itztal, welche die ehemalige wirtschaftliche Bedeutung des Mühlenwesens für diesen Raum dokumentiert.

H 39.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Itzgrund, Mürsbach“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der historisch bedeutsamen Orte, der reichsritterschaftlichen Prägung der Kulturlandschaft sowie der zahlreichen, typischen Relikte historischer Nutzungen nicht beeinträchtigt werden.

Das Realteil-Erbrecht hatte im Itzgrund eine kleinteilig strukturierte Landschaft hervorgebracht. Reste der historischen Gewannfluren haben sich bei Kaltenbrunn und Schottenstein sowie bei Mürsbach erhalten. Der Itzgrund wird noch weitgehend durch das traditionelle Nutzungsmuster geprägt. Gehölzstrukturen sind wesentliche Bestandteile des landschaftlichen Erscheinungsbildes. Der Kulturlandschaftsraum stellt in seiner Kleinteiligkeit ein gut erhaltenes Beispiel der territorial zersplitterten und reichsritterschaftlich geprägten Kulturlandschaft des 18. und 19. Jahrhunderts dar

Der örtliche Wechsel geistlicher und weltlicher Herrschaftsbereiche ist charakteristisch für den Itzgrund und ist unverwechselbar an den historisch bedeutenden Orten Gleußen sowie den reichsritterschaftlich geprägten Siedlungen Lahm, Schenkenau, Schottenstein und Welsberg mit ihren Schloss- und Parkanlagen ablesbar. Der Ort Mürsbach im Itzgrund ist ein herausragendes Beispiel für ein Haufendorf. Es ist eines jener fränkischen Dörfer, die spätestens seit der Wende zum 20. Jahrhundert immer wieder im Blickpunkt von Heimatschutzbewegung und Denkmalpflege standen.

Kopfweidenbestände verweisen auf die ehemalige Bedeutung der Korbflechterei im Itzgrund. Charakteristisch für den Itzgrund sind auch die Wässerwiesen, die eine ertragreiche Grünfutterproduktion ermöglichten. Reste von Wiesenbewässerungsanlagen mit Stauwehren, Be- und Entwässerungsgräben sind in diesem Abschnitt des Itztals mehrfach anzutreffen.

Wegen des häufigen Hochwassers im Itztal finden sich die Siedlungen auf den hochwassersicheren Terrassenlangen am Talrand. Die sich paarweise gegenüberstehenden Siedlungen sind zum Teil noch durch Hochwasserstege verbunden. Die Stege wurden als hochwasserfreie, fußläufige Ortsverbindungen angelegt und stellen ein charakteristisches, aber inzwischen höchst seltenes Kulturlandschaftselement dieses Kulturlandschaftsraumes dar. Den Hochwasserstegen zwischen Mürsbach und Hilgersdorf, Busendorf und Gleusdorf, Lahm und Kemmendorf kommt daher eine sehr hohe kulturhistorische Bedeutung zu.

Besonders hervorzuheben ist außerdem die Mittelwaldnutzung westlich und östlich von Herreth als Zeugnis bäuerlicher Waldnutzungsformen sowie die Kellergassen bei Mürsbach, Zaugendorf und Kaltenbrunn, welche die Tradition des bäuerlichen Hausbrauwesens in Oberfranken dokumentieren.

H 40.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Buch a. Forst, Grub a. Forst, Bucher und Neuensorger Forst“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte vor allem in Form der historischen Flurformen, Kellergassen und historisch bedeutsamen Ortschaften nicht beeinträchtigt werden.

Beim Bucher Forst handelt es sich um einen mehr als tausend Jahre alten Grenzsaum, der den ehe­maligen Grenzraum zwischen dem Hochstift Bamberg und dem Coburger Herrschaftsgebiet markierte. Die Gründung der Orte Grub a. Forst, Forsthub und Zeickhorn fällt wohl in die Zeit des frühmittelalterlichen Landesausbaus. Von besonderer Bedeutung ist Forsthub, dessen Gründung im 9. Jahrhundert angenommen werden kann und wohl der Ausgangspunkt für die wirtschaftliche Erschließung des Waldes war. Ungewöhnlich ist die Lage des Ortes Zeickhorn in Längsrichtung zu seiner Langstreifenflur, die wohl auf eine Neubegründung der Siedlung nach vorherigem Wüstfallen zurückzuführen ist. In Zeickhorn ist außerdem die Kellergasse besonders bemerkenswert.

Buch a. Forst als hochmittelalterliche Rodungssiedlung verdeutlicht auf besondere Weise die spätere landwirtschaftliche Erschließung des Kulturlandschaftsraumes. Die umliegenden Dörfer des Bucher Forstes besaßen Nutzungsrechte am Wald. Reliktische Nieder- und Mittelwaldbestände sind noch zu vermuten.

Das Industrieband als ein Zentrum der deutschen Möbelindustrie, das sich heute von Grub a. Forst über Zeickhorn, Ebersdorf bei Coburg bis nach Weidhausen b. Coburg erstreckt, ist auf die historische Waldnutzungs- und Holzverarbeitungstradition (Büttnerhandwerk) im Bucher und Lichtenfelser Forst zurückzuführen.

H 45.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Obermaintal, Burgkunstadt, Altenkunstadt, Strössendorf“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere auch in Form der Baudenkmäler und Ensembles, die unter anderem den Einfluss der Reichsritterschaft sowie die traditionell hohe Bedeutung von Handel und Gewerbe für dieses Gebiet dokumentieren, nicht beeinträchtigt werden.

Verkehrsgunst, Wasserangebot, das warme und trockene Klima und die Bodengüte haben das Maintal neben dem Regnitztal zur ältesten oberfränkischen Siedlungslandschaft werden lassen. Die vorfränkische Erschließung des Kulturlandschaftsraumes nahm mit der Gründung der Siedlungen Altenkunstadt und Burgkunstadt ihren Anfang. Die beiden Orte entwickelten sich zu den entscheidenden Zentren der kulturlandschaftlichen Entwicklung, die im 19. Jahrhundert als gewerbeorientierte Städte den Raum in seinem heutigen Erscheinungsbild und in seiner kulturhistorischen Bedeutung prägen. Weiterhin prägend war auch der ehemals sehr hohe jüdische Bevölkerungsanteil in Altenkunstadt. ,

Die historische Siedlungsstruktur der Orte und Einzelelemente wie der jüdische Friedhof oberhalb von Burgkunstadt dokumentieren die historischen Wirkfaktoren. Ein weiterer gestaltprägender Faktor waren die Reichsritter. Die reichsritterschaftliche Prägung dieses Raumes lässt sich neben Altenkunstadt insbesondere an dem Ort Strössendorf mit seinem Schloss derer von Schaumberg ablesen. Die dreigeschossige Vierflügelanlage des 15./16. Jahrhunderts, die Reste aus dem 13. Jahrhundert bewahrt hat, wurde im 18. Jahrhundert teilweise umgebaut. Zur Schlossanlage gehört, ein formaler Garten, ein Landschaftspark sowie die Allee zur Gruft derer von Schaumberg.

Mit dem Chausseerest zwischen Mainklein und Mainroth ist ein weiteres Kulturlandschaftselement von sehr hoher Bedeutung gegeben.

H 47.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Albvorland, Isling, Burkheim“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte vor allem in Form der historischen Siedlungs- und Flurformen sowie weiterer Spuren klösterlicher Prägung der Landschaft nicht beeinträchtigt werden.

In weiten Teilen lässt der Kulturlandschaftsraum noch in besonderem Maße die Nutzungsgeschichte der Landschaft im Wechselspiel mit den naturräumlichen Gegebenheiten des Vorlandes der Fränkischen Alb ablesen. Mit den historischen Flurformen (Blockfluren in Gemengelage), den historisch bedeutsamen Dörfern Baiersdorf, Woffendorf und Burkheim sowie dem Schloss Giechkröttendorf mit seiner Parkanlage weist er historische Kulturlandschaftselemente sehr hoher Bedeutung auf.

Isling besitzt noch einen charakteristischen Ortsrand mit etterartiger Dorfhecke. An dem Ort Isling lässt sich der ehemals starke Einfluss des Klosters Langheim, u.a. auch an den zahlreichen Martern in der Gemarkung ablesen.

H 48.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Frankenalb, Kordigastbergland, Kordigast, Kaspauer“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte vor allem in Form der historischen Siedlungs- und Flurformen, des historischen Wegenetzes nicht beeinträchtigt werden. Dem hohen assoziativen Bedeutungsgehalt des Kordigast als „Heiliger Berg“ soll besondere Beachtung zukommen.

Die im Hoch- und Spätmittelalter entstandenen Streusiedlungen im Kordigastbergland und die reichsritterschaftlich geprägte Gemarkung Kaspauer verdeutlichen auf besondere Weise die kulturelle Erschließung des Kulturlandschaftsraumes, die sich vorrangig an den historischen Flurformen und dem historischen Wegenetz ablesen lässt.

Mit dem Zeugenberg Kordigast als „Heiliger Berg“ des Burgkunstädter Raumes (früher Anknüpfungspunkt lokaler Identität, Sagen, Heimatdichtung, lokales Bergsteigertum) ist ein historisches Kulturlandschaftselement von sehr hoher assoziativer Bedeutung gegeben.

In der Gesamtheit lässt der Kulturlandschaftsraum noch in besonderem Maße die Nutzungsgeschichte der Landschaft im Wechselspiel mit den naturräumlichen Gegebenheiten der Fränkischen Alb erkennen.

H 49.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Frankenalb, Lahm, Köttel, Rothmannsthal“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte vor allem in Form der historischen Flurformen, dem historischen Wegenetz sowie der Kötteler Wacholderheide nicht beeinträchtigt werden.

Der Kulturlandschaftsraum weist mit den historischen Flurformen (Blockgemengefluren) und dem historischen Wegenetz Kulturlandschaftselemente von sehr hoher historischer Aussagekraft auf. Reste von Wacholderheiden wie bei Köttel („Kötteler Wacholderheide“) verweisen auf die ehemalige Nutzung als Schafweide und sind aus kulturhistorischer Sicht höchst bedeutungsvoll.

In der Gesamtheit lässt der Kulturlandschaftsraum noch im besonderen Maße die Nutzungsgeschichte der Landschaft im Wechselspiel mit den naturräumlichen Gegebenheiten der Fränkischen Alb erkennen.

H 52.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Albvorland, Leiterbach und Aspachtal, Kleukheim, Oberleiterbach“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte in Form der zahlreichen bedeutsamen Kulturlandschaftselemente, vor allem der historischen Siedlungsan­lagen, nicht beeinträchtigt werden.

Flurbereinigungen älteren Datums haben diesen im karolingischen und ottonischen Landesausbau erschlossenen Kulturlandschaftsraum tiefgreifend umgeformt. Es sind aber noch zahlreiche historische Kulturlandschaftselemente zum Beispiel in Gestalt des "Bachzeilendorfes" Kleukheim oder der historisch bedeutenden Orte Oberleiterbach, Kirschletten und Peusenhof gegeben, welche die vielfältigen kulturlandschaftlichen Einflüsse in diesem Raum verdeutlichen:

  • Oberleiterbach: ehemals unter klösterlichem Einfluss (Grundherrschaft des Klosters Michelsberg)
  • Gutsdorf Kirchschletten: ehemals unter ritterschaftlichem Einfluss
  • Rodungssiedlung Reuthlos: ehemals unter domkapitelischem Einfluss
  • Peusenhof: ehemals Landgut bürgerlicher Geschlechter (klösterliche Afterlehensträger)
  • Ausbausiedlung Oberoberndorf: ehemals unter bischöflich-hochstiftischem Einfluss

Eine Sonderstellung nahm Oberleiterbach als Kirchdorf und Burgort sowie späterer Schlossort ein, das 800 Jahre lang von der geistlichen Grundherrschaft des Klosters Michelsberg geprägt wurde. Das kompakte Haufendorf Leiterbach zählte im 13. Jahrhundert zu den Haupthöfen des Klosters Michelsberg und besaß dementsprechend einen Klosterhof. Im Spätmittelalter war das Dorf ein bedeutender Weinbauort für das Kloster Michelsberg. Der Weinbau hielt sich bis in das 19. Jahrhundert.

Oberleiterbach und Reuthlos hatten drei aneinanderstoßende »Güterhölzer«, die auf eine ehemals gemeinsame »Landsgemeinde« also eine gemeinsam genutzte Waldweide hinweisen.

H 57.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Albvorland, Albtrauf, Ehrl, Burgellern, Roßdach“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte vor allem in Form bedeutender Baudenkmäler und Ensembles sowie bedeutsamer Kulturlandschaftselemente wie der Roßdacher Wacholderheide und dem Heckengebiet Dörnwasserlos nicht beeinträchtigt werden.

Der sich im Albvorland und auf der Frankenalb erstreckende historische Kulturlandschaftsraum wurde durch viele Grundherrschaften geprägt. Burgellern besitzt mit dem ehemaligen Schloss der Freiherrn von Buseck aus dem 19. Jahrhundert, die das einstige Domprobsteiamt nach 1802 erwarben und sich wohl für die Umgestaltung des Schlosses und für die Anlage des Landschaftsparkes verantwortlich zeichnen (einschließlich des als Pumpstation um 1890 erbauten „Schlösschen“), ein herausragendes Dokument hoheitlichen Herrschaftsanspruches. Roßdach und Burglesau weisen mit den Wacholderheiden kulturhistorisch herausragende und charakteristische Elemente der Frankenalb auf, deren Entstehung wohl im Zusammenhang mit der reichsritterschaftlichen Prägung der Orte zu sehen ist. Der historisch bedeutende Ort Pausdorf und der Ort Stübig mit seiner historischen Weinbergslage, standen unter der Herrschaft des Klosters Michelsberg. Das Heckengebiet bei Dörnwasserlos ist als weiteres herausragendes Beispiel eines charakteristischen Elements der historischen Kulturlandschaft des Albtraufs zu erwähnen. Das am Leitenbach liegende Dorf Ehrl (ehe­mals dem Bamberger Domprobst zugehörig) mit seinen Fachwerkbauten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert dokumentiert auf besonders eindrucksvolle Weise den für den Jurarand charakteristischen Typ des Bachzeilendorfes, dass hier noch von einem Scheunenrand und Obstbaumgürtel umgeben ist. Mit dem Dorf Weichenwasserlos ist ein weiteres Bachzeilendorf von besonderer Bedeutung gegeben. Charakteristisch für das Albvorland sind auch die Ackerterrassen mit Streuobstbeständen zwischen Schlappenreuth und Stübig.

Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung sind die beiden Hochstraßen (Judenstraßen), die in Roßdach ihren Anfang nehmen und nach Köttel bzw. nach Klosterlangheim führen.

H 60.1
H 62.1
H 63.1
Bei der weiteren Entwicklung der Kulturlandschaftsräume „Albvorland, Albtrauf, Ellerbachtal, Litzendorf, Tiefenellern“ (H 60.1), „Jura, Herzogenreuth, Poxdorf, Lindach“ (H 62.1) und „Jura, Aufseßtal, Königsfeld, Wüstenstein“ (H 63.1) soll die Ablesbarkeit der Geschichte vor allem in Form der zahlreichen für das Albvorland, den Albtrauf und der Albhochfläche charakteristischen und bedeutsamen historischen Kulturlandschafts­elemente nicht beeinträchtigt werden.

H 60.1: Bereits um 800 war das Ellerbachtal von Bamberg bis Scheßlitz durch die Franken und Slawen siedlungsmäßig weitmaschig erschlossen. An dem Bachlauf reihen sich die Siedlungen Litzendorf, Lohndorf und Tiefenellern kettenförmig aneinander. Mit Litzendorf hat sich ein historisch bedeutender Ort entwickeln können. Die katholische Pfarrkirche St. Wenzeslaus von 1467 (Chorturm), 1715- 1718 von Johann Dientzenhofer erweitert, thront mit seinen markanten Scharwachtürmchen auf dem Kirchberg über dem alten Ortskern und ist in der Landschaft weithin sichtbar.

Der Kulturlandschaftsraum weist auch heute noch eine hohe Dichte historischer Kulturlandschaftselemente auf. Charakteristisch für den Albtrauf und das Albvorland sind unter anderem die mit Obstbäumen (Zwetschge, Walnuss, Kirsche) bestandenen Ackerterrassen beidseitig an den Hängen des Ellerbachtalraumes zwischen Lohndorf und Tiefenellern. Besonders hervorzuheben sind die Sinterterrassen bei Tiefenellern mit Relikten der Kalktuffsteingewinnung und der Brunnensteig nach Herzogenreuth als kulturhistorisch herausragende und charakteristische Elemente des Albtraufs bzw. der Frankenalb.

H 62.1: Von herausragender historischer Zeugniskraft für die im Hochmittelalter einsetzende kulturelle Erschließung der Albhochfläche durch die Andechs-Meranier ist der Ort Herzogenreuth. Um den mit frühneuzeitlichen Linden bestandenen Dorfanger gruppieren sich zweigeschossige Bauernhäuser des 19. Jahrhunderts mit zugehörigen Gartenparzellierungen. Besonders hervorzuheben ist die weit in die Landschaft hinausstrahlende ehemalige Wehrkirche, die am Stufenrand der Frankenalb auf 596 m ü NN liegt und damit einen der höchsten Punkte im Landkreis Bamberg markiert.

Mit der Wacholderheide bei Heroldstein und mit den überwiegend auf Lesesteinen stockenden Heckenzeilen um Herzogenreuth, Tiefenpölz, Teuchatz, Lindach, Ludwag und Kübelstein sind charakteristische Kulturlandschaftselemente der Frankenalb gegeben, die von hoher historischer Zeugniskraft sind und heute in der Flur der Fränkischen Alb selten geworden sind. Am „Kleinen Kulm“ bei Poxdorf, haben sich zwei Lesesteinmauern und ein Lesesteinhochrain erhalten, die wohl hochmittelalterlichen Ursprungs sind und auf Grund ihrer Größe und Ausprägung (Mauerwerk teilweise in Fischgrättechnik) als überregional bedeutsam eingestuft werden können.

Der Hüllweiher bei Oberngrub, der Brunnensteig nach Tiefenellern und der Lindacher Albhochflächenbrunnen, dem eine alte Linde beigestellt ist, dokumentieren auf herausragende Weise die ehemalige Problematik der Versorgung mit Brauch- und Trinkwasser auf der Frankenalb.

Mit der wohl hochmittelalterlichen Altstraße, die von Kotzendorf über Laibarös nach Geisberg führt, und dem Kreuzweg Tiefenpölz sind weitere kulturhistorisch herausragende Elemente gegeben.

Aufforstungsmaßnahmen haben in den letzten 100 Jahren das Erscheinungsbild der Landschaft stark beeinflusst. Rechteckige Waldstücke zeichnen z.T. noch die alten Parzellenn nach.

H 63.1: Mit der Karstquelle der Aufseß, den Tummlern (= Quellen mit nur periodischer Schüttung) und den auf Lesesteinriegeln stockenden Heckenbändern zwischen Königsfeld und Voitmannsdorf sowie den Felsengruppen bei Draisendorf sind charakteristische und wertvolle Elemente der Frankenalb (Karstlandschaft) gegeben.

Besonders hervorzuheben ist das historische Bergbauareal bei Kotzendorf mit Schürfstellen und Verhüttungsplätzen aus dem 13. Jahrhundert sowie die Altstraße (ehemalige Verbindung Bamberg – Bayreuth), die bei Kotzendorf beginnt und nach Geisfeld führt.

Von besonderer historischer Zeugniskraft ist der historisch bedeutende Ort Königsfeld als Standort eines ehemaligen Königshofes und Stützpunkt für die früh- und hochmittelalterliche Besiedlung und Pfarreiorganisation der Frankenalb. Die über dem Tal der Aufseß liegende katholische Pfarrkirche St. Jakobus und Kilian mit ihrem großen befestigten Friedhof, war wohl der historische Standort des bereits 741/42 erwähnten Königshofes.

Das Schloss in Wüstenstein verweist auf die ehemalige Zugehörigkeit des Ortes zur Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth.

Aufforstungsmaßnahmen haben in den letzten 100 Jahren das Erscheinungsbild der Landschaft stark beeinflusst. Rechteckige Waldstücke zeichnen z.T. noch die alten Parzellenn nach.

H 64.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Jura, Leinleitertal, Ober- und Unterleinleiter, Heiligenstadt i. OFr.“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte vor allem in Form bedeutsamer Einzel­elemente wie z.B. der Wiesenbewässerungsanlage bei Veilbronn, der Wacholderheide im Leidingshofer Tal und der Heroldsmühle mit ihren Fischteichen nicht beeinträchtigt werden.

Die Flurbereinigungen der 1960er/1970er Jahre, die zwischen Siegritz und Wüstenstein mit Knocksprengungen einhergingen, haben den Kulturlandschaftsraum in seinen Höhenlagen tiefgreifend überformt. Trotzdem lässt sich noch an vielen Einzelelementen die historische Prägung des Kulturlandschaftsraumes ablesen. Als charakteristische Kulturlandschaftselemente der Frankenalb sind unter anderem die Heckenzüge an den Talhängen der Leinleiter und ihren Zuflüssen, insbesondere in Unterleinleiter und Dürrbrunn zu erwähnen, ebenso die Heckengebiete bei Reckendorf und Siegritz. Die Heckenkomplexe stocken z.T. auf Lesesteinriegeln (Dürrbrunner Lesesteinhaufen) und verzahnen sich mit Streuobstlagen.

Von besonderer kulturhistorischer Bedeutung sind die Reste der Wiesenbewässerungsanlagen bei Veilbronn als Relikte des historischen Wiesenbaus sowie der mechanischen Widder in Leidingshof als Relikt der historischen Wasserversorgung auf der Frankenalb. Mit der Wacholderheide und den Felsengruppen im Leidingshofer Tal, die sich zwischen den beiden Gasthöfen des Ortes Veilbronn hinauf bis Leidingshof ziehen, besitzt der Kulturlandschaftsraum weitere kulturhistorisch herausragende und charakteristische Elemente der Frankenalb.

An den Orten Heroldsmühle und Unterleinleiter lässt sich auch auf besondere Weise die ehemals reichsritterschaftliche Prägung ablesen. Die von Fischteichen umgebene Heroldsmühle war bis zu ihrer Betriebsaufgabe eine der ältesten Mahlmühlen der Fränkischen Schweiz und ist wohl reichsritterschaftlichen Urprungs. Bereits vor der Wende zum 20. Jahrhundert wurde hier eine Gastwirtschaft betrieben. Das alte eiserne Wasserrad, wohl eines der größten der Fränkischen Schweiz, ist erhalten geblieben und noch funktionstüchtig.

Im Jahre 1756 wurden die Freiherren von Seckendorf Besitzer der Schlossanlage in Unterleinleiter und blieben es über zwei Jahrhunderte. Von ihnen wurde auch der Schlosspark in einen Landschaftspark umgewandelt, der über eine Sichtachse mit Dürrbrunn verbunden ist.

Das über dem Leinleitertal auf einem mächtigen Bergkegel gelegene Schloss Greifenstein wurde 1172 als Burg der Schlüsselberger erstmals urkundlich erwähnt. 1690 fiel die Burganlage an das Hochstift Bamberg. Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg wurde mit der Anlage belehnt, die er zu einem barocken Schloss umgestalten ließ. Weitere Veränderungen, u. a. des Bergfriedes erfolgten im 18. und 19. Jahrhundert. Zu der Parkanlage gehört auch ein Aussichtspavillon.

Heiligenstadt i. OFr. war eine Enklave des Herzogtums Brandenburg-Bayreuth. Heiligenstadt besaß einst eine beachtliche jüdische Gemeinde. Der Ort war ritterliches Lehen und der landständische Adel nahm Juden bereitwillig auf. Der nördlich des Ortes auf einer Anhöhe mitten im Wald liegende Friedhof mit 60 Grabsteinplatten ist mit einer Mauer eingefriedet und mehrere Jahrhunderte alt.

Der Pavillon bei Veilbronn (beim Naturfreundehaus), die Dürrbrunner Aussichtskanzel am Schnepfenstein, der Aussichtspunkt am Klebfelsen und am Matzenstein sind Beispiel für die zahlreichen Aussichtspunkte, die z.T. bereits in historischer Zeit eine bauliche Gestaltung erfuhren.

H 68.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Staatsforst Hauptsmoorwald, Geisberger Forst“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte, insbeson­dere der früheren herrschaftlichen Prägung, nicht beeinträchtig werden. Dazu soll der Erhaltung, der Ausdehnung und Baumartenzusammensetzung der Wälder sowie der Erhaltung der Relikte ehemaliger herrschaftlicher Gestaltungselemente besondere Beachtung zukommen. Die Altstraße im Geisberger Forst soll in ihrer historischen Aussagekraft erhalten bleiben.

Der Hauptsmoorwald ist ein überwiegend kieferndominiertes Waldgebiet. Die Kiefern, die auf den eiszeitlichen Sandböden große Höhen erreichen können, fanden als Bauholz Verwendung und wurden bis Anfang des 20. Jahrhunderts u.a. in die Niederlande geflößt. Darüber hinaus diente der Hauptsmoorwald als Jagdrevier der Bamberger Fürstbischöfe. In Verlängerung der Nord-Süd-Achse der Schlossanlage Seehof, befand sich jenseits der Weiher ein „wildes Theater“ und weitere vorwiegende dem Jagdvergnügen dienende Parkarchitekturen. Dazu gehörte unter anderem ein halbkreisförmiger Abschlussprospekt in Form einer Kolonnade von 60 m Durchmesser. Fundamentreste von ehemaligen Parkstaffagen sind noch zu vermuten. Darüber hinaus bestanden in den Diagonalen kilometerlange Sichtschneisen durch den Wald, u.a. eine Blickbeziehung zwischen Schloss Seehof und dem Residenzschloss in Bamberg.

Abschließend hervorzuheben ist das im Geisberger Forst verlaufende Teilstück der Altstraße (ehemalige Verbindung Bamberg – Bayreuth), die von Kotzendorf nach Geisfeld führt.

H 73.1
Im Kulturlandschaftsraum „Gartenstadt Bamberg, Siedlung Lichteneiche“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der unterschiedlichen und anschaulichen Beispiele für die städtebaulichen  Ideen des 20. Jahrhunderts nicht beeinträchtigt werden. Einer denkmalgerechten Erhaltung des Volksparkstadions, als eines der ältesten noch weitgehend unverändert erhaltenen Sport- und Fußballstadien Deutschlands soll besondere Aufmerksamkeit zu­kommen.

Der Kulturlandschaftsraum dokumentiert mit der Gartenstadt Bamberg, dem Volksparkstadion und der Siedlung Lichteneiche Ideen städtischer Siedlungsformen der 1930er und 1950er bis 1970er Jahre, deren gestalterischer Ansatz von der Gartenstadtidee bis zur Trabantensiedlung reicht und die sich somit deutlich vom mittelalterlichen Stadtgrundriss Bambergs unterscheiden.

Besonders hervorzuheben ist das Volksparkstadion als eines der ältesten noch weitgehend unverändert erhaltenen Sport- und Fußballstadien Deutschlands. 1926 wurde das Stadion eingeweiht und 1938 um eine Tribüne ergänzt.

H 74.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Gundels­heim, Unteroberndorf, Zückshuter Forst“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte zum Beispiel in Form der noch erhaltenen Grundstrukturen des frühmittelalterlichen Landesausbaus und der spätmittelalterlichen Gewannflurreste bei Unteroberndorf und Gundelsheim nicht beeinträchtigt werden.

Die Entstehung der bis heute wirksamen Grundstruktur der kulturlandschaftlichen Erschließung fällt in die Zeit des frühmittelalterlichen Landesausbaus durch die Franken. Die Gründung Gundelsheims als Standort eines ehemaligen fränkischen Königshofes lässt sich in die Zeit des 6./7. Jahrhunderts datieren. Der auf dem Lias und Feuerletten stockende Zückshuter Forst trennt die Orte Unteroberndorf und Gundelsheim voneinander.

Mit den spätmittelalterlichen Gewannflurresten bei Unteroberndorf und bei Gundelsheim sind historische Kulturlandschaftselemente von hoher Bedeutung gegeben, welche die Tradition des Sonderkulturbaus in diesem Raum widerspiegeln. Die Reste der Wiesenbewässerung bei Gundelsheim verweisen auf die einstige Nutzung des Leitenbachtales für den Wiesenbau.

H 80.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Sendelbach, Priegendorf, Dorgendorf, Kleine Kufe, Stiefenberg“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte vor allem in Form der für die Haßberge charakteristischen und bedeutsamen Kulturlandschaftselemente wie z.B. der Priegendorfer Kellergasse nicht beeinträchtigt werden.

Der in den südöstlichen Haßbergen gelegene Kulturlandschaftsraum weist auch heute noch eine relativ hohe Dichte naturraumtypischer, historischer Kulturlandschaftselemente auf. Dazu gehören vor allem die charakteristischen, historischen Kulturlandschaftselemente der landwirtschaftlich genutzten Flur wie z.B. Streuobst- und Heckenbestände, Ackerterrassen etc. Ein charakteristisches und kulturhistorisch besonders wertvolles Element des Sandsteinkeupergebietes ist die Kellergasse von Priegendorf mit annähernd 30 Felsenkellern.

H 81.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Lautergrund, ‚Heilige Länder‘, Deusdorf, Lauter, Appendorf“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte in Form der zahlreichen Kulturlandschaftselemente wie Obstgärten, Baumfelder, Hecken und Kellergassen nicht beeinträchtigt werden. Der Rennweg soll als kulturhistorisch sehr bedeutsame Altstraße in seinem gesamten Verlauf erhalten werden.

Der in den südöstlichen Haßbergen gelegene Lautergrund, auch „Heilige Länder“ genannt, erstreckt sich von Kirchlauter (Unterfranken) bis nach Baunach. Im Lautergrund reihen sich auf hochwassersicheren Talterrassen die Dörfer Leppelsdorf, Deusdorf, Lauter und Appendorf mit ihren Mühlen kettenartig auf und sind durch bewaldete Höhenrücken von anderen Bachtälern getrennt. Aufgrund ihrer Binnenlage waren sie in ihrer Entwicklung eingeschränkt. Die Fluren der Dörfer sind reich an historischen Kulturlandschaftselementen wie Obstgärten bzw. Baumfelder oder Heckenbeständen. Besonders hervorzuheben sind die Kellergassen in Deusdorf, Appendorf und Lauter. Die kleineren Seitenbäche der Lauter sind immer wieder zu Weihern aufgestaut, die der Fischzucht dienen. Beispiele hierfür sind die Teichkette am Semberg und die Teichkette Appendorf-Hirschleite.

Auf dem sanften Kamm zwischen dem Lautergrund und dem Ebelsbachtal (außerhalb der Projektregion) verläuft nahezu völlig geradlinig der Rennweg der Haßberge, eine der am besten erhaltenen Altstraßen in Oberfranken.

H 82.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Semberg, Eichenrangen, Johannishof, Sandhof“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte vor allem in Form bedeutsamer Kulturlandschaftselemente wie z.B. der ehemaligen Landsweide und dem ehemaligen Jesuitengut „Sandhof“ nicht beeinträchtigt werden. Die Altstraße Hallstadt–Erfurt und der Rennweg sollen als kulturhistorisch sehr bedeutsame Altstraßen in ihrem gesamten Verlauf erhalten werden.

Der dicht bewaldete Semberg zwischen Dörfleins, Kemmern und Baunach bildet den südöstlichen Zipfel der Haßberge. Das Gebiet des weitflächigen Staatsforstes war bis 1845 als „Landsgemeinde“ im Besitz der umliegenden Dörfer, die es als Viehweide nutzten und den anstehenden Sandstein abbauten. Die Landsgemeinde auf dem Semberg wird bereits 1348 erstmals erwähnt und erst 1854 endgültig abgelöst. Eingebettet in den heute dichten Waldbestand liegen der Johannishof und der Sandhof. Der Sandhof ist ein ehemaliges Jesuitengut (1639) mit Kapelle (1758), umgeben von einer Ringmauer und von Fischteichen.

Im Mönchsseeholz liegt der Mönchssee in einer ausgedehnten Waldfläche. Der Weiher gehörte den Mönchen des Bamberger Klosters Michelsberg. Im 19. Jahrhundert führte ein Wiesentälchen zum Mönchssee.

Über den Kamm des Berges verläuft die Altstraße Hallstadt-Erfurt, die auch über Baunach führte und heute noch in der Baunacher Flur ablesbar ist. Südlich von Sandhof und Johannishof verläuft der Rennweg der Haßberge, eine der am besten erhaltenen Altstraßen Oberfrankens.

An den Mainhängen des Semberges wurde ehemals Wein und Hopfen angebaut.

H 83.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Maintal, Staffelbach, Unterhaid, historische Weinbergslagen“ soll die Ablesbar­keit der Geschichte in Form zahlreicher bedeutsamer Kulturland­schaftselemente, hier vor allem in Bezug auf die Tradition des fränkischen Hausbrauwesens einerseits und der Weinbautradition andererseits nicht beeinträchtigt werden. Der Rennweg soll als kulturhistorisch sehr bedeutsame Altstraße in seinem gesamten Verlauf erhalten werden.

Die Besonderheit dieses Kulturlandschaftsraumes liegt darin, dass sich hier die Weinbautradition und das fränkische Hausbrauwesen überschneiden. Auf dem „Unterhaider Röthla“ beginnt in Oberfranken der mainfränkische Weinbau. Die Hänge an Spitzlberg, Kunkelsbühl und Sauknock sind historische Weinbergslagen, die sich bis nach Dörfleins fortsetzen. Die hangsenkrechte Parzellierung und Reste von Trockenmauern sind noch vorhanden. Die Lagen sind heute mit Obstgärten, Hecken und Magerrasen bestanden. Bei Unterhaid findet sich noch eine rezente Weinbergslage mit Weinbergshäusern, an der ein Hohlweg zu den Sandsteinbrüchen am Eichenrangen entlangläuft und der zu Beginn von einer von zwei prächtigen Linden gerahmten Marter gesäumt wird. Der anfangs gepflastere Hohlweg führt zunächst durch eine Kellergasse mit dem Gambrinus-Sommerkeller, der von herausragender kulturhistorischer Bedeutung ist. Es handelt sich hierbei um ein Kellerhaus aus dem 18. Jahrhundert, das Anfang des 20. Jahrhunderts aufgestockt wurde, und noch eine funktionsfähige Kegelbahn aufweist.

Besonders hervorzuheben ist außerdem der nördlich von Oberhaid verlaufende Rennweg der Haßberge, eine der am besten erhaltenen Altstraßen Oberfrankens.

H 84.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Maintal, Michelsberger Klosterland“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der klösterlichen Prägung der Kulturlandschaft und der zahlreichen bedeutsamen Kulturlandschaftselemente nicht beeinträchtigt werden.

Das 1015 gegründete Kloster Michelsberg konnte im Laufe der Zeit großen Streubesitz erwerben und prägte die Gestaltung des Kulturlandschaftsraumes in weiten Teilen. Die Gewannfluren Tütschengereuths, Trosdorfs, Viereths, Weipelsdorf und Bischberg, die Rodungsinsel Rothhof bei Gaustadt mit Teichwirtschaftspuren, das Baumfeld bei Weiher lassen auf besondere Weise die historischen Landnutzungsformen ablesen. Die historischen Weinbergslagen bei Weiher und Viereth verweisen auf die lange Tradition des Weinbaus in diesem Kulturlandschaftsraum, der sich für Viereth bis in das 9. Jahrhundert zurückverfolgen lässt und der in Weiher auf einer kleinen Parzelle wieder reaktiviert wurde. Der historische Weinberg südöstlich Viereth ist heute mit ausgedehnten Heckenbeständen bestockt.

Die mehr als 1000jährige Nutzung des Weipelsdorfer, Michelsberger und Rothofer Waldes prägt den südlichen Bereich des Kulturlandschaftsraumes. Besonders hervorzuheben ist die heute noch ablesbare historische Mittelwaldnutzung in der Waldabteilung Mundschenk des Michelsberger Waldes.

Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung ist der Ottobrunnen im Michelsberger Wald, eine über neun Jahrhunderte alte Wasserleitung, die das Kloster Michelsberg mit Wasser versorgte und die auch heute noch funktioniert.

Die Steigerwaldhochstraße, von Priesendorf kommend über Tütschengereuth, Bischberg und Gaustadt nach Bamberg führend, wie auch der Michelsberger Weg, von Walsdorf kommend und nach Bamberg führend, verdeutlichen die weltliche und geistliche Bedeutung der Stadt Bamberg im Alten Reich. An den Altstraßen finden sich zahlreiche Marter wie z.B. die Metzgersmarter.

Bestimmte dolomitisierte und harte Schichten des Mittleren Burgsandsteins wurden seit der früheren Neuzeit zwischen Aurach und Main abgebaut und als „Tütschengereuther Pflaster“ für städtische Pflasterungen, aber auch als Hofpflaster wohlhabender ländlicher Anwesen verwendet.

Abschließend hervorzuheben ist noch die historische Funktion Bischbergs als bedeutender Umschlagplatz für die Flößereiwirtschaft und nicht zuletzt als Ort mit langer Fischereitradition.

H 86.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Aurachtal, Stegaurach, Höfen“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte zum Beispiel in Form einiger bedeutender Baudenkmäler, des Chausseerestes zwischen Birkach und Bamberg, der typischen Teichketten und der noch erhaltenen historischen Flurformen möglichst nicht beeinträchtigt werden.

Der in weiten Teilen noch nicht flurbereingte Kulturlandschaftsraum besitzt mit den Gewannfluren von Stegaurach, Kreuzschuh, Höfen und Waizendorf historische Kulturlandschaftselemente von hoher kulturhistorischer Bedeutung, welche die historische Landnutzung in diesem Raum ablesen lassen. Charakteristisch für diesen im Steigerwald gelegenen Raum sind die zu Zwecken der Fischzucht angelegten Teichketten. Besonders hervorzuheben ist die im Aurachtal liegende Weiherkette Schweigelsee. Aufgrund der Hochwassergefahr und des ebenen Reliefs sind sonst in den breiten Flusstälern kaum Weiher vorhanden, sondern eher in den schmalen Nebentälern wie z.B. die Seehöfleiner Teichkette.

Mit der südlich von Stegaurach liegenden Siebenschläferkapelle, bez. 1696, von Bonaventura Rauscher, dem „Boveri-Schlösschen“ mit Garten und ehemaligen Teichen sowie dem Chausseerest  zwischen Birkach und Bamberg (Strecke Würzburg-Bamberg, 18. Jh.) sind historische Kulturlandschaftselemente von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung gegeben. Darüber hinaus prägen zahlreiche religiöse Kleindenkmale den Kulturlandschaftsraum.

H 88.1
Im Kulturlandschaftsraum „Mittelebrach, Burgebrach, Frensdorf, Pettstadt“ sollen die historisch bedeutsamen Kulturlandschafts­elemente, insbesondere solche mit hoher kulturhistorischer Wertigkeit, wie z.B. die Hochwasserstege, der Kellerberg in Burgebrach, die Reste des Etterweges in Pettstadt oder die Chausseereste zwischen Unterneuses und Oberharnsbach in ihrer historischen Aussagekraft erhalten werden. Bei der weiteren Entwicklung der Kulturlandschaft soll die Ablesbarkeit der Geschichte in der Landschaft nicht beeinträchtigt werden.

Der Kulturlandschaftsraum wird in seinem Erscheinungsbild wesentlich durch Flurneuordnungen der 1970er und 1980er Jahre geprägt. Trotzdem lässt sich noch an vielen Einzelelementen die historische Prägung des Kulturlandschaftsraumes ablesen.

Charakteristisch für den Steigerwald sind die der Fischzucht dienenden Teichketten in den schmalen Nebentälern der Mittleren Ebrach wie z.B. die Frensdorfer Teiche, der Mühlsee oder die Teichkette bei Schatzenhof. Die Hochwasserstege zwischen Unterharnsbach und Stappenbach sowie zwischen Frensdorf und Vorra als hochwassersichere, fußläufige Ortsverbindung zwischen den Orten, sind ein charakteristisches Kulturlandschaftselement dieses Kulturlandschaftsraumes. Sie sind aufgrund ihrer Seltenheit von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung. Die Tradition des fränkischen Hausbrauwesens ist auf herausragende Weise in Burgebrach am Kellerberg ablesbar, wo sich drei Kellerhäuser (mit Fachwerk und Walmdach) des 18. Jahrhunderts und die zugehörigen Felsenkeller befinden.

Der Kulturlandschaftsraum besitzt mit der katholischen Pfarrkirche Mariae Geburt (Chorturmanlage 14. Jh., Langhaus 1754 durch Johann Michael Küchel errichtet), dem Wasserkraftwerk Pettstadt mit Zuleitungskanal, den Chausseeresten zwischen Unterneuses und Oberharnsbach sowie zwischen Birkach und Debring, mit den Fußsteig Oberköst und den Resten des alten Dorfrandweges (Etterweg) in Pettstadt weitere Elemente von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung.

H 90.1
H 92.1
H 93.1
Bei der weiteren Entwicklung der Kulturlandschaftsräume „Kloster Ebrach, Koppenwinder Forst“ (H 90.1), „Kloster Ebrach, Winkelhofer Forst“ (H 92.1) und „Kloster Ebrach, Staatsforst Steinachsrangen“ (H 93.1) soll die Ablesbarkeit der Geschichte in Form der ehemals vom Kloster Ebrach geprägten Waldwirtschaft, die heute noch an der Baumartenzusammensetzung erkennbar ist, und der zahlreichen Wüstungen nicht beeinträchtigt werden. Die Altstraße Würzburg–Ebrach–Bamberg soll in ihrem gesamten Verlauf erhalten werden.

Das 1127 gegründete Zisterzienserkloster Ebrach prägte die umgebende Landschaft über fast acht Jahrhunderte bis zu seiner Auflösung im Jahr 1802. Die Kulturlandschaftsräume „Koppenwinder Forst“, „Winkelhofer Forst“ und „Staatsforst Steinachsrangen“, die sich überwiegend als großflächig geschlossene Waldgebiete darstellen, gehörten zum Ebrach’schen Klosterwald. Die prägende Wirkung des Klosters ist an den Waldbeständen bis heute ablesbar, u. a. ist der vorhandene Laubmischwald, der einen hohen Buchen- und Eichenanteil aufweist, auf die über Jahrhunderte anwährende klösterliche Waldwirtschaft zurückzuführen (Inforestierungspolitik).

Im Koppenwinder Forst finden sich u.a. die Wüstungen Rombach (auch: Rambach), Birkenrod (auch: Birkenroth) und Bergtheim. Bestockte Waldwiesen kennzeichnen die ehemaligen Ortslagen. Die für den Winkelhofer Forst namensgebende Siedlung Winkelhof liegt am Südrand des Waldgebietes und ist eine ehemalige Grangie (= klösterlicher Wirtschaftshof) des Klosters Ebrach. Sie ist zugleich eine partielle Wüstung. Die ehemaligen Wirtschaftsländereien erstrecken sich in den Winkelhofer Forst und sind an den historischen Ackerterrassen und Hohlwegen ablesbar. Im „Staatsforst Steinachsrangen“ befinden sich südlich der Siedlung Obersteinach und südwestlich des Nonnengrundes die Wüstungen der Oberen und Unteren Horbei. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Rodungssiedlung des 12. Jahrhunderts, die im 14. Jahrhundert aufgelassen wurde und im Wald an den historischen Flurformen (hufenartige Gelängeflur), Wegesystemen, Stufenrainen und Steinlesewällen ablesbar sind. Für die Wüstung Horb konnte der Wölbackerbau nachgewiesen werden. Darüber hinaus finden sich einige Meilerstellen als Dokumente der historischen Köhlerei.

Die zahlreichen Wüstungen in den Kulturlandschaftsräumen können zum einen auf den Konzentrationsprozess im Spätmittelalter verweisen, der zu Flurzusammenlegungen und zum Abbruch von Siedlungen führte, oder sie können Zeugnis für die gelenkte Wiederaufforstung der historischen Flurlagen in den Steigerwaldhöhen durch den Bayerischen Staat im 19. Jahrhundert sein.

Besonders hervorzuheben sind zwei historische Wegeverbindungen, die im Bereich der ehemals Ebrach´schen Klosterwälder verlaufen:

  • die Altstraße Würzburg-Ebrach-Bamberg, die durch den Koppenwinder Forst führt und von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung ist
  • die Reste eines alten Höhenweges, die den Kulturlandschaftsraum „Kloster Ebrach, Staatsforst Steinachsrangen“ nach Süden ben
H 91.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Kloster Ebrach, Ebracher Forst“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der ehemals vom Kloster Ebrach geprägten Waldwirtschaft, die heute noch an der Baumartenzusammensetzung und den Spuren der Mittelwaldnutzung erkennbar ist, sowie der historischen Weinbergslage Lausbühl nicht beeinträchtigt werden. Die Altstraße Würzburg–Ebrach–Bamberg soll in ihrem gesamten Verlauf erhalten bleiben.

Der Ebracher Forst wird durch den Handthaler Graben, der als Teichkette ausgebildet ist und u.a. vom Waldhausbrunnen und Klaupertsbrunnen gespeist wird, in zwei Waldflächen aufgeteilt. Das 1127 gegründte Zisterzienserkloster Ebrach prägte die umgebende Landschaft über fast acht Jahrhunderte bis zu seiner Auflösung im Jahr 1802. Der „Ebracher Forst“ gehörte, wie der Name bereits andeutet, zum Ebrach’schen Klosterwald. Der heute vorhandene Laubmischwald, der einen hohen Buchen- und Eichenanteil aufweist ist auf die über Jahrhunderte anwährende klösterliche Waldwirtschaft zurückzuführen. Ein Beispiel hierfür sind die in der Waldabteilung IX gelegenen Naturwaldreservate „Waldhaus“ und „Brunnstube“.

Am Hang des Lausbühls, der dem Kloster Ebrach zugewandt ist, befindet sich die historische Weinbergslage des Klosters Ebrach, die noch an der hangsenkrechten Parzellierung ablesbar ist. Besonders hervorzuheben ist die Altstraße Würzburg-Ebrach-Bamberg, die durch den Koppenwinder Forst führt und von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung ist.

H 94.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Reiche Ebrach, Schlüsselfeld, Aschbach“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der Zeugnisse reichsritterschaftlicher Vergangenheit nicht beeinträchtigt werden.

Die reichsritterschaftliche Prägung dieses Kulturlandschaftsraumes, der im Osten des Steigerwalds liegt, lässt sich an den Orten Schlüsselfeld, Aschbach und Reichmannsdorf ablesen. Das Geschlecht der Schlüsselberger war namensgebend für die um 1260 gegründete Stadt Schlüsselfeld, die zum Herrschaftsgebiet des Hochstiftes Würzburg gehörte. Die Stadtmauer wie auch der mächtige Stadtturm sind größtenteils erhalten. Der ehemalige Stadtgraben zieht ein durchgängiges grünes Band um die Altstadt.

Das Schloss der Freiherren von Pölnitz in Aschbach, stammt aus dem Jahr 1775. Zum Schloss gehört auch eine Parkanlage im landschaftlichen Stil. In Reichmannsdorf befindet sich das Schloss des Freiherrn von Schrottenberg, erbaut 1714-1719, ebenfalls mit Parkanlage. Zu beiden Orten gehört jeweils auch ein jüdischer Friedhof. Ein hoher jüdischer Bevölkerungsanteil war ein typisches Merkmal der ehemals reichsritterschaftlichen Territorien und lässt sich als Folge der von den Reichsritterschaften häufig betriebenen Peuplierungspolitik erklären.

Charakteristisch sind außerdem die zu Zwecken der Fischzucht angelegten Teichketten. Aufgrund der Hochwassergefahr und des ebenen Reliefs sind in den breiten Flusstälern kaum Weiher vorhanden, sondern eher in den schmalen Nebentälern, wie das z.B. an den Reichmannsdorfer Teichen ablesbar ist, die sich von Reichmannsdorf bis zur Mündung in die Reiche Ebrach als fast lückenlose Weiherkette entlangziehen.

H 95.1
Im Kulturlandschaftsraum „Reiche Ebrach, Treppendorf, Limbach“ sollen die historisch bedeutsamen Kulturlandschaftselemente, wie z.B. die kulturhistorisch wertvollen Teichketten der ehemaligen Grafschaft oder die Kellergassen in ihrer historischen Aussagekraft erhalten bleiben. Bei der weiteren Entwicklung der Kulturlandschaft soll die Ablesbarkeit der Geschichte in der Landschaft nicht beeinträchtigt werden.

Der Kulturlandschaftsraum gehörte zur ehemaligen Grafschaft derer von Schönborn. Das barocke Schloss Weißenstein, erbaut unter Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn, markiert das ehemalige herrschaftliche Zentrum. Es strahlt weit in die Landschaft aus und steht in gestalterischem Bezug zum Dorf Pommerfelden und zur umgebenden Landschaft. Zu der ehemaligen Grafschaft gehörte eine ausgedehnte Land-, Forst- und Teichwirtschaft, die den Kulturlandschaftsraum in seinem Erscheinungsbild prägte. Die Feldflur wurde durch die Flurbereinigungen der 1970er Jahre überformt.

Zur Teichwirtschaft der ehemaligen Grafen von Schönborn zählen 70 Teiche, die eine Fläche von 90 ha einnehmen und zum großen Teil bereits in Mittelfranken liegen. Die Fischteiche in den Seitentälern der Reichen Ebrach sind:

  • die Hirtenseeteichkette bei Limbach
  • Markweiher und Schweinbacher Teiche bei Schweinbach
  • Herrensee und Limbacher Teiche
  • Märzensee bei Steppach
  • Oberköster Weiher 
  • Schlosssee

Sie stellen charakteristische und kulturhistorisch sehr wertvolle Elemente dieses Raumes dar.

Ein weiteres charakteristisches Kulturlandschaftselement des Keupersandsteingebietes sind die Kellergassen, wie sie zum Beispiel in Steppach und Oberndorf zu finden sind.

Hervorzuheben ist noch die ehemalige Wasserburganlage Stolzenroth als bedeutendes Bodendenkmal.

H 98.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Aisch­grund, Hallerndorf, Heroldsbach“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der zahlreichen Teichketten, der Zeugnisse reichsritterschaftlicher Vergangenheit sowie der Relikte historischer Landnutzungsformen nicht beeinträchtigt werden.

Die in den engen Bachtälern sich kettenartig aneinanderreihenden Teiche dienen der Karpfenzucht und repräsentieren eine charakteristische und kulturhistorisch überaus bedeutende Wirtschaftsform dieses Raumes. Beispiele hierfür sind:

  • die Augraben-Teichkette bei Willersdorf
  • die Stiebarlimbacher Seen
  • die Poppendorfteiche
  • die Mühlweiher und Hirtenbachteichkette bei Heroldsbach
  • die Wimmelbacher Teiche 
  • die Reglitzteichkette bei Oesdorf

Ein herausragendes Beispiel ist die Haarweiher und Herrensee Weiherplatte bei Haid/ Willersdorf, die bereits den Übergang zu den flächigen Weiheranlagen des zentralen Aischgrunds markiert.

Die reichsritterschaftliche Prägung dieses Kulturlandschaftsraumes läßt sich z.B. an den Schlössern in Heroldsbach und Thurn ablesen, die einst unter die Landeshoheit des Kantons Steigerwald fielen. Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung ist die Kreuzbergkapelle nordöstlich Stiebarlim­bach, umgeben von drei Sommerkellern und Felsenkellern. Stiebarlimbach bildete eine Enklave des Zisterzienserklosters Ebrach. Zur Wallfahrtskirche auf den Kreuzberg führen Wallfahrtswege von Hallerndorf, Schnaid (durch Flurbereinigung verändert) und Stiebarlimbach.

Flurbereinigungen der 1960er-1980er Jahre haben den Kulturlandschaftsraum in weiten Teilen verändert. In Oesdorf, Wimmelbach und Heroldsbach blieben allerdings Gewannflurreste erhalten, die auf die historische Landnutzungsstruktur verweisen. Besonders hervorzuheben ist außerdem die Furt in Willersdorf, die sich unmittelbar neben der Brücke über die Aisch befindet und heute noch benutzt wird.

H 100.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Krenland, Poxdorf, Langensendelbach“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der historisch bedeutsamen Baumbestände, der Altstraßenrelikte, der historischen Grenzmarkierungen sowie der bedeutenden Baudenkmäler nicht beeinträchtigt werden.

Das Regnitztal im Bereich Kersbach - Langensendelbach weist eine lange Tradition im Anbau von Sonderkulturen auf. Der Kren (Meerrettich) als regionale Spezialität ist namensgebend für diesen Kulturlandschaftsraum. Das Krenland zeigte schon im 15. Jahrhundert eine Spezialisierung im Gartenbau Frankens auf Gewürzpflanzen. Den Krenanbau zwischen Bamberg, Erlangen und Fürth förderte besonders Markgraf Johannes von Brandenburg-Kulmbach. Insgesamt entwickelte sich der Forchheimer Raum zu einer „Zweigstelle“ der Bamberger Gärtnerstadt, zum Beispiel für den Süßholzanbau. Möglicherweise handelt es sich bei Kersbach, 1017 in einer Urkunde Heinrichs II genannt, um einen historischen Obstbaum-Zuchtort der Forchheimer Pfalz. In Kersbach steht eine Linde mit flach entwickelten Ästen. Die Wassertriebe wurden geerntet und der gewonnene Bast zum Veredeln von Obstbäumen verwendet.

Die Loheeichenbestände (Schneiteleichen) bei Kersbach und Langensendelbach (hier finden sich auch Kopfhainbuchen) verweisen auf die Tradition der Gerbstoffgewinnung in diesem Raum. Von besonderer kulturhistorischer Bedeutung sind auch die Eichenallee am Neuweiherdamm bei Langensendelbach sowie die Neuweiherteichkette.

Von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung ist der Hohlweg von Kersbach nach Pinzberg als Teilstück der hochmittelalterlichen Geleitstraße und Fernverbindung Nürnberg-Bayreuth. Hervorzuheben sind ebenso die Grenzsteine der Fraisch bei Poxdorf, Langensendelbach und Bräuningshof. Die Fraisch, die Grenzsteine nennen das Jahr 1565, markiert den historischen Grenzverlauf zwischen der Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth und dem Hochstift Bamberg. Der Sage nach sind es „Freisteine“ – wer sie übersprang konnte dem Kriegsdienst entgehen.

Als bedeutende Bauwerke sind vor allem die Pfarrkirche St. Peter und Paul (15. Jh., 1753 erneuert) in Langensendelbach, die Pfarrkirche St. Johannes Baptist und St. Ottilie in Kersbach (ehemalige Wehrkirche und einstige Wallfahrtskirche) sowie das Bauernhaus aus dem Jahr 1581 in Poxdorf (ältester Hof im Landkreis Forchheim) anzuführen.

H 101.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Albvorland, Effeltrich, Hetzles, Neunkirchen a. Brand“ soll die historische Vielschichtigkeit der Landschaft in besonderer Weise berücksichtigt werden. Weiterhin soll insbesondere die Vielzahl unterschiedlicher historische Kulturlandschaftselemente in ihrer historischen Aussagekraft nicht beeinträchtig werden.

Das Gebiet um den Hetzleser Berg wurde erst im 9. Jahrhundert zur Besiedlung gerodet. Die (hoch)mittelalterlichen Blockgewannfluren in Gemengelage mit dem historischen Wegesystem der Orte Dormitz, Hetzles und Effeltrich zeugen von der landwirtschaftlichen Erschließung dieses Kulturlandschaftsraumes. Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung sind auch die zahlreichen, z.T. bis ins Frühmittelalter zurückreichenden Altstraßenreste dieses Raumes.

Ab dem späten Mittelalter stellte sich wohl die Nieder- und Mittelwaldnutzung im Bereich der nicht gerodeten Hänge des Hetzleser Bergs ein. Im Bereich der höheren Hanglagen finden sich kleine Waldflächen, die auch heute noch als Mittelwald genutzt werden.

Besonders hervorzuheben sind die Effeltricher Tanzlinde sowie die sagenumwobene „Pommerer“ Linde auf dem Hetzleser Berg. Gelegen auf dem baumlosen Plateau des Hetzleser Bergs ben drei Linden eine Ackerfläche. Einer der Lindenbäume, der weithin sichtbar ist, wird Streitbaum genannt. Die Hetzleser Platte hatte die Funktion eines viel benutzten Verkehrsknotenpunktes, die Linden dienten als Wegweiser.

Die niedrigeren Hanglagen des Hetzleser Bergs werden heute als extensive Streuobstwiesen genutzt. Erste Hinweise auf den Obstanbau am Hetzleser Berg gibt es schon bei Karl dem Großen. Der Beginn der Obstbaumzucht, und damit der Baumschulen um Effeltrich wird auf die Mitte des 13. Jahrhunderts angesetzt. Möglicherweise handelt es sich bei Effeltrich um einen historischen Obstbaum-Zuchtort der Forchheimer Pfalz. Die ehemals vielen Baumschulen lieferten selbst gezogene Obstbäume bis nach den Niederlanden, Skandinavien und Russland.

Neben dem Obstbau spielte die Loheeichenproduktion eine bedeutende Rolle in dem Kulturlandschaftsraum. Die Nutzung der Kopfeichen für die Gerberei in Form von Eichenlohe bestand seit dem Mittelalter. Die in Teilen über 300 Jahre alten Kopfeichen am Hetzleser Berg (Leyer Berg) stellen für den nordbayerischen Raum das einzige noch beinahe vollständig erhaltene und in dieser Größe exis­tierende Zeugnis der Loheeichenproduktion als Zuliefergewerbe für die Ledergerberei dar. Nicht zuletzt aufgrund des Erhaltungszustandes sind die Eichenbestände einzigartig und insgesamt von überregionaler Bedeutung.

In Verbindung mit den Streuobstlagen und Ackerterrassen, Heckenbeständen, der extensiven Wiesennutzung und den Resten der Mittelwaldnutzung am Hetzleser Berg besteht eine einzigartige Kulturlandschaft von sehr hoher Zeugniskraft. Weitere Elemente von charakteristischer Eigenart sind die Ortsrandhecken und Streuobstgürtel der Quellnischendörfer um den Hetzleser Berg oder um Leutenbach.

Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung sind die Felsenkeller im ehemaligen Weingarten am Gugel (jetzt Hangweg) in Neunkirchen a. Brand, die 1542 angelegt wurden und ein verzweigtes Stollensystem aufweisen. Der Felsenkeller in Kleinsendelbach, einem ehemaligen Bierlager, diente 1943-45 als Standort für einen Rüstungsbetrieb.

H 104.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Albvorland, Serlbach, Auerberg“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der Serlbacher Gewannflur und der Hutweide zwischen Reuth und Serlbach sowie der bedeutenden Altstraßenreste nicht beeinträchtigt werden.

Die sich im Albvorland erstreckende Siedlung Serlbach liegt oberhalb von Forchheim. Sie ist von den ausgedehnten Waldbeständen des Forchheimer Bürgerwaldes, des Heidhügels und des Auerberges umschlossen. Von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung ist die Gewannflur der Siedlung, die noch sehr gut ablesbar ist. Ebenso von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung ist der von Forchheim durch den Bürgerwald nach Serlbach verlaufende Zubringer zur früheren Weinstraße, der auf die einstige Bedeutung Bambergs als zentralen Umschlagplatz für den Osthandel verweist. Hervorzuheben ist noch die Hutweide zwischen Reuth und Serlbach.

H 105.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Albvorland, Jura, Lange Meile“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der zahlreichen Altstraßenrelikte sowie der Vielzahl an bedeutenden, naturraumtypischen Kulturlandschafts­elementen nicht beeinträchtigt werden.

Trotz der tiefgreifenden Veränderungen durch Flurbereinigungen der 1960er - 1980er Jahre weist der Kulturlandschaftsraum noch Kulturlandschaftselemente von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung auf. So gibt es noch eine Vielzahl historisch bedeutsamer und z.T. bis weit ins Mittelalter zurückreichender Altstraßenreste.

Charakteristisch für das Albvorland und den Albtrauf sind die Obstgärten um die Dörfer, wie z.B. um Bammersdorf und die Ackerterrassen und Streuobstlagen bei Niedermirsberg, zwischen Reifenberg und Rüssenbach sowie bei Oberweilersbach und Rettern. Von sehr hoher Bedeutung sind die Sinterterrassen im Eschlipper Tal mit dem Bernbrunnen sowie der Eschlipper Brunnen als Zeugnis der historischen Trinkwasserversorgung auf der Frankenalb. Der Mittelwald an der Sommerleite bei Kauernhofen sowie der Mittelwald auf dem Högelstein bei Rettern im Bereich des Albtraufs sind verbliebene Bestände einer einst weit verbreiteten bäuerlichen Waldnutzungsform, die heute sehr selten geworden sind. Das Heckengebiet bei Eschlipp, die Steintriftheiden am Burgstein und am Wachknock, die Wacholderheidenreste und die historischen Steinbrüche wie z.B. bei Drügendorf oder bei der Burg Feuerstein auf der Langen Meile dokumentieren die einstige Nutzung der Karstlandschaft „Lange Meile“, die Hans DÖRFLER (1962) in seiner „Geschichte der Landwirtschaft von Oberfranken“ als ärmste und einsamste Flur Oberfrankens beschrieben hatte. Zudem ist sie Standort eines historisch bedeutsamen Flugplatzes. Die Bezeichnungen der Waldabteilungen Lohe und Viehanger bei Bammersdorf verweisen auf die einstige Nutzung dieser Flächen. Auch Weinbau wurde noch um 1860 bei Bammersdorf betrieben. Zu erwähnen sind außerdem die zahlreichen Martern, Wegkapellen und Kapellen.

Den Bereich der Langen Meile um die Burg Feuerstein ließ der „Waldpfarrer“ Georg Fröhlich (1878-1953) Anfang des 20. Jahrhunderts aufforsten. 1911/12 erwarb der Pfarrer die ersten Grundstücke „zur vorbildlichen Aufforstung“. 1913 wurde mit Hilfe von 12 Facharbeitern 92000 Pflanzen und später auf 84 Tagwerk rund 700.000 Pflanzen gesetzt. Die Burg Feuerstein (burgartige Anlage) wurde 1941 als Hochfrequenzlabor errichtet; seit 1946 ist sie Haus der katholischen Jugend.

H 106.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Albvorland, Jura, Eggerbachtal, Eggolsheim“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der charakteristischen historischen Kulturlandschaftselemente der Frankenalb und des Albvorlandes nicht beeinträchtigt werden.

An dem Kulturlandschaftsraum lässt sich auf besondere Weise die kulturelle Erschließung ablesen, deren Leitlinie der Eggerbach vorgab und die ihren Ausgangspunkt in Eggolsheim nahm. Im 6. und 7. Jahrhundert drangen die Franken entlang des Main- und Regnitztales in den annden Jura vor. In Eggolsheim entstand eine Außenstelle des Forchheimer Königshofs. Der Forchheimer Königshof bildete einen politischen und kirchlichen Schwerpunktort der Fränkischen Staatskolonisation. Der Talraum des Eggerbachtales wurde im Frühmittelalter erschlossen, was an den sich kettenförmig aneinanderreihenden Dörfern Tiefenstürmig, Götzendorf, Drügendorf und Drosendorf ablesbar ist.

Das Ensemble Eggolsheim mit der aus dem 14. Jahrhundert stammenden Struktur einer "Bachzeilenanlage" ist von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung. Dies gilt auch für die den Ort umgebenden Obstgärten, in denen sich zahlreiche Obstdarren befinden, als Zeugnis für die Tradition des Obstbaus und der Obstverwertung in diesem Raum.

Der im Frühmittelalter erschlossene Trauf der Frankenalb und die Täler hatten eine kleinteilige Realteilungslandschaft ausgebildet, die durch kleinparzellige Gemengefluren, landwirtschaftliche Sonderkulturen (Obstbau) in Verbindung mit Ackerterrassen, eine intensive Nutzflächendurchdringung besaß. Flurbereinigungen der 1960er -1980er haben den Kulturlandschaftsraum im Hinblick auf die Grundstruktur der historischen Flurformen tiefgreifend verändert.

Mit der Drügendorfer und Drosendorfer Steige sind noch Zubringer zur „Alten Heerstraße“ erhalten geblieben. Diese Verbindungen erlangten mit der Gründung des Bistums Bamberg und der Gründung des Klosters Michelsberg (1119) große Bedeutung. Weitere Altstraßenabschnitte sind z.B. Reste von Verbindungsstraßen zwischen den zahlreichen Burgen der Gegend. Allgemein finden sich zahlreiche hohlwegartige Wegeanstiege zur „Langen Meile“; teilweise auch mit Quellaustritten (Kalkgassen) wie z.B. bei Tiefenstürmig.

Charakteristisch für das Albvorland sind die von Obstbäumen gesäumten Ackerterrassen wie sie unter anderem an den Hängen des Eggerbachtales aber auch in anderen Teilbereichen des Gebietes zu finden sind. Das Heckengebiet und die ehemaligen Hutweiden bei Tiefenstürmig können als weitere typische historische Kulturlandschaftselemente diese Raumes exemplarisch genannt werden.

Die in dem Raum vorkommenden Sommerkeller, wie z.B. in Eggolsheim (bez. 1866, mit überdachter Gartenkegelbahn und Lindengruppe) aber auch Kellergassen und einzelne Felsenkeller unterstreichen den Ruf des Forchheimer Raumes als Kellerregion und bezeugen die Tradition des Hausbrauwesens in Franken.

Daneben bilden Marter und Ruhsteine, z.B. entlang alter Kirchwege, typische Elemente der Kulturlandschaft

H 107.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Jura, Untere Wiesent, Fränkische Schweiz, Ebermannstadt, Streitberg, Muggendorf“ soll die historische Vielschichtigkeit und der hohe assoziative Bedeutungsgehalt der Landschaft in besonderer Weise berücksichtigt werden.

Wiederbewaldung und Aufforstung der ehemaligen rtragsgebiete und damit der Schafweiden und Egerten in den letzten 100 Jahren, das Zuwachsen markanter Felsenformationen sowie der Verfall und Abbruch von Burgruinen haben das Erscheinungsbild des Kulturlandschaftsraumes tiefgreifend verändert. Einschneidende Umwälzungen fanden auch durch die Flurbereinigungen der 1960er - 1980er Jahre statt. Das traditionelle Bild der Kulturlandschaft „Fränkische Schweiz“ weicht damit erheblich vom heutigen Erscheinungsbild der Kulturlandschaft ab. Historische Kulturlandschaftselemente sind jedoch in sehr hoher Dichte vorhanden. Als Ausnahmeerscheinung ist die Flur Birkenreuths anzuführen, die noch in ihren Grundstrukturen als spätmittelalterliche Gewannflur in Gemengelage erkennbar ist.

Im Bereich der Hochfläche der Frankenalb sind z.B. die noch vorhandenen Ackerterrassen, Lesesteinwälle und Hüllweiher als markante Beispiele für typische Elemente der historischen Kulturlandschaft von hoher kulturhistorischer Bedeutung.

Die Höhlenforschung um Muggendorf rückte das Wiesenttal und seine nähere Umgebung in den Blickpunkt des wissenschaftlichen Interesses der Forscher und damit einer interessierten Öffentlichkeit. Nach den Forschern und Bildungsreisenden kamen Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts die Romantiker, welche die Karstlandschaft des Juras für sich entdeckten und in Dichtung, Reiseliteratur und Landschaftsmalerei festhielten und damit das Bild von der „Fränkischen Schweiz“ schufen. Das Gebiet um das Wiesenttal wurde zum Inbegriff der „romantischen Landschaft“. So begründet sich der hohe assoziative Bedeutungsgehalt der Landschaft.

1841 wurde der Kurort Streitberg und 1857 der Kurort Muggendorf eröffnet, die eine verkehrstechnische Anbindung durch eine Nebenbahnstrecke erhielten. Eine wohlhabende städtische Bevölkerung errichtete sich in den Kurorten repräsentative Villen. Manche der baulich gefassten Aussichtspunkte gehen auf diese frühe touristische Erschließung des Gebietes zurück. Mehr und mehr entwickelte sich die Fränkische Schweiz zur Erholungs- und Freizeitlandschaft.

Bis in das 13. Jahrhundert lässt sich das Vorhandensein von Wassermühlen in der Fränkischen Schweiz zurückverfolgen. Hervorzuheben ist die ehemalige Mühle in Wöhr (Muggendorf) aus dem 18./19. Jahrhundert. Am Ortseingang von Ebermannstadt befindet sich noch ein erhaltenes Wasserschöpfrad, das auf die lange Tradition der Wiesenbewässerung im Wiesenttal verweist, die bis in das 15. Jahrhundert nachgewiesen werden kann; für die Nebentäler der Wiesent sogar bis ins Hochmittelalter.

Die Burgruine Neideck (13.-15.Jh.) und die Burgruine Streitburg (16. Jh.) bilden Wahrzeichen der Fränkischen Schweiz. Sie spiegeln gleichzeitig die einst konkurrierenden Machtansprüche des Hochstiftes Bamberg und der Markgrafschaft Brandenburg-Bayreuth in dem Kulturlandschaftsraum wieder.

Von hoher kulturhistorischer Bedeutung sind auch die zahlreichen Altstraßenreste und Kirchwege dieses Raumes. Von besonderer kulturhistorischer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch die Lindenreihe (Dooser Berg) Richtung Engelhardtsberg entlang eines hochmittelalterlichen Geleitwegs.

Im Ebermannstädter Raum wurden viele Nussbäume und Zwetschgenbäume kultiviert. Besonders charakteristisch ausgeprägt sind die Walnussbäume und Zwetschgenreihen in Kombination mit Acker­terrassen im Wiesenttal z.B. im Bereich Rüssenbach oder um Ebermannstadt. Der Sommerkeller in Ebermannstadt, die Kellergasse am Ebermannstädter Schützenhaus, die Kellergasse in Gasseldorf und sonstige Felsen- und Erdkeller zeugen von der Tradition des fränkischen Hausbrauwesen sowie der Notwendigkeit der Lagerungsmöglichkeiten für Bier, aber auch für Obst und Gemüse.

Der ehemalige Marmorsteinbruch vor der Neideck und der ehemalige Dolomitsteinbruch bei der Burgruine Streitburg belegen die Gewinnung von Rohstoffen und Baumaterial sowie deren lokale Verwendung.

H 110.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Jura, Oberes Trubachtal, Hiltpoltstein“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der historischen Grenzmarkierungen und der Altstraßen sowie der charakteristischen historischen Kulturlandschafts­elemente der Frankenalb nicht beeinträchtigt werden.

Der Kulturlandschaftsraum zählt zu den altbesiedelten Räumen Oberfrankens. Das bis heute wirksame kulturlandschaftliche Grundgerüst wurde in der Zeit vom 7. bis 9. Jahrhundert mit der Erschließung des Trubachtals gelegt. Als Vorwerke der Festung Forchheim entstanden bereits im frühen Mittelalter Burgen oberhalb des Trubachtales, was an zahlreichen Burgställen ablesbar ist. Die Burgruinen Thuisbrunn und Bärnfels sowie die Minnesängerburg Wolfsberg dokumentieren die Erschließung des Kulturlandschaftsraumes ebenso wie die strategische Sicherung der einstigen zwischen dem Altbistümern Würzburg und Eichstätt bzw. zwischen dem fränkischen Radenzgau und dem bairischen Nordgau durch die reichsfreien Adelsgeschlechter im Hochmittelalter.

Obertrubach war im Mittelalter ein wichtiger Grenzpunkt zwischen dem Bistum Bamberg und der Freien Reichsstadt Nürnberg, was sich heute noch an der sogenannten Fraisch- ablesen lässt. Durch einen Vertrag wurden im Jahre 1607 Grenzsteine zwischen Obertrubach und Bronn errichtet, von denen einige bis heute im Gelände vorhanden sind. Sie zeigen das Nürnberger Wappen auf der einen Seite und das Bamberger auf der anderen Seite. Die ehemalige Fraisch (Zehntverfassung: fränkisch Cent, bairisch Fraisch) ist eine in ihrem Ursprung hochmittelalterliche , die ein mehrere Herrschaften umfassendes Gerichts- und Landfriedensgebiet, mit Zehntpflicht und –genossenschaft sowie Blutgerichtsbarkeit abgrenzte.

Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung ist das Ensemble Hiltpoltstein, an dem sich die kulturlandschaftliche Prägung durch die Reichstadt Nürnberg noch besonders gut ablesen lässt.

Prägend für das obere Trubachtal sind die Mühlen, die von Obertrubach bis Egloffstein eine Mühlenkette ausbilden. Auch in den Nebentälern sind noch alte Wassermühlen in Betrieb und/oder werden als Mühlengaststätten genutzt, eine Tradition, die mit der Entdeckung der Fränkischen Schweiz als Ausflugsregion zu Beginn des 19. Jahrhunderts einsetzt.

Flurbereinigungen der 1960er - 1980er haben den Kulturlandschaftsraum in weiten Teilen verändert. In den Gewannfluren mit Gemengelage in Untertrubach, Hundsdorf, Geschwand, Bärnfels, Herzogwind und Obertrubach haben sich allerdings noch Flurformen erhalten, welche die landwirtschaftliche Erschließung des Kulturlandschaftsraumes im Hochmittelalter in ihren Grundstrukturen ablesen lassen.

Als naturraumtypische historische Kulturlandschaftselemente geben insbesondere die noch vorhandenen

  • Heckengebiete,
  • Lesesteinhaufen und –wälle,
  • Trockenmauern,
  • Hutflächen und Wacholderheiden,
  • Hüllweiher,
  • Streuobstbestände und
  • Ackerterrassen

Zeugnis von den charakteristischen Landnutzungsformen des Juras. Sie sind in dieser Hinsicht von hoher kulturhistorischer Bedeutung. Als Besonderheiten sind das Flurwächterhäuschen in Thuisbrunn und die Hirtenhäuser in Herzogwind und Höfles eigens zu erwähnen. Hervorzuheben sind auch die Streuobstbestände in Kombination mit Ackerterrassen bei Dörfles und Wolsberg sowie die Obstgärten um Thuisbrunn.

Der Kulturlandschaftsraum weist darüber hinaus noch Teilstrecken frühmittelalterlicher Altstraßen, und hochmittelalterlichen Geleitstraßen auf, die von sehr hoher kulturhistorischer Bedeutung sind.

H 111.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Jura, Kunreuth, Ermreuth, Gräfenberg“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der zahlreichen Altstraßenreste, der Schneitelbäume sowie der charakteristischen historischen Kulturlandschaftselemente der Frankenalb nicht beeinträchtigt werden.

Der 1172 erstmals urkundlich erwähnte Ort Gräfenberg entwickelte sich an einem Schnittpunkt dreier alter, von Nürnberg, Bayreuth und Egloffstein kommender Straßen, der durch eine abgegangene Burg gesichert war. Im 16. Jahrhundert wurde Gräfenberg von der Reichsstadt Nürnberg erworben, die somit ein geschlossenes Territorium bis weit in die Fränkische Schweiz ihr Eigen nennen konnte.

Die reichsritterschaftliche Prägung dieses Kulturlandschaftsraumes lässt sich auf besondere Weise an den historisch bedeutenden Orten Kunreuth und Ermreuth ablesen. Die Schäferei war bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert der bedeutendste Wirtschaftsfaktor der Schlossökonomie von Kunreuth, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts von einigen Bauern fortgeführt wurde. Historische Flurnamen und die historische Schafwäsche am Troppbach sowie am Laschbach an der Gemarkungs zu Ermreus sind Relikte des Schäfereigewerbes. Darüber hinaus existieren noch Triftwege, wie der von Kunreuth nach Schlaifhausen sowie der ehemalige Schafstall in Kunreuth (Denkmalruine).

Der historische Teich der Schlossökonomie Kunreuth ist noch am Auslassgraben und dem künstlich aufgeschütteten Wegedamm ablesbar. Fischzucht betrieb die Schlossherrschaft schon im 16. Jahrhundert.

Von herausragender kulturhistorischer Bedeutung sind auch die zahlreichen Altstraßenreste in dem Kulturlandschaftsraum. So ist z.B. der Aufstieg von Weingarts nach Regensberg als Hohlweg und der Abschnitt Regensberg-Rangen als Feldweg erhalten. Beide Altstraßenreste sind Bestandteile der karolingischen Fernverbindung zwischen dem einstigen Radenzgau und dem bairischen Nordgau und dokumentieren die wirtschaftliche und politische Bedeutung Forchheims im Zuge der Ostexpansion der Karolinger. Im Hochmittelalter wurden zahlreiche Wegeverbindungen angelegt, welche die verstreuten Territorien der Reichsstadt Nürnberg, des Kantons Gebirg und der Markgrafschaft miteinander verbanden und auch der Verbindung bereits bestehender Altstraßen dienten.

Als naturraumtypische historische Kulturlandschaftselemente geben insbesondere die noch vorhandenen

  • Hüllweiher,
  • Heckengebiete,
  • Lesesteinwälle,
  • Streuobstbestände und
  • Ackerterrassen

Zeugnis von den charakteristischen Landnutzungsformen des Juras. Sie sind in dieser Hinsicht von hoher kulturhistorischer Bedeutung. Als Besonderheiten sind das Flurwächterhäuschen bei Gräfenberg sowie die Gewannflurreste in Gräfenberg und die Gewannfluren von Gräfenbergerhüll und Guttenburg eigens zu erwähnen.

Die Kopfeichenbestände am Hetzleser Berg im Bereich südlich Weingarts, Ermreus und Gaiganz verweisen auf das einstige Gewerbe der Lohegewinnung. Die Kopfeichen, als auch Kopfpappeln und Kopfhainbuchen stehen in einigen Fällen an Hohlwegen (teilweise aufgefüllt) wie z.B. südöstlich von Kunreuth. Von sehr hoher kulturhistorischer und assoziativer Bedeutung sind die Kasberger Linde (Gerichtslinde)/Fragment der „Kunigundenlinde“ sowie die Linde bei Gosberg an der ehemaligen Herrschafts Wiesenthau-Hochstift Bamberg.

H 112.1
Bei der weiteren Entwicklung des Kulturlandschaftsraumes „Jura, Kloster Weißenohe, Igensdorf“ soll die Ablesbarkeit der Geschichte insbesondere in Form der Kulturlandschaftselemente, die auf die klösterliche Prägung des Raumes verweisen, sowie der Gewannflurreste und der vorhandenen Altstraßen nicht beeinträchtigt werden.

Das ehemalige Benediktinerkloster Weißenohe war um 1000 n. Chr. ein bedeutender Ausgangspunkt des Kirschenanbaus im Forchheimer Land, der heute noch den Kulturlandschafts­raum prägt. Hervorzuheben sind die Streuobstbestände in Kombination mit Ackerterrassen bei Weinberg, zwischen Weinberg und Igensdorf, südlich Weißenohe und Dorfhaus sowie zwischen Mitteldorf und Eichenmühle.

Die Gewannflurreste um Weißenohe, die Gewannflur Dorfhaus, die Teichkette im Lillachtal bei Dorfhaus und wohl auch die historische Weinbergslage im Bereich der Gemarkung Weinberg verweisen auf die klösterliche Prägung dieses Raumes, die bis zur Auflösung des landständischen Klosters im Zuge der Säkularisation währte. Insgesamt haben Flurbereinigungen der 1960er - 1980er weite Teile der Gemeindeflur Lillings tiefgreifend verändert.

Die Verbindung der pfalzbayrischen Enklave Weißenohe ins pfalzbayrische Gebiet Rothenberg erfolgte über den „Pfaffenweg“ der bei Dorfhaus am Lillinger Wald vorbeiführt und heute noch erhalten ist.

Besonders hervorzuheben sind noch die Kapelle Heutal bei Lilling mit Lindenkranz sowie die Hüllweiher bei Lilling und zwischen Lilling und Erlastrut als Zeugnisse der einstigen Brauchwassergewinnung auf dem Jura. Auch die Sinterstufen im Lillachtal bei Dorfhaus, die wohl noch Spuren der einstigen Kalktuffgewinnung aufweisen, sind Teil der historischen Wertigkeit des Raums.

 


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